Remote jobs

Angestellt und trotzdem ortsunabhängig? So findest du Jobs!

Dies ist ein Gastbeitrag von Hannah Schmitt-Samuels.

Viele Menschen, die es online versuchen, reizt vor allem eines: Die Möglichkeit, von theoretisch jedem Ort aus arbeiten zu können.

Abenteuer zu erleben. Die individuell perfekte Work-Life-Balance heraus zu kristallieren. Sein Leben nicht hinauszuschieben, bis die Freiheit der Rente winkt (und mit ihr ggf. so einige körperliche Gebrechen), sondern jetzt schon auszuziehen und hinter all die Träume, die man auf seiner Bucket-Liste angesammelt hat, einen Haken mit Smiley zu setzen.

Diese Freiheit kommt allerdings mit einer sehr essentiellen Frage einher…

WOHER KOMMT DAS GELD?

Sicher, es gibt einige, die es schaffen, sich online ein Passiveinkommen zu erwirtschaften. Aber so etwas braucht Zeit und in der Regel auch ein wenig Geschick, um an den richtigen Rädern zu drehen.

Bis das trägt kann es sein, dass du von Freiheit und Abenteuer erst mal nicht viel zu spüren bekommst, weil du nämlich hart arbeiten und das vorher ersparte Geld zusammenhalten musst.

Diejenigen, die kein Passiveinkommen haben, sind in der Regel Freelancer oder Dienstleister wie z.B. Coaches. Bei beiden gibt es ein gewisses Abhängigkeitsproblem: Hast du keine regelmäßigen Kunden, der dich theoretisch über Wasser halten kann, hast du ständig Bauchschmerzen, woher bloß dein nächster Paycheck kommt.

Das ist nicht jedermanns Sache. Besonders nicht für Leute, die auch noch die Verantwortung für ihre Familie tragen. Wenn ich als junger Erwachsener mal einen Monat nicht so viel/toll essen kann, oder in die nächstbeste WG auf eine Couch ziehe, um ein Dach über dem Kopf zu haben, ist das eine Sache. Wenn es um die eigenen Kinder geht, eine ganz andere.

Was schade ist, denn dadurch rückt der Traum von der Ortsunabhängigkeit vermeintlich in weite Ferne. Und mit ihr all die Abenteuer, die du eigentlich erleben wolltest.

ABER WAS WÄRE…

…wenn es gar nicht so sein muss? Was, wenn es gar kein entweder-oder, kein Träume leben oder finanzielle Sicherheit, sein muss? Wenn du dafür weder Freelancer sein, noch ein Online-Business-Passiveinkommen haben musst? Sondern das ganz banal als Angestellter gehen könnte?

Nein, wirklich! Das geht! Es gibt tatsächlich Jobs, bei denen man festangestellt ist, aber trotzdem nicht ins Büro kommen muss.

WIE KOMMT MAN AN SOWAS RAN?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Bevor wir hier aber über konkrete Such-und-Finde-Möglichkeiten sprechen, ist es wichtig, einmal kurz analysieren. Nicht jeder Job ist für die Ortsunabhängigkeit geeignet. Wenn du eigentlich Verkäuferin bist und im Laden präsent sein musst, kannst du natürlich nicht erwarten, diesen Beruf weiter ausüben und gleichzeitig die Flatter machen zu können.

Geeignet sind generell Tätigkeiten, die zum größten Teil am Computer stattfinden. Das sind klassischerweise IT-Jobs, aber auch Design, Schreibarbeiten, Marketing und Kommunikation lassen sich prima ausführen, egal wo du dich mit deinem Laptop hinpflanzt (Internet vorausgesetzt).

Falls du in einem nicht-geeignetem Job steckst, überlege für dich, ob du den Beruf wechseln magst. Vielleicht ist es ja auch möglich, innerhalb der Firma in eine andere Abteilung zu wechseln?

Falls du in einem geeignetem Beruf arbeitest, suche das Gespräch mit deinem Chef. Wer weiß, vielleicht ist er ja einverstanden, wenn du ihm die Vorteile für beide Seiten schmackhaft machen kannst. Einen Versuch ist es in jedem Fall wert.

Damit das Gespräch aber nicht sofort im Sande verläuft, mach dir  ein paar realistische Gedanken. Wie könnte dein zukünftiger Arbeitsrhythmus aussehen? Gibt es bestimmte Zeiten, in denen du garantiert erreichbar bist? Ist es möglich, Absprachen in regelmäßigen Skypegesprächen zu treffen? Welche Cloudsoftware könntet ihr als Dokumentenspeicher/-übergabe nutzen? Sind Chatnachrichten eine Möglichkeit, wenn ein richtiges Gespräch nicht funktioniert?

Je mehr Fragen du beantworten kannst und je klarer dein eigenes Bild im Kopf, desto besser. Solltest du jedoch auf Granit beissen und nicht zurückstecken wollen, muss wohl ein neuer Job her. Du könntest nach einem “ortsunabhängigen Job” googeln, aber das bringt erfahrungsgemäß wenig brauchbare Ergebnisse.

PLATTFORMEN

Ein bisschen besser ist es, bei den klassischen Jobportalen wie Monster.de oder indeed.de vorbeizuschauen. Hier solltest du allerdings nach dem Stichwort “Home Office” suchen. “Remote” oder “ortsunabhängig” scheinen sie nicht zu kennen. Sei aber nicht zu enttäuscht, wenn die Beute nicht besonders groß ist: Die meisten Jobs im Home Office sind hier leider Vertriebstätigkeiten im Außendienst, die noch dazu an eine bestimmte Region gebunden sind…

Es gibt allerdings Plattformen, die speziell auf “Remote Jobs” ausgelegt sind.

Zu den internationalen Jobbörsen, die sich auf ortsunabhängige Jobs spezialisiert haben, gehören z.B. RemoteOk.io, WeWorkRemotely.com und GoRemote.io.

Spannend ist auch dieser Artikel: 25+ fully remote companies that let you work from anywhere

Dann gibt es Jobbörsen mit mehrheitlich “normalen” Angeboten, deren Dichte an ortsunabhängigen Jobs sich jedoch sehen lassen kann.

Dazu gehören Stackoverflow, Jobspotting und Freelancermap.

Nun ist es aber so, dass all diese Plattformen etwas gemein haben: Neben einem großen Angebot für Freelancer (was wir ja gerade nicht wollten), sind sie auch sehr international.

INTERNATIONAL?

International ist an sich nichts Schlimmes, schließlich kannst und willst du deine Arbeit von überall aus erledigen. Warum also darauf achten, wo der Sitz der Firma ist? Ganz einfach, weil sich die Arbeitsgesetze zwischen Deutschland und z.B. den USA, woher die Mehrheit der Angebote kommt, stark unterscheiden. Deutsche Firmen geben beispielsweise wesentlich mehr (bezahlte!) Urlaubstage. Wir haben hier einen umfassenden Mutterschutz. Eine real existierende Elternzeit. Einen Kündigungsschutz. Und einen Krankenversicherungsschutz!

Ganz anders in den USA. Hier gibt es keinen garantierten Mindesturlaub. Tatsächlich ist es so, dass 70% der Arbeitnehmer nur 15 Tage oder noch weniger frei haben im Jahr – meist unbezahlt, versteht sich. Der Mutterschutz beträgt hier ganze drei Wochen nach der Geburt (vor der Geburt gibt’s nix frei, es wird gearbeitet bis das Baby kommt). Und von Elternzeit hat noch nie jemand was gehört.

Kündigungsschutz in den USA? Hüst, hüst. Nein. Du bekommst netterweise 14 Tage vorher Bescheid gesagt, dass du deinen Tisch räumen darfst. Tjaaaa, und Krankenversicherung? Manchmal bietet der Arbeitgeber eine Versicherung, die aber jedes Jahr neu mit der Krankenversicherung verhandelt wird. Ansonsten sieht es mau aus. Auch, wenn die Affordable Care, auch Obamacare genannt, noch ein klein wenig länger Bestand hat als erwartet, ist es doch mit dem Leistungsangebot der deutschen Krankenversicherung (oft auch preislich) nicht vergleichbar. Und wie es damit weitergeht steht noch in den Sternen.

Dies alles sind Gründe, für ein deutsches Unternehmen zu arbeiten. Und wer weiß, vielleicht willst du irgendwann wieder sesshaft werden. Deutsche, ortsunabhängige Festanstellungen sind leider unglaublich schwer zu finden. 

KENNSTE, KENNSTE, KENNSTE?

Eines ist die Jobbörse von DNX.

Zu einem großen Teil gibt es hier deutsche Arbeitsangebote. (Leider) sind viele projektbasierte Aufgaben für Freelancer dabei. Aber das ist nicht immer der Fall.

BerlinStartupJobs.de ist eine weitere Option. Hier gibt es zwar auch viele Angebote für ortsgebundene Anstellungen oder auch für Freelancer, allerdings sind wirklich viele gute remote Jobs in Festanstellung dabei.

Und dann gibt es noch RemoteArbeiten.de, das von Coworking-Space-Plattform MESHVILLE ins Leben gerufen wurde. Der große Vorteil hier ist, dass diese Seite stark kuratiert ist. Es gibt ausschließlich Festanstellungen bei deutschen oder mitteleuropäischen Firmen, die zu mindestens 50% ortsungebunden sind.

Und auch, wenn der Fokus auf IT liegt, einfach, weil es hier die meisten Angebote gibt, so ist doch auch etwas für Texter, Designer, Projektmanager oder Social Media Experten dabei.

In eine ganz andere Richtung gehen Programme wie Remote Year. Wenn man nach Begleitung und Struktur sucht, seien sie einem wirklich ans Herz gelegt. Wer noch keinen remote-fähigen Job hat, kann hier einen finden. Entweder als Freelancer, getragen durch das Netz der Community, oder sogar als Angestellter in einem Unternehmen. Remote Year arbeitet nämlich mit Unternehmen und Start-Ups zusammen, die ein offenes Ohr für Freiheitsliebende haben.

Ein langfristiges Modell ist es zwar nicht, denn nach einem Jahr ist Schluss und dann stehst du wieder an dem gleichen Punkt wie heute: wie kann ich remote arbeiten? Einen gewissen Kick bekommt die digitale Karriere allerdings durchaus und man lernt in so einem Jahr unglaublich viele Dinge über#s remote Arbeiten, die man sicher hinterher auch in eigener Sache nutzen und umsetzen kann.

Nur Geld kostet es auch eine Menge. Neben einer einmaligen Aufnahmegebühr in Höhe von 5.000 USD kostet das Programm jeden Monat weitere 2.000 USD. Inbegriffen sind Unterkunft, Coworking Space und Transport zwischen den Destination und Aktivitäten, also Ausgaben, die du auch für dein Leben tragen würdest, aber du hast kein Einsparpotential nach unten. Und wenn man Familie hat, kann man nicht mitmachen. Mitnehmen kann man sie nämlich nicht.

Ich hoffe, dass du mit all diesen Tipps nun dem Traum vom Digitalen Nomadentum ein gutes Stück näher kommst – ohne Kopfschmerzen, wie du geldtechnisch den nächsten Monat überstehen sollst.

Hast du Erfahrungen mit dem Reisen als Festangestellter gemacht? Oder kennst du eine gute Jobplattform, die ich hier ausgelassen habe? Schreib einen Kommentar und lass es mich wissen!

Über die Autorin:

Hannah Schmitt-Samuels ist Webdesignerin, Videoproduzentin, Bloggerin, Coach und Mama. Sie liebt die Vielfalt und vor allem die Freiheit, die der Fortschritt der Technik mit sich bringt. Hannah arbeitet fast ausschließlich ortsunabhängig, meist innerhalb von Deutschland, da sie eine Tochter im schulpflichtigen Alter hat. Unterwegs ist der Laptop immer dabei und einfach nur Urlaub ohne Arbeit eher selten.

1Comment
  • sabbine
    Veröffentlicht um 21:20h, 08 August Antworten

    genialer artikel mit so vielen links zum ortsunabhängigen arbeiten… prima… einen link den ich auch nutze ist startup.cc… sonnige grüße

Kommentar hinterlassen