e-residency card

06 Apr Digitaler Welt-Bürger werden: E-Residency in Estland

Internetzugang ist ein Grundrecht in Estland. Die Verfassung garantiert ihren Bürgern kostenloses W-Lan – und saniert dafür die IT-Infrastruktur alle paar Jahre.

Mit dem immer präsenten World Wide Web haben sich auch die staatlichen Dienstleistungen gewandelt: 93 Prozent der Steuererklärungen werden digital eingereicht, Ärzte stellen Rezepte über eine virtuelle Gesundheits-Datenbank aus, Wahlen erfolgen per SMS. Schon 1997 wurden alle estnischen Schulen in der Aktion „Tigersprung“ ans Netz geschlossen und Programmieren in den Lehrplan integriert.

Die Digitalisierung ist zum Markenzeichen des kleinen baltischen Landes geworden – oder besser: zum Markenzeichen von E-Stonia.

WORUM GEHT’S? E-RESIDENCY

So richtig einen raus gehauen hat der Mini-Staat 2014, als Estland als erstes Land des Globus eine virtuelle Staatsbürgerschaft einführte: Die sogenannte E-Residency. Dabei handelt es sich um eine grenzunabhängige, virtuelle Niederlassung, für die sich jeder bewerben kann. Mit jeder meine ich: jeder. Ohne einen Wohnsitz in Estland zu haben – und auch ohne im Land anwesend zu sein.

Warum das interessant ist? Weil du als estnischer Digital-Bürger von allen virtuellen Serviceleistungen Estlands profitieren kannst. Im Klartext: Eine Firma gründen und diese von unterwegs verwalten.

ALL YOU NEED IS… SMART ID CARD

Die Digitalisierungswelle hat Estland mit Kindesbeinen des Internets gepackt, wie wir ja nun wissen. Damit im ersten Schritt die Esten die staatlichen Digital-Dienste auch nutzen können, wurde die sogenannte Smart ID Card eingeführt: Eine Plastikkarte mit integriertem Mikro-Chip, die als Personalausweis dient, Zugang zu den Tools gewährt und für die digitale Signatur von Dokumenten verwendet wird. Heißt – nie wieder etwas ausdrucken und physisch unterschreiben, oder gar per Post versenden müssen. Hallo Deutschland.

Mit Taavi Kotka, Mitbegründer von Skype und IT-Beauftragter der estnischen Regierung (übrigens Speaker auf der upcoming DNX Global in Lissabon), stand im zweiten Schritt die Idee der E-Residency in der Tür der estnischen Regierung: Warum nicht allen Weltbürgern Zugang zu diesem System verschaffen – und so Firmengründungen von Ausländern in Estland begünstigen?

WILL ICH HABEN. E-RESIDENCY STEP-BY-STEP

Gesagt – getan. Und nach diesem Motto erkläre ich dir hier, wie du Schritt für Schritt deine Firma in Estland gründest.

Wichtig zu wissen: Du musst zuerst E-Resident werden, um dann deine Firma gründen zu können (oder Firm-en). Ich selbst habe beides im letzten Jahr gemacht und erkläre dir, wie ich vorgegangen bin.

Aber Achtung. Die E-Residenz ist keine „echte“ Staatsbürgerschaft. Mit ihr erhältst du kein Wahlrecht, keinen steuerlichen Wohnsitz – und auch kein Einreiserecht in die EU oder nach Estland.

Teil 1: E-Resident werden

a) Bewerbung für die E-Residency

Volljährig? Nicht vorbestraft? Dann kannst du dich unter https://apply.gov.ee/ für die digitale Staatsbürgerschaft bewerben – also im physischen Sinne für die Smart ID.

Estland e-residency

Ein paar persönliche Angaben später, 50 Euro leichter, nach dem Background-Check der estnischen Grenzpolizei und mit etwa einem Monat Wartezeit… bekommst du eine Bestätigungsmail. Sofern du keinen Dreck am stecken hast.

b) Abholung der Smart ID Card

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Darin wirst du aufgefordert, dein wertvollstes neues Stück Plastik abzuholen. Zusammen mit einem USB-Kartenlesegerät plus Software und der einmaligen Abgabe deiner Fingerabdrücke, ergibt das Paket deine neue digitale Identität.

Du hast richtig gehört. Es handelt sich um ein physisches Paket. Um es abzuholen, musst du aber nicht zwangsläufig in Estland sein – es gibt zahlreiche Botschaften, bei denen man seine E-Residency einsammeln kann:

Estonia e-residency

Die Frage nach dem Wo beantwortest du bereits bei der Online-Anmeldung.

c) Nutzung der Online-Tools

Nach der Installation deiner Software werden im Online-Portal die digitalen Services für dich freigeschaltet. Damit kannst du deine Firma im „Company Registration Portal“ anmelden.

Teil 2: Firma gründen

a) Wahl der Unternehmensform

Folgende Unternehmensformen stehen zur Auswahl:

– Private Limited Company (ähnlich GmbH)

– Sole Proprietor (ähnlich Einzelunternehmen)

– Limited Partnership (KG)

– General Partnership (OHG)

– Non-Profit

Die Private Limited, also die (osaühing), ist das estnische Pendant zur GmbH und ist die Form, die ich gewählt habe. Im Gegensatz zum deutschen Modell müssen als Stammkapital statt 25.000€ allerdings nur 2.500 Euro hinterlegt werden. „Müssen“ in Anführungszeichen, denn keiner zwingt dich dazu. Allerdings erst nach Einzahlung des Stammkapitals ist die Haftung auf das Vermögen des Unternehmen beschränkt. Vorher haftest du persönlich. Außerdem kannst du dir erst Dividenden ausschütten, wenn der Betrag vollständig ist. Daher ist es empfehlenswert, das Ganze innerhalb von 12 Monaten abzuwickeln.

Fun Fact: Für die Einzahlung brauchst du keinen Notar oder dergleichen. Du kannst dir das Geld Schritt für Schritt mit dem Verwendungszweck „Stammeinlage“ (auf Estnisch – Aktsiakapitali) auf dein Firmenkonto überweisen.

b) LeapIN und deine Geschäftsadresse

Kein Wohnsitz, keine Anwesenheitspflicht, kein Papierkram. Aber: Eine Geschäftsadresse braucht man, um sie im Unternehmensregister zu hinterlegen.

Für die Adresse und auch für andere Belange nutze ich die estnischen Agentur LeapIN. Dieser Anbieter hat sich auf digitale Nomaden spezialisiert und stellt dir für 18 Euro im Monat eine Geschäftsadresse im StartUp Viertel der Hauptstadt Tallinn zur Verfügung. Hier sitzt meine Firma…

Steuern digitale Nomaden

 

In weiteren Paketen kannst du dem Team auch deine Buchhaltung und Steuererklärung aufs Auge drücken, Pakete inklusive Pricing findest du hier.

Seit Mitte 2016 nutze ich die Services der Agentur und bin extrem zufrieden. Jedoch möchte ich hier nicht werben und habe auch keine finanziellen Vorteile davon, wenn du dich für eine Zusammenarbeit mit LeapIN entscheidest. Das Unternehmen in Estland kannst du auch ohne bzw. mit einem anderen Dienstleister gründen und verwalten. Der Service von LeapIn war aber einfach auch bei allgemeinen Fragen enorm unterstützend und hilfsbereit.

Wer sich nicht selbst durch den digitalen Papierkram bei der Firmenanmeldung wühlen möchte, kann sich also von Anfang an Unterstützung von der Agentur holen. Ein Rundumdienst für Nomaden in E-Stonia also.

Allerdings. Die Steuern für den Handel von physischen Gütern wickelt LeapIN nicht ab. Insofern ist der Dienst nicht allumfassend für FBA-ler geeignet. Zum Thema FBA über eine Estnische OÜ, siehe weiter unten im Text.

c) Name des Unternehmens

Auf der Startseite von LeapIN kannst du testen, ob dein Firmenname noch zu haben ist. Immerhin handelt es sich um eine europäische Kapitalgesellschaft, die im Unternehmensregister eingetragen ist – daher muss der Name deiner Firma verfügbar sein. Übrigens: Falls dir dein Firmenname irgendwann nicht mehr passt, kannst du ihn für schlappe 18 Euro ändern. Den Namen einer Kapitalgesellschaft. Für 18€.

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d) Registrierung und Anmeldegebühr

Im Anschluss registrierst du dein Unternehmen offiziell im „Company Registration Portal“. Damit einher geht die Überweisung von 145 Euro nach Estland, wofür du problemlos dein deutsches Konto nutzen kannst. SEPA sei Dank. Sobald das Geld beim dortigen Registrierungsamt eingeht, dauert es in der Regel nur einen Werktag, bis deine Firma eingetragen ist.

e) Signatur

Mit deiner neuen Smart ID Card unterschreibst du jetzt digital – mit entsprechender kostenlosen Software –  die Registrierung deiner neuen Firma. Bei mir hat es nur einen Tag gedauert, bis ich meine Firma im Register finden konnte!

f) Stammkapital

Wenn du bei „establish the company without making capital contribution“ ein Häkchen setzt, hast du freie Hand, bis wann du das Stammkapital einzahlst.

g) Ja, nein, Geschäftskonto?

Wie schon gesagt, kannst du sämtliche Schritte digital und von überall auf der Welt abwickeln, um E-Stonian zu werden. Nur zur Eröffnung eines estnischen Geschäftskontos musst du dein physisches Gesicht zeigen. Das schreibt das Europäische Geldwäschegesetz vor. Wobei Estland daran arbeitet, auch diesen Vorgang ins Netz zu verlagern, die Rede ist sogar von diesem Jahr.

Damit stellt sich die Frage: Brauche ich zwangsläufig ein estnisches Geschäftskonto?

Nein. Aber es macht in jedem Fall Sinn. Weil die Unternehmensgewinne besteuert werden, sobald sie das Land auf ein ausländisches Konto verlassen, also zum Beispiel auf ein deutsches. LeapIN hat mir dazu folgende Auskunft gegeben: 

People use E-Residency to open companies in Estonia and your company needs a bank account to function. E-Residency does not interfere with your personal tax residence but the Estonian company is considered a tax resident in Estonia and taxed accordingly.

Falls du dich also für ein Konto in Estland entscheidest, kannst du zwischen LHV (estnische Bank), Swedbank (schwedische Bank) und SEB (ebenso schwedische Bank) auswählen – alle drei unterstützen die E-Residency. Mit Ausweis und Firmenpapieren gerüstet hat meine Kontoeröffnung bei der LHV in Tallin etwa 20 Minuten gedauert. Die Erfahrung von unkomplizierten Prozessen und geringen Gründungskosten hat sich also von der Bewerbung um die E-Residency bis zum Verlassen der Bank bei mir durchgezogen.

Officeflucht

VORTEILE IM ÜBERBLICK

Meiner Meinung nach hat die E-Residency und eine Firmengründung in Estland echt einige Pros. Viel Spaß beim Wühlen in der Vorteilskiste:

1. Boom, Boom. Estland

Estland ist ein Startup-Land und hat eine der besten IT-Infrastrukturen der Welt. Weil Programmieren schon in der Schule gelehrt wird, ist die Technologie fest in der Gesellschaft verankert. Wie Skype kommt auch der Bezahldienst Transferwise aus Estland. Die Möglichkeiten des Onlinebankings sind also noch lange nicht ausgeschöpft.

Dazu kommt, dass Estland wirtschaftlich saugut dasteht. Kein anderes EU-Land hatte im letzten Jahr so wenige Schulden, wie der baltische Staat – die Arbeitslosenquote liegt unter dem EU-Durchschnitt.

digital nomad residency

Was haben die Esten also richtig gemacht? Schon mit Aussicht auf den EU-Beitritt 2004 leitete das Land einen krassen Sparkurs ein. Als der Euro eingeführt wurde, erfüllte Estland alle Maastricht-Kriterien: Geringer staatlicher Schuldenstand, geringes jährliches Haushaltsdefizit, stabiler Wechselkurs usw.

e-residency

Trotzdem schlug die Krise 2009 / 2010 knüppelhart zu, traf die Wirtschaft ins Mark, lies die Arbeitslosigkeit ansteigen. Die umgeschubsten Esten spielten Stehaufmännchen, der Premier Andrus Ansip hob Rentenalter und Steuern an, kürzte Gehälter, strich Leistungen – und machte Nachts in Tallinn die Lichter aus, um zu sparen. Die Esten erholten sich. Wählten Ansip 2011 wieder. And here we are.

2. Staatenlos

Jeder Nicht-Este, jeder Este und somit Alle können die Vorteile des estnischen Unternehmensrechts nutzen. Als Nicht-Este muss man sich zuvor nur für die virtuelle Residenz bewerben.

3. Gründung einer Europäischen Kapitalgesellschaft

Der Vorteil von Estland gegenüber einer Firmengründung beispielsweise in Hongkong oder Panama ist, dass du eine Europäische Kapitalgesellschaft gründest. Damit musst du dich vor einer deutschen GmbH nicht verstecken und begegnest sicherlich weniger Skepsis.

4. Niedrige Kosten

Stammkapital ist gleich Haftsumme ist gleich 2.500 Euro. Hoffentlich haftest du nie. Aber wenn, bedeutet das nicht deinen finanziellen Ruin auf Lebenszeit.

Dazu kommt, dass zum Beispiel der Notar wegfällt und du somit im Gegensatz zu anderen Offshore-Standorten niedrige Verwaltungskosten hast. Und überhaupt sind die Kosten für die Anmeldung der E-Residency und der Firma alles echt überschaubare Summen.

Derzeit liegt das Setup einer E-Residency und einer estnischen Firma insgesamt bei etwa 300 Euro.

5. Quick n’ Dirty

Nicht nur die Anmeldung ist unkompliziert und schnell abgewickelt. Die Wartezeiten sind kurz, innerhalb eines Tages nach Registrierung findest du deine Firma im Register. Innerhalb eines Tages. Im Register.

6. Digitale Verwaltung

Während du auf dem Globus arbeitest, kannst du wichtige Papiere digital unterzeichnen. Anwesend sein war Deutschland.

Kommt die Frage auf, ob so eine digitale Signatur überhaupt Gültigkeit haben kann. So eine digitale Signatur hat Gültigkeit. In Estland, und da ist ja jetzt deine Firma, ist die sie einer handschriftlichen absolut gleichgestellt. Der Mikrochip der Smart ID arbeitet mit zwei Sicherheitsschlüsseln: Einer für die Unterschrift und einer für die Autorisierung zur Nutzung der Online-Services. Willkommen in E-Stonia.

STEUERN UND BETRIEBLICHE AUSGABEN

Vorab: Estland ist kein Steuerparadies. Es besteht ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland, weswegen Informationen zwischen den Behörden Gang machen.

Und. Sorry falls ich mich wiederhole. Aber. Die E-Residency ist nicht gleichzusetzen mit einer Staatsbürgerschaft, einer Arbeitserlaubnis oder einem steuerlichen Wohnsitz. Das zieht zwei Dinge nach sich:

  1. Wenn du nicht in Estland wohnst, bist du als Person dort auch nicht steuerpflichtig. Daran ändert die E-Residency nichts.
  2. Falls du in Deutschland oder irgend einem Staat auf dem Globus steuerpflichtig bist, musst du eventuell trotz E-Residency daheim blechen.

Einen coolen Hint gibt es aber: Gewinne deiner estnischen Firma bleiben komplett steuerfrei, bis sie ausgeschüttet werden. Solange sie auf dem Geschäftskonto rumlungern, oder re-investiert werden, passiert – nichts. Also kannst du 100% deiner Einkünfte in dein Firmenwachstum investieren, ohne dafür Steuern zahlen zu müssen. Hallo Cashflow. Legen wir los.

Besteuerung in Estland

In den meisten europäischen Ländern zahlt man auf jährlicher Basis Steuern.

Nicht in Estland. Die Besteuerung findet erst in dem Moment statt, in dem Unternehmensgewinne ausgezahlt werden und E-Stonia verlassen. Besteuert wird also nicht der Gewinn, sondern ausgeschüttete Dividenden oder Gehälter. Außerdem können Steuern auf laufende Umsätze anfallen.

Wie kann ich mir also Gewinne ausschütten?

In den meisten Fällen handelt es sich bei der estnischen Firma über die E-Residency um eine One Man Show. Du bist Gründer, CEO, Hauptaktionär, Angestellter. Keep that in mind, jetzt wird es nämlich interessant.

Zur Gewinnausschüttung hast du folgende Möglichkeiten:

1. Als Dividende

Wie schon erwähnt, kannst du dir erst Dividenden auszahlen, wenn die 2.500 Euro Stammkapital vollständig eingezahlt sind.

Der Steuersatz für ausgezahlte Dividenden beträgt 20 Prozent. Ob du die Kohle an deinem steuerlichen Wohnsitz (solltest du einen haben) versteuern musst, hängt von deiner persönlichen Steuerpflicht ab.

2. Als Geschäftsführer-Gehalt

Wenn du ein Gehalt als Geschäftsführer auszahlst, gehen 20 Prozent Einkommenssteuer und zusätzlich 33% Sozialsteuer ab. Egal, wo du lebst oder umher tingelst.

Aus der 33-Prozent-Misere kannst du zum Beispiel entkommen, indem du dich über eine sogenannte A-Form von der Social Tax befreien lässt. Und: Wenn du in Deutschland steuerpflichtig ist, wird die Vergütung dank eines Abkommens zwischen Estland und Deutschland nicht doppelt besteuert.

3. Als Angestellten-Gehalt

Das Employee Salary wird in Estland nicht besteuert. Aber gegebenenfalls in deinem Land. Also warum nicht gleich nur als Angestellter agieren und auf Dividenden und Manager-Gehälter pfeifen?

Weil es auffällig wäre, wenn nur die Fachkraft, nicht aber das Management deiner Firma vergütet würden. Daher die Empfehlung, in die Rolle des CEO’s und des Angestellten zu schlüpfen. LeapIn, und vielleicht auch andere Anbieter, haben ein Berechnungssystem, mit dem man das Ganze kalkulieren und eine gute Gewichtung finden kann. So gelernt beim spannenden Webinar von Sebastian Kühn. 

Betriebs-Ausgaben

Welche Ausgaben seiner Estnischen Firma man angeben kann, unterscheidet sich eigentlich nicht so sehr von Deutschland.

Bei einem ortsunabhängigen Geschäftsmodell kann alles angegeben werden, was zu deinen Businessausgaben gehört. So zum Beispiel: Coworking Space, Web-Hosting, Cloud-Speicher. Solange Reisen in Beziehung mit deinem Unternehmen stehen (du einen Kunden triffst), können Reisekosten und Tagespauschalen angerechnet werden.

Was nicht geht, sind ortsgebundene Ausgaben, wie zum Beispiel ein fest angemietetes Büro in Deutschland, über die Estnische Firma. Falls du aber nur einen Monat in Berlin im Coworking Space arbeitest und danach in Chiang Mai bekommst du ein Go. Drei Monate sind schon wieder zu viel, weil „temporäre Location“ und so weiter.

Fun Fact: Wenn du selbst von Geschäftsausgaben „profitierst“, werden sie besteuert. Insofern wird beim Geschäftsessen zwischen dem Schnitzel in deinem Magen und dem im Magen deines Kunden unterschieden.

Steuererklärung

Für die Steuererklärung braucht man nur wenige Minuten. Das liegt daran, dass die benötigten Daten schon im Lauf des Jahres von den verschiedenen Behörden aggregiert werden. Innerhalb von einer knappen Woche erhält man seine Rückerstattung. Oder zahlt nach. Bis spätestens sechs Monate nach Ende des Geschäftsjahres müssen alle sonstigen erforderlichen Dokumente über das e-Tax Board eingereicht werden.

AMAZON FBA FÜR E-RESIDENTS?

Möchtest du mit deiner estnischen OÜ nun Amazon FBA betreiben, musst du zunächst eine estnische Umsatzsteuer ID beantragen. Diese brauchst du dann, wenn du an Privatkunden innerhalb der EU verkaufst oder dein Umsatz 16.000 Euro im Jahr übersteigt.

Die Anmeldung einer estnischen Umsatzsteuer-ID muss normalerweise erst nach Erreichen dieser Umsatzgrenze erfolgen (spätestens drei Tage danach), aber wenn du in Deutschland Waren verkaufst (Estland hat ja keinen Amazon Marketplace), dann brauchst du diese direkt. Denn nur mit der estnischen Umsatzsteuernummer, kannst du wiederrum die deutsche beantragen. Und die brauchst du, da auf deine in Deutschland verkauften Produkte schließlich deutsche MwSt. berechnet wird.

Hier hast du die zwei Formulare, die du NACH Erhalt der estnischen Umsatzsteuer ID zum Beantragen der deutschen ID brauchst:

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung Körperschaft nach ausländischem Recht 

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung Gründung einer Kapitalgesellschaft (Vordruck FsEKapG) oder Körperschaft nach ausländischem Recht (Vordruck FsEKapGAus)

Der ganze Spaß geht dann an’s Finanzamt Rostock, da man in der Hinsicht dort für Estland zuständig ist. Hier findest du weitere Informationen zur Umsatzsteuer innerhalb der EU.

Wie bekomme ich eine estnische Umsatzsteuer-ID?

Sobald du dein Unternehmen erfolgreich registriert hast, kannst du beim Estonian Tax and Customs Board eine VAT Number beantragen. Bei der Beantragung musst du begründen, warum du die Umsatzsteuer erheben möchtest/musst. Die Ausstellung kann bis zu fünf Tage dauern und dann auf den Seiten der Europäischen Kommission überprüft werden. Dieses Formular brauchst du zur Beantragung.

Wie bereits weiter oben erwähnt, die Steuern für den Handel von physischen Gütern wickelt LeapIN leider nicht ab. Hier würde ich dir Profia empfehlen, die auch für Händler das Zepter schwingen.

FÜR WEN EIGNET SICH DIE E-RESIDENCY?

Ortsunabhängigkeit ist das Keyword der E-Residency. Ganz klar interessant ist sie für alle, die ihre Firma von unterwegs verwalten wollen. Aber auch Firmen aus Nicht-EU-Staaten interessieren sich für das Programm, weil es ihnen den Eintritt in den europäischen Wirtschaftsraum erleichtert. Ganz zu schweigen von jungen Gründern und Startups aus ärmeren Ländern oder Leuten, die aus der finanziellen Grenze ihres Landes ausbrechen wollen. Egal wo man herkommt, so hat jeder geographisch Benachteiligte, der die geringe Registrierungsgebühr berappen kann, Zugang zum Europäischen Markt und somit natürlich auch die Möglichkeit, Geo-Arbitrage für sich zu nutzen. Die e-Residency ist ein großer Schritt in Richtung Chancengleichheit.

Wenn dein Unternehmen in Deutschland sitzt, ist die Gründung einer estnischen Firma aber sinnfrei. Mit doppeltem Jahresbericht und doppelten Steuern machst du dir dein Businessleben nur komplizierter.

WOHIN DES WEGES?

Estland hat selbst nur 1,3 Millionen Einwohner. Und ist damit eines der kleinsten Länder der Welt. Die demographische Entwicklung ist schwach und die Einwanderung niedrig – also wollte die Regierung mit der E-Residency seine Standortfaktoren aufwerten. Virtuell. So werden Steuergelder ins Land gespült, ohne physisch Platz zu schaffen. Und ohne dass die Digital-Bürger die lokale Infrastruktur des Landes nutzen.

Mitte 2016 gab es schon über 10.000 E-Residents, wovon im Übrigen auch Angela Merkel eine ist. Sehr deutliche Worte für den hohen Digitaliserungsgrad des Landes hat zudem auch das auswärtige Amt: „PC’s, Mobiltelefone und Internetbanking sind weit vertreten.“ Na – wenn das so ist.

Work smart, not hard.

Unterschrift

43 Comments
  • Kristin
    Veröffentlicht um 10:03h, 06 April Antworten

    Lieber Bastian,

    ich bin sonst bei vielen Blogs eher stiller Mitleser, aber in diesem Fall muss ich tatsächlich mal einen Kommentar oder viel mehr ein großes Lob dalassen. Du schreibst zwar nicht oft Beiträge, aber wenn, dann sind es immer mega interessante Themen mit viel Wissensvermittlung. Sowas bekommt man bei keinem anderen Blog, weil genau solches Insiderwissen entweder gar nicht weitergegeben oder aber in virtuellen Produkten verkauft wird. Zudem schreibst du über Themen, die sonst auch auf keinem anderen Blog zu finden sind. Das war schon bei den FBA-Sachen und dem Spreadshirt-Shop so.
    Ich werde auch weiterhin jeden deiner Beiträge verfolgen, da hier wirklich Qualität über Quantität geht. Vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße

    Kristin

    • Bastian
      Veröffentlicht um 04:36h, 09 April Antworten

      Kristin,
      wow, vielen lieben Dank für dieses tolle Kompliment. Das ist auch das Ziel dahinter. Ich werde mir allerdings demnächst Mühe geben, wieder regelmäßiger zu schreiben 😉
      Beste Grüße aus Bali.

    • Daniel
      Veröffentlicht um 15:25h, 03 Mai Antworten

      Finde ich auch, immer super Content der kaum Fragen offen lässt und falls doch findet man gleich Links wo man am Besten nachfragt wenns spezifisch wird 😉

      Grüße aus Österreich!

  • Kristin
    Veröffentlicht um 10:04h, 06 April Antworten

    P.S. Dein Schreibstil ist phänomenal. Dadurch lesen sich auch lange Artikel fast wie von selbst.

    • Bastian
      Veröffentlicht um 04:36h, 09 April Antworten

      <3

  • ANdi
    Veröffentlicht um 10:42h, 06 April Antworten

    Danke für die extrem gute Zusammenfassung. Du hast mir wieder die Augen geöffnet.
    Mal schauen wann wir damit anfangen. Ich denke nächstes Jahr kann man damit starten. Machst Du auch ein Webinar darüber?

    • Bastian
      Veröffentlicht um 04:37h, 09 April Antworten

      Hey Andi,
      vielen Dank. Hatte ich nicht vor. Hab auch ehrlich gesagt noch nie eins gemacht. Müsste ich mich mal mit auseinandersetzen.

  • Piero
    Veröffentlicht um 12:01h, 06 April Antworten

    Moin Bastian,

    wie immer richtig abgeliefert mit dem Beitrag. Jedesmal wieder ein heiden Spass deine Sachen zu lesen.
    Hast du selber dein FBA Business auch in Estland bzw. arbeitest du aktuell mit Profia zusammen ? Bin selber auch Fbaler seit Stunde eins und e-resident seit letzten Jahr.

    Sonnige Grüße aus Hamburg.

    • Bastian
      Veröffentlicht um 04:39h, 09 April Antworten

      Hey Piero,
      ja, aber erst neuerdings. Deshalb kann ich noch keine großen Erfahrungen zum Besten geben. Aber frag mich gerne nochmal in ein paar Monaten 😉

  • Nina
    Veröffentlicht um 12:48h, 06 April Antworten

    Vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Könnte die e-residency in Estland eine Alternative zu dem Huddelmuddel in Deutschland sein? Ich bin jetzt interessiert und verwirrt und es kommen viele Fragen auf:

    – Brauche ich in Deutschland überhaupt noch eine Gewerbeanmeldung, wenn ich E-resident in Estland bin?
    – Brauche ich noch den Handelsregister-Eintrag in Deutschland?
    – Oder anders gefragt: Kann ich ganz darauf verzichten, in Deutschland ein Gewerbe anzumelden, wenn ich in Estland eine Firma habe? (Bei Wohnort in Deutschland und/oder Verkauf nach Deutschland)
    – Wie sieht es mit Steuerabkommen zu anderen europäischen Ländern aus, z.B. Spanien? Also, was passiert, wenn ich meinen Wohnort nach Spanien verlege.
    – Kann ich jederzeit eine neue Firma gründen? Wie sieht es mit Namensänderungen aus?
    – Wie wirkt sich das Vorhandensein einer estnischen Firma darauf aus, wenn ich in Deutschland Dienste annehme (Mehrwertsteuer?)

    Vielen Dank und viele Grüße aus Kapstadt…

    • Bastian
      Veröffentlicht um 04:48h, 09 April Antworten

      Hallo Nina,
      dass du verwirrt bist, wollte ich mit dem Artikel eigentlich vermeiden 😀 Ich antworte mal auf alle deine Fragen…

      – Brauche ich in Deutschland überhaupt noch eine Gewerbeanmeldung, wenn ich E-resident in Estland bin?

      Nein, aber es kommt auf die Art deiner Arbeit an, ob du eine deutsche Umsatzsteuer ID brauchst.

      – Brauche ich noch den Handelsregister-Eintrag in Deutschland?

      Auch hier: Was für ein Business betreibst du denn? Selbst für Amazon FBA brauchst du keinen Handelsregistereintrag. Ich habe nie einen gehabt oder gebraucht.

      – Oder anders gefragt: Kann ich ganz darauf verzichten, in Deutschland ein Gewerbe anzumelden, wenn ich in Estland eine Firma habe? (Bei Wohnort in Deutschland und/oder Verkauf nach Deutschland)

      Mit Wohnsitz in Deutschland macht eine Estnische Firma keinen Sinn. Es ist sinnvoll für wohnsitzlose Unternehmer. Und da wäre die OÜ meiner Meinung weit empfehlenswerter, als ein deutsches Gewerbe, allein schon weil es weit simpler ist, dieses von unterwegs zu betreiben. Aber auch hier kommt es auf die Art deiner Tätigkeit an und wie/wo du diese anbietest.

      – Wie sieht es mit Steuerabkommen zu anderen europäischen Ländern aus, z.B. Spanien? Also, was passiert, wenn ich meinen Wohnort nach Spanien verlege.

      Die estnische Firma ist nur empfehlenswert für wohnsitzlose Unternehmer, oder mit Wohnsitz in einem Niedrigsteuerland, dass idealerweise auch ausserhalb Europas ist und es kein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland gibt. In Europa bist du fast überall dort steuerpflichtig, wo du wohnst. Estnische Firma hin oder her…

      – Kann ich jederzeit eine neue Firma gründen? Wie sieht es mit Namensänderungen aus?

      Klar, kannst so viele Firmen eröffnen wie du möchtest. Namensänderung bei der OÜ kostet schlappe 18€ und ist innerhalb von 3-5 Tagen durch.

      – Wie wirkt sich das Vorhandensein einer estnischen Firma darauf aus, wenn ich in Deutschland Dienste annehme (Mehrwertsteuer?)

      Die Mehrwertsteuer wird dir auf Rechnungen aus Deutschland nicht aufgeführt, bzw. sollte sie nicht. Denn die MwSt.-Sätze unterscheiden sich ja und du hast als nicht in Deutschland lebender KUNDE auch keine deutsche Mehrwertsteuer zu entrichten.

      Beste Grüße aus Bali

      • Bernd Glückert
        Veröffentlicht um 11:26h, 09 April Antworten

        Eine kleine Ergänzung:

        Die Frage nach der Annahme von Diensten ist sowohl in Estland als auch in Deutschland gleich geregelt (ist ja auch eine EU-Sache) und hier gilt das Bestimmungslandprinzip.

        Einfacher Fall: FBA-Gebühren oder Adwords-Kosten. Die Mehrwertsteuer wird am Sitz des Unternehmens fällig, das die Leistungen erhält. In Deutschland 19%, in Estland 20%.

        Grüß mir Bali 😉

        • Bastian
          Veröffentlicht um 10:08h, 14 April Antworten

          Danke vielmals Bernd! Deine Ergänzungen sind immer gern gesehen 😉
          Grüße zurück, wenn auch jetzt aus Chiang Mai!

      • Nina
        Veröffentlicht um 18:16h, 11 April Antworten

        Hallo Bastian,
        Danke für die ausführliche Antwort!
        Ich lese hier: http://t3n.de/news/online-gruenden-estland-paradies-689222/ dass es sich für einen Online-Shop ohne selbständige Niederlassung in Deutschland lohnen würde. Ein Logistik-Partner wäre noch keine selbständige Niederlassung. Die Frage sei, wie ernst man mit Einem Limited genommen wird. Dank Doppelbesteuerungsabkommen sollte zumindest doppeltes Zahlen von Steuern entfallen? Online-Shop in Deutschland, genau das möchte ich ausprobieren, habe da eine Leidenschafts-Nische.
        Viele Grüße!
        Nina

        • Bastian
          Veröffentlicht um 10:33h, 14 April Antworten

          Hey Nina,
          kommt ja auch drauf an, von wem du ernst genommen werden willst. Erstens glaube ich nicht, das man einer estnischen Kapitalgesellschaft skeptischer gegenüber steht, als einer deutschen UG, wo immer „haftungsbeschränkt“ dabei stehen muss. Wenn du bspw. in China deine Ware kaufst, interessiert die dort nur, ob du sie bezahlst. Und Plattformen wie Amazon etc. schließen dich ja auch nicht aus..

      • Kevin
        Veröffentlicht um 19:26h, 11 April Antworten

        Hallo Bastian,

        vielen Dnak wieder für diesen tollen Artikel!

        Ich spiele mit dem Gedanken auch ein FBA e-Business aufzumachen und digitaler Nomade zu werden, bin aber noch für gut drei Jahre Student. In der Zeit ist mein Wohnort natürlich auch noch in Deutschland, aber danach evt. nicht mehr. Was mache ich jetzt?
        Kann ich kein Unternehmen in Estland eröffnen, wenn ich in Deutschland wohne? Und wenn ich mich jetzt für eine deutsche Unternehmensform deswegen entscheiden muss, wie schränkt mich das in meiner hoffentlich, zukünftigen Nomadenfreiheit ein?! (Ich habe auch vor in den Semesterferie zu reisen und von unterwegs das Unternehmen zu managen, trotz Sitz in Deutschland, ist das möglich`?)

        Wieder Fragen über Fragen, ich hoffe, dass es dir keine Umstände macht, mich weiter aufzuerklären.

        MfG

        • Bastian
          Veröffentlicht um 10:36h, 14 April Antworten

          Hey Kevin,
          solange du in Deutschland lebst, solltest du auch über eine deutsche Firma agieren. Deutschland später erst den Rücken zuzudrehen steht ja bisher nichts im Wege. Du kannst allerdings auch jetzt schon die Firma eröffnen, wenn du das möchtest. Steuererklärungen und all das musst du frühestens machen, sobald du diese aktiv nutzt. Wenn sie nur besteht, musst du nichts dergleichen tun.
          LG

  • S. Patrick
    Veröffentlicht um 12:44h, 07 April Antworten

    Hallo Bastian,

    Danke für diesen tollen Artikel. Kannst du kurz deine Einschätzung zu meiner Situation geben: Ich arbeite viel als Freelancer in der Schweiz mit Wohnsitz in der Schweiz selber. Ich möchte gerne auch in Zukunft noch etwas auf Reisen gehen. Würde sich für mich als Nicht-EU-Bürger und Digital Nomad eine Firmengründung lohnen in Estland?

    Danke für dein Feedback und herzliche Grüsse,

    S. Patrick

    • Bastian
      Veröffentlicht um 04:55h, 09 April Antworten

      Hey Patrick,
      dank dir. Die estnische Firma macht eigentlich nur Sinn, wenn du wohnsitzlos bist, oder in einem Niedrigsteuerland lebst, da du idR. ja dort steuerpflichtig bist, wo du „wohnst“. Dadurch, dass man in Estland aber nur e-resident ist, also nicht wirklich dort wohnt, zahlt man eben auch keine reguläre Einkommenssteuer.

      Beste Grüße aus Bali

  • Donnie
    Veröffentlicht um 13:35h, 07 April Antworten

    Puh … 100€ allein für den Antrag – und 2 Monate warten. Ist dann alles doch nicht so preiswert/schnell.
    Frage mich, was die Parameter sind, womit Estonia auswählt, ob man „geeignet“ ist – abgesehen von den Vorstrafen.

    Hat man da nun gerade 100€ in den Sand gesetzt? Oder ist das ‚ne „safe bet“? Würde mich ja mal interessieren.

    • Bastian
      Veröffentlicht um 04:59h, 09 April Antworten

      Hey Donnie,
      also erstens wartest du nur 1 Monat auf die eResidency und zweitens gibt es kein anderes Land, dass sowas anbietet. Die Firmenanmeldung ist ja nach Eingang der Registrierungsgebühr an einem Tag eingetragen. Und wir reden hier von einer Anmeldung einer Kapitalgesellschaft. Bei einer deutschen GmbH gibst du schon mindestens 500€ für den Notar aus, geschweige denn die 25.000€ Stammeinlage. Ich habe jedenfalls noch von keinem gehört, der für die e-Residency abgelehnt worden ist…

    • Christopher
      Veröffentlicht um 16:08h, 09 April Antworten

      100 EUR sind viel für die Beantragung? Dann solltest du dir ernsthaft Gedanken über ein Kapital machen ..
      Die Überprüfung wird von der Grenzpolizei durchgeführt, hierbei geht es darum Geldwäsche & Terrorismus Finanzierung aufzudecken und zu blockieren.

      Solltest du also kein Terrorist sein oder Geldwäsche betreiben wo dir irgendwelche Fahnder schon auf den Spuren sind, ist das ganze eine safe Angelegenheit.

      • Bastian
        Veröffentlicht um 10:17h, 14 April Antworten

        Amen Christopher.

  • Christoph
    Veröffentlicht um 07:24h, 09 April Antworten

    Servus Bastian! Danke für diesen Beitrag! Ich wusste, dass die Esten unfassbar fortschrittlich sind, aber das kannte ich noch nicht. Das löst aber genau das Problem, dass man hat, wenn man von überall auf der Welt arbeitet: Alle Dokumente mit Originalunterschrift auszudrucken und bei den Ämtern einzureichen.

    Das Land ist uns einfach Jahre voraus..

    Beste Grüße
    Christoph

    • Bastian
      Veröffentlicht um 10:05h, 14 April Antworten

      Danke Christoph.
      Auch wenn es kein Niedrigsteuerlnd ist, zeigen sie uns einfach, was wir für Dinosaurier sind und das es auch unkompliziert geht.

      LG aus Chiang Mai

  • Sascha
    Veröffentlicht um 08:29h, 09 April Antworten

    Hi Bastian,

    supervielen Dank für den spannenden Artikel und viele derer zuvor!

    Ich frage mich, wie Du es mit Deinem FBA-Buisness gemacht hast, als Du umgestiegen bist: Konntest Du Deinen Amazon Account auf die Limited umstellen oder musstest Du einen neuen eröffnen?

    Danke,
    Sascha

    • Bastian
      Veröffentlicht um 10:06h, 14 April Antworten

      Hey Sascha,

      die Umfirmierungen bei Amazon bringen immer große Probleme mit sich. Erst recht wenn es international ist. Daher hab ich einen neuen Account eröffnet. Aber man kann sich dann ja über die ASIN an seine eigenen Produkte „dranhängen“.

  • Georg Lohrer
    Veröffentlicht um 11:47h, 09 April Antworten

    Und ich dachte noch beim Durchlesen: das ergibt doch alles gar keinen Sinn, wenn ich schon ein Unternehmen in Deutschland habe. Und dann hast Du es ja glücklicherweise auch noch geschrieben:

    „Wenn dein Unternehmen in Deutschland sitzt, ist die Gründung einer estnischen Firma aber sinnfrei.“

    Leider erst wenige Zeilen vor dem Ende des Artikels.
    Stell doch bitte diesen Satz ganz an den Anfang des Artikels. Dazu vielleicht noch mit Deiner Erklärung an Nina:

    „Die estnische Firma ist nur empfehlenswert für wohnsitzlose Unternehmer, oder mit Wohnsitz in einem Niedrigsteuerland, dass idealerweise auch ausserhalb Europas ist und es kein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland gibt. In Europa bist du fast überall dort steuerpflichtig, wo du wohnst. Estnische Firma hin oder her…“

    Für alle in Deutschland, bzw. vielleicht sogar Europa mit Wohnsitz gemeldeten Akrobaten (Freiberufler, Unternehmer,, wasweißichnoch), also gerade keine wohnsitzlose DNX’s, sind solche Konstrukte wie hier geschildert unnötig, im schlimmsten Fall sogar gefährlich. Steuerverkürzung, auch ungewollt, tritt extrem schnell ein. Und dann bekommt man sehr schnell sehr viel Aufmerksamkeit von Leuten, die man eigentlich lieber nicht will.

    Auch der Hinweis auf DBAs ist nicht zweckdienlich. Gerade bei DBAs, die nicht von Feld-, Wald-, Wiesen-Grenzgängern gezogen werden, schauen die Behörden genau drauf. Man bezahlt mit DBA ja nicht weniger Steuern, man bezahlt genauso viel wie man auch am steuerlichen Wohnort zahlen müsste. Allerdings eben in unterschiedliche Kassen. Damit spart man also erstmal nichts.

    Die Haftungsfrage, ja das wäre einzusehen. Aber mit 2.500 € kannst Du auch in D eine UG (haftungsbeschränkt) gründen. Damit kennen sich alle aus und keiner stolpert über so etwas wie „OÜ“.

    Vielmehr kommen ja auch noch nicht unerhebliche Kosten für die Unternehmensführung vor Ort, bei Dir eben durch LeapIN.

    Also, wenn man nicht in D steuerpflichtig ist, ist das Ganze womöglich eine Überlegung wert. Wenn man hier steuerpflichtig ist, sollte man sich genau überlegen, ob man solche Arten von Indirektionen und zusätzlichen Kosten wirklich bereit ist zu gehen.

    • Benjamin
      Veröffentlicht um 11:05h, 10 April Antworten

      Danke Georg, du bringst es auf den Punkt: 99,9% aller Digitalnomaden sollten keine Kapitalgesellschaft im Ausland gründen, denn:

      1) solange man in Deutschland steuerpflichtig ist, greift das Außensteuergesetz, d.h. man fällt unter die sog. Hinzurechnungsbesteuerung. Im Klartext: viel Ärger und mehr Steuern..
      2) wenn man deutscher Staatsbürger ist, wird in der Praxis grundsätzlich eine Steuerpflicht in Deutschland angenommen. Im Zweifel muss man beweisen können, dass man keine Intention hatte, nach Deutschland zurück zu kehren, was sehr schwierig ist.
      3) selbst wenn man es wirklich schafft, in Deutschland nicht mehr steuerpflichtig zu sein, fangen die Probleme von Punkt 1 an, wenn man irgendwann wieder nach D zurückkommen sollte.
      4) die meisten Digitalnomaden verdienen kaum Geld: wenn man 1000€ im Monat verdient und noch eine paar Ausgaben wie Handy und Laptop geltend machen kann, bezahlt man völlig legal in Deutschland keine Steuern!

      • Bastian
        Veröffentlicht um 10:22h, 14 April Antworten

        Also 1. ist es überhaupt kein Problem in deutschland nicht steuerpflichtig zu sein, wenn man dort weder lebt noch eine Firma hat.
        2. sind wir nicht – wie die Amis – aufgrund unserer Nationalität im Heimatland steuerpflichtig.

        Und das die meisten Digitalnomaden kaum Geld verdienen ist echt eine abgedroschene Stigmatisierung, die absolut nicht haltbar ist. Vielleicht die, die ständig in entsprechenden Gruppen posten. Die die Geld verdienen hängen nur nicht die ganze Zeit auf Facebook ab. Ich kenn weit mehr EXTREM gut verdienende Nomaden, als nicht-Nomaden in Deutschland. Aber wir können uns darauf einigen, dass es auch unterwegs nicht so viele Deutsche sind…

    • Bastian
      Veröffentlicht um 10:17h, 14 April Antworten

      Hey Georg,
      danke für deinen Kommentar. Wenn es ganz am Anfang steht, dann denken sich ja sicher viele, die das Modell nicht kennen und für die es in Zukunft interessant sein könnte, „ach, ist nix für mich – brauche ich nicht lesen“.

      Aber davon abgesehen bin ich auch beim restlichen Kommentar nicht deiner Meinung. Was die OÜ so interessant macht, ist zum einen die Simplizität aller bürokratischen Vorgänge von überall aus UND BESONDERS, dass alle Einnahmen die in der Firma bleiben steuerfrei sind. Das sorgt schon von Anfang an für einen viel besseren Cashflow und schnelleres Wachstum. Und für LeapIn zahle ich WEIT weniger, als für meinen deutschen Steuerberater – und deren Service muss ich ja nicht nutzen. Von der IHK fange ich gar nicht erst an.

  • Thomas
    Veröffentlicht um 22:35h, 10 April Antworten

    Inzwischen gibt es auch die „1€ GmbH“ in Deutschland. Da ist kein Stammkapital vorgeschrieben für die Gründung. Allerdings hast du ca. 500€ Notar kosten

    • Bastian
      Veröffentlicht um 10:23h, 14 April Antworten

      lar, hat aber nicht all die erwähnten Vorteile für Ortsunabhängige.

  • Friedrich Howanietz
    Veröffentlicht um 07:11h, 13 April Antworten

    Der Artikel ist ja eine vollständige Anleitung. Ich bin Herausgeber des Magazines für digitales Marketing. Die Entwicklung in der digitalen Revolution findet so schnell statt, dass man kaum damit Schritt halten kann. Beiträge wie diese zeigen in welchen gesellschaftlichen Irrtümern wir leben und das es wirkliche Alternativen dazu gibt. Das Internet ist die neue EU. Wer diese Trends versteht und verwenden kann wird in der New Economy seine Freiheit finden. Es ist ein Irrtum zu glauben es gibt keine Alternativen. Brechen wir mit alten Mustern und gehen selbst neue Wegel
    https://onlinemarketingoffensive.com/investment-punk-gerlad-hoerhan/

    • Bastian
      Veröffentlicht um 10:38h, 14 April Antworten

      Hey Friedrich,
      dank dir für deinen Kommentar! Vielleicht findet es der Beitrag ja in dein Magazin. Würde mich freuen, wenn mehr und mehr Menschen von den Möglichkeiten erfahren.

      LG

      • Friedrich Howanietz
        Veröffentlicht um 22:48h, 22 April Antworten

        Hallo aus Wien, Dein Beitrag wäre ich meinem Magazin sehr gut aufgehoben. Wie können wir das umsetzen? Ich arbeite an einem Projekt über digitale Nomaden. Aber mehr im Bereich Organisation und Werkzeuge um auf der Reise ein „Office“ zu haben. LG Friedrich

  • Christian Gerd
    Veröffentlicht um 16:52h, 14 April Antworten

    Hallo Bastian,
    ich lese deinen Blog unregelmäßig und habe dich (mit Ben Paul) schon mal live bei Prof. Faltins Entrepreneurship Summit auf der Bühne gesehen… und jetzt bin ich zufällig via Twitter über diesen spannenden Artikel gestolpert – da mich das Thema e-Estonia/e-Residency schon länger interessiert. Noch etwas genauer, weil ich schon vor längerer Zeit die Beiträge von Sebastian auf wirelesslife.de und von Christoph auf staatenlos.ch dazu gelesen hatte. Dort habe ich auch immer die Kommentare mit verfolgt, und bin leider oft ob der Unvollständigkeit als auch ob des verbreiteten Halbwissens in den Kommentare negativ überrascht, so dass mir eine halbwegs rechtssichere Entscheidung aktuell kaum möglich scheint. Aber, da das Thema mich weiterhin sehr bewegt, mag ich hier gerne auch mal meine Anmerkungen und Fragen loswerden, in der Hoffnung, vielleicht doch noch schlau zu werden 😉 …
    Zunächst wäre es schön – da dein Artikel hier ja gerade sehr neu ist – auch die heutigen, aktuellen Bedingungen zu nennen: Wie oben im Kommentar von Donnie schon bemerkt, kostet die ID-Card mittlerweile bereits 100€ (was du auch schon auf der ersten Seite des Beantragungsprozesses sehen kannst). Und hier schließen sich meine Fragen an: In den Kommentaren auf den anderen Blogs fand ich u.a. die Bemerkung, dass die Karte jetzt nur noch für 1 Jahr ausgestellt wird, und nicht mehr, wie u.a. bei deiner Karte zu sehen, für den Zeitraum von 3 Jahren. Da ich die Gültigkeitsdauer auf der e-Estonia-Webseite nicht finden konnte, wäre es schön, wenn hier ein „Wissender“, der gerade erst eine estnische e-Residency beantragt hat, mal dazu Auskunft geben könnte – denn es ist für den einen oder anderen schon ein kleiner Unterschied, ob 50 € für 3 Jahre oder 100 € für 1 Jahr zu zahlen sind. Zumal mir auch der Verlängerungsprozess bei Ablauf bisher unklar ist: Muss man dann wieder 100€ zahlen oder ist das günstiger?
    Auch bin ich nicht ganz der Meinung, dass ein darauf aufsetzendes Unternehmen „nur“ für wohnsitzlose digitale Nomaden interessant ist, da gerade eine eigenständige Limited (oü) für mich wohl solange steuerfrei ist, wie ich nichts als Gehalt oder Entnahme ausschütte. Das hast du zwar in einem deiner Kommentare bzgl. des dadurch erzielbaren, besseren Cashflows angedeutet – ist aber auch ein entscheidender Vorteil für den Aufbau eines zusätzlichen, eigenständigen Businesses. Und sollte doch mal Geld abfließen, bin ich selbst mit einem Steuerberater so rechtunsicher aufgestellt, dass man das wohl besser sein lassen sollte 😉 – vielleicht dann lieber als Gesamtunternehmenspaket wieder an einen Investor verkaufen und nur auf den Veräußerungsgewinn Steuern entrichten? Beat me :-)
    Wenn die Gelder in Estland bleiben, sind sie dort wohl steuerfrei. Und wenn ich sie als „Unternehmen“ einsetze, um Infrastruktur, Ware, Gebühren und „whatever“ bezahle, ist das wohl auch steuerfrei. Neben der erwähnten vereinfachten Handhabung ist also auch der „Betrieb“ bzgl. der zu erwartenden Ausgaben und Abgaben deutlich günstiger (d.h. eben nicht nur, weil jetzt – wie von dir oben genannt – die IHK Beiträge wegfallen 😉 )… also aus meiner Sicht lohnend, wenn das Unternehmen zusätzlich zu einem bestehenden Business aufgesetzt wird, mit dem man dann ja auch noch untereinander Geschäfte abwickeln kann (so machen es zumindest etliche große, weltweit agierende Konzerne, damit sie in Deutschland nicht oder kaum Steuern zahlen müssen – das geht schon heute innerhalb der EU – Namen spare ich mir jetzt hier, um deswegen nicht angegriffen zu werden). Letztlich wäre es schon schön, wenn sich Steuerberater melden (oder verlinkt werden) könnten, die sich genau auf solche Mehrunternehmens-Konstruktionen mit einer estnischen Limited spezialisiert haben.
    Liebe Grüße aus Berlin
    Christian

  • Andreas
    Veröffentlicht um 05:23h, 19 April Antworten

    Das ist definitiv einer der besten Artikel, die ich bisher zu diesem Thema gelesen habe. Vielen Dank dafür. Mich würde sehr interessieren, wie aktuell bei dir das Verhältnis zwischen Dividende, Geschäftsführer-Gehalt und Angestellten-Gehalt aussieht. Hält sich das ungefähr die Waage? Je nachdem wie die aktuelle Wohn- bzw. Reisesituation gerade aussieht, könnte man ja auch von Monat zu Monat entscheiden, wie viel ausbezahlt wird. Sehe ich das richtig?

    Viele Grüße

    • Bastian
      Veröffentlicht um 06:30h, 02 Mai Antworten

      Hallo Andreas,
      bisher habe ich mir noch nichts aus der Firma rausgenommen. Daher werde ich mich erst noch tiefgehender damit beschäftigen, wenn es soweit ist.

      LG

    • Christopher
      Veröffentlicht um 02:30h, 05 Mai Antworten

      Man sagt hier, dass 30/70 eine gute Mitte ist. Sprich 30% Geschäftsführergehalt, welches versteuert wird und 70% Mitarbeiter Gehalt. 20/80 geht sicherlich auch noch.

  • Markus
    Veröffentlicht um 21:16h, 30 April Antworten

    ähhh mal ne blöde Frage… wie wird man „wohnsitzlos“. Geht das dann nur mit Gitarre und Hund und Hut 😀 ? Auf dem Perso ist doch immer eine Adresse die letztendlich meinen Wohnsitz ist?!

    • Bastian
      Veröffentlicht um 06:06h, 02 Mai Antworten

      Markus, du musst nur zum Einwohnermeldeamt und sagen, dass du dich abmelden möchtest. Es wird tatsächlich nichtmals nach einem Ausreiseticket gefragt, was mich selbst gewundert hat. Auf dem Perso hast du dann einen Sticker mit „Keine Hauptwohnung in Deutschland“. Deine Nationalität gibst du damit natürlich nicht auf.

  • Rosa Lind
    Veröffentlicht um 18:20h, 20 Mai Antworten

    Hallo Bastian,
    Danke für den tollen Artikel!
    Sich mit einem Business erstmal in Ruhe auszuprobieren ohne sozialversicherungspflichtig und steuerpflichtig zu sein solange Gewinne auf dem Firmenkonto in Estland verbleiben, ist genau was ich gesucht habe.
    Was genau bedeutet: „Außerdem können Steuern auf laufende Umsätze anfallen.“ ?
    Was mich wundert: Ein Firmenkonto im Ausland zu eröffnen scheint einfach zu sein (das Internet ist ja voll von Gründungsagenturen) – es scheitert dann allerdings daran, daß man im Ausland kein Konto für die Firma eröffnet bekommt! Banken fragen einen ja mittlerweile Löcher in den Bauch und verlangen Wohnsitznachweis und Kopie der letzten Steuererklärung und warum man die Betriebsstätte nicht im Wohnsitzland gründen will, … Wie hast du es geschafft, ein Firmenkonto in Estland zu bekommen??
    Die Seite von LeapIN ist informativ, aber ich interessiere mich für den Vertrieb von Waren. Auf Profia hingegen ist Information dünn gesät und die Seite sieht unprofessionell aus – noch irgendeinen Tipp dazu?
    LG, Rosa

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