Keine-News-mehr-lesen-Officeflucht

Höre auf News zu lesen. Für immer.

14 Min. Lesezeit

In diesem Moment sitze ich im Flugzeug. Wir landen gleich. Und ich hoffe es passiert endlich. Das Fernsehreporter, Zeitungsjournalisten und Augenzeugen dieses monumen­talen Augenblicks unser Flugzeug stürmen. Interviews führen, uns beglück­wün­schen und uns darüber ausquet­schen, wie jeder einzelne von uns diesen Flug empfunden hat. Doch leider werden diese Interviews nicht statt­finden. Hier nicht. Und auch nicht auf den ca. 200.000 anderen Flügen, die allein an einem Tag sicher starten und landen. Einfach nie.

Wenn dann doch alle 5 Jahre einmal etwas mehr oder weniger schreck­liches mit einem Flugzeug passiert, sind die Gazetten dennoch voll. Bild-Online schaltet zehn Sondersendungen innerhalb von 2 Stunden. Doch viel schlimmer noch: in unseren Köpfen entsteht eine langan­hal­tende Angst, die rein gar nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Über ein Drittel aller Menschen hat latente Flugangst, die in der Theorie komplett unbegründet und lächerlich erscheint. Erschaffen von vergan­genen Horrorszenarien, mit denen wir in unserem Leben mit aller­größter Wahrscheinlichkeit nie etwas zu tun haben werden.

Auch wenn dieses Beispiel ein sehr offen­sicht­liches ist. Die Manipulation unserer Medien und Nachrichten geht viel tiefer. Soweit, dass sie uns krank, dumm und unglücklich macht.

Daher möchte ich heute einen Scheiß auf eine diffe­ren­zierte Meinung geben. Und dir schlichtweg sagen: Höre auf die Nachrichten lesen! Komplett und radikal. Allerdings habe ich für diese Ansicht dann doch ein paar diffe­ren­zierte Gründe. Gründe, mit denen du deinen Fokus wieder auf das lenken kannst, was dir wirklich wichtig ist. Und auf das, was für dein Leben auch wirklich eine Rolle spielt.

Was haben dir die News je gebracht?

 

Vielleicht magst du jetzt bereits sagen, „Bastian, dass kannst du doch jetzt nicht so ungefiltert sagen. Denn es ist wichtig zu wissen, was in der Welt abgeht.“ Ich verstehe den Punkt. Allein deshalb, da ich bis vor einigen Jahren selbst noch ähnlich gedacht habe. Man will ja nicht nur immer über’s Wetter reden…

Doch ich habe eine sehr ehrlich gemeinte Frage an Dich: Was haben dir die News jemals gebracht? Ernsthaft. Aus welcher Nachricht hast du jemals eine Konsequenz entnommen, die dein Leben zum besseren gewandelt hat? Krankenversicherungsbeiträge gehen 0,5% runter, es wird ein neuer Feiertag einge­führt. Morgen kommt Sturm. Der „Joker“ gewinnt 2 Oscars weniger als gedacht. Nachrichten sind per se erst einmal komplett unwesentlich für dein persön­liches Leben. 

Und wenn sie es doch sein sollten – glaub mir – du wirst es merken. Solltest du gerade auf einer Insel sitzen und es kündigt sich eine Flutwelle an – glaub mir, du musst nicht bis zur nächsten Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen oder dem Honolululer Tagesblatt warten, bis dich jemand warnt. Es sei denn, es ist eine sehr kleine Insel ohne Frühwarnsystem. Doch diese Plätze sind in der Regel nicht dafür bekannt, die Medienlandschaft einer ganzen Gesellschaft anzuführen.

News bringen nie, bis selten etwas Gutes in unser Leben. Ganz im Gegenteil. Sie sind ein Garant dafür, dass wir viel mehr aufs Spiel setzen, als uns bewusst ist. Denn…

News sind nicht wahr.

 

News sind in der Regel schlechte News. Und das Bittere dabei: Sie vermitteln dir einen völlig falschen Blick auf die Welt. Denn unsere Welt besteht zu großen Teilen aus schönen Momenten und guten Dingen. Jeden Tag werden viele gesunde Kinder geboren. Jeden Tag geht es Menschen nach einer überstan­dener Krankheit besser. Jeden Tag werden Bäume gepflanzt, Geld gespendet und wertvolle Bücher geschrieben. 

Weit mehr als 99% aller Autos, Flugzeuge und Züge kommen sicher zuhause an. Jeden Tag sind Menschen meist freundlich zuein­ander und unter­stützen sich gegen­seitig. Jeden Tag werden beruf­liche Erfolge erzielt und Dinge „klappen“ ganz einfach. 

Ja – ich habe das Gefühl, umso öfter ich darauf achte, sehe ich gute und schöne Dinge in diesem Leben, für die ich dankbar bin. Den News dagegen, gehen alle diese Dinge am Arsch vorbei. Sie ignorieren die schönen Dinge, weil diese (zum Glück) als alltäglich und selbst­ver­ständlich gelten. Im Gegenzug leuchten die News mit einem Laserstrahl aus Pessimismus und Sensationsgeilheit auf den restlichen Bruchteil. Bestehend aus Totschlag, Gossip und unkon­trol­lier­baren Gesetzesänderungen. Irgendwie verständlich. Denn Journalisten berichten von Dingen, die halt nicht selbst­ver­ständlich sind. Von Dingen, die aus der Reihe tanzen. Von tragi­schen Dingen, die nicht so einge­treten sind, wie wir es uns erhofft haben.

Nun haben wir mit der Geburt und Entwicklung unseres Gehirnes das All-Inclusive-Paket unseres Problembewusstseins gleich mit gebucht. Denn unser Gehirn hat große Schwierigkeiten, logisch und „vernünftig“ Informationen zu verar­beiten, wie sie tatsächlich in ihrer Wirklichkeit vorkommen. Unsere selektive Wahrnehmung beschäftigt sich viel lieber mit den Dingen, die uns vor die Nase gesetzt werden. Also denken wir plötzlich – „fuck, dies ist also unsere dunkle Welt!?“. Voll mit Drogenkriegen, komischen Viren und habgie­rigen Politikern. Versteh mich bitte nicht falsch – diese Dinge existieren. Unsere Welt hat viele schattige Plätze, die nicht immer mit Jubel, Trubel und Heiterkeit einher­gehen. Ja – an manchen Orten gibt es sogar Krieg. Doch Schatten gibt es bekanntlich nur dort, wo auch Licht ist. Und wenn ich mich umschaue, mit Menschen rede die auch in weniger sicheren Ländern unterwegs sind – die Welt ist voller Licht und schöner Dinge.

Mittlerweile geht die subjektive Bewusstseinssteuerung soweit, dass sie nicht nur durch unser eigenes Gehirn verur­sacht wird, sondern Informationen indivi­duell gezielt in uns einge­pflanzt werden. Die Netflix-Doku Cambridge Analytics zeigt sehr spannend anhand der News-Manipulation im US-Wahlkampf 2016, wie soziale Medien aber auch das Internet uns äußerst selektiv und indivi­duell mit Nachrichten versorgt. Abhängig von unserem Suchverhalten, unseren Likes, unseren Waren-Bestellungen und unseren Interessen. Willkommen im Brummkreisel der unauf­halt­samen und undurch­sich­tigen Gedankenmanipulation. Vielleicht können wir diese Manipulation nicht aufhalten. Vielleicht merken wir sie nicht einmal. Doch wir können versuchen, dass Spiel nicht mit zu spielen. Auszusteigen. Ein großes Stück weit. Denn News sind nicht wahr.

News sind nicht wichtig.

 

Eines der besten Beispiele für die Irrelevanz der Medien ereignete sich im letzten Jahr. Der Brand der Kirche von Notre Dame. Was viele Menschen im gleichen Zuge massiv empörte, war das Schmierentheater, dass sich anschließend daran ereignet hat. Denn während genau zur gleichen Zeit dutzende Menschen ungeachtet in Afrika umkamen und in Brasilien fleißig Sauerstoff in Form von Regenwald abgebrannt wurde, war Notre Dame so in etwa das Einzige, was die Medien entflammte. Zusammen mit Milliarden-Spenden von Menschen, von denen man nicht wusste, ob Altruismus oder persön­liches Renommee das eigent­liche Ziel war, ging es gefühlt nur um dieses Thema. Wie pervers – die Lebensgrundlage Nummer 1 – der Amazonas – verendet zusammen mit tausenden Menschen und die Nachrichten haben nichts anderes zu tun als von einer beschis­senen (sorry!) Kirche zu berichten, die unwich­tiger als alles andere auf der Welt ist. Und um sich persönlich zu profi­lieren (da die Medien ja darüber berichten), werden dann auch noch Milliarden dahin gepumpt, wo sie gerade wirklich nicht dringend gebraucht werden. Ja – ich finde es schade, dass diese Kirche nicht gleich komplett abgefa­ckelt ist. Dann hätte man sich vielleicht statt­dessen den wesent­li­cheren Dingen gewidmet.

Doch werden wir wieder sachlich. Denn höchst wahrscheinlich suchen wir hier an einer Stelle nach Gold, wo gar keins vergraben werden kann. Denn Medien wollen und können gar nicht relevant berichten. Zum einen liegt das daran, dass Medien und Nachrichten zum aller­größten Teil ein wirtschaft­liches Interesse haben. Sprich, ihr primäres Ziel ist es, dass sie konsu­miert werden. (Natürlich gibt es auch öffentlich-recht­liche Medien. Doch auch hier ist die Interessenlage ja bereits in die Bezeichnung mit einge­ar­beitet. Öffentlich-recht­liche News mit politi­scher Lobby, mit ebenfalls staat­lichen Interessen.)

So lässt sich relativ gut sehen, dass wirtschaftlich inter­es­sierte Nachrichten viel mehr unter­halten, als aufklären. Denn wirklich tiefe, diffe­ren­zierte Themen bedürfen Eigeninitiative, Zeit und Hirnschmalz. Dem Gossip-verwöhnten Hirn fällt es dann doch viel einfacher, auf einen 10-Zeilen-Artikel mit dem Titel „Das ist die Neue vom Wendler“ zu klicken. Ernsthaft, ich habe mir mal den Spaß gemacht und in den letzten Tagen, die Hauptüberschriften großer Nachrichtenplattformen einge­fangen. So objektiv und unselektiv wie möglich. Ein kleiner Ausschnitt : „Frau von Mafia-Boss unter Polizeischutz am Krankenbett“, „J.Lo rockt zusammen mit Mama die Halbzeit-Show beim Superbowl“, „Auf das Corona-Virus sind wir vorbe­reitet“, „Röttgen tut der CDU keinen Gefallen“.

News sind persönlich nicht relevant.

 

Ich muss dabei wohl nicht erwähnen, dass es sich nicht um eine wirre Zusammenstellung aus den RTL 2 – VIP-News handelt. Dies sind Hauptüberschriften aus den größten privaten und öffentlich-recht­lichen Medien der letzten Tage. Ich habe nicht eine einzige Nachricht gelesen, die einen persön­lichen Nutzen für mich hatte. 

Nicht eine Nachricht, die mich nur einen Millimeter glück­licher gemacht hat. Denn News sind nicht nur nicht wichtig – sie sind vor allem für dich persönlich nicht relevant. Wie auch? Denn persön­liche Relevanz ist etwas – ganz zu unserer Überraschung – sehr persön­liches. Die wichtigen News in deinem Leben spielen auf einem Feld, zu dem öffent­liche News in ihrer Breite nie Zugang haben werden. Was beschäftigt mich und meine Familie gerade wirklich? Wie verwirk­liche ich meine neue Business-Idee? Woher kommen meine Magenkrämpfe? Was beschäftigt meine Freunde heute? Schneide ich mir heute die Zehennägel, oder doch erst morgen? 

Alle wichtigen News und Ereignisse sind persönlich. Sie haben in 99% der Fälle nichts mit den Nachrichten der Welt zu tun. Die News verbreiten Nachrichten für die Masse. Doch haben keine Ahnung, was für dich gerade wirklich relevant und entscheidend ist. Welchen Sinn macht es also sich damit zu beschäf­tigen? 

News sind verant­wor­tungslos.

 

Ich sage nicht, dass die Themen der News per se irrelevant sind. Doch das System der täglichen Informationsbeschallung macht uns selbst, unsere Handlungen und auch die Welt keinen Deut besser. Warum? Weil wir Verantwortung abgeben. Zunächst bekommen wir Informationen präsen­tiert, die wir nicht sofort ändern können. Ob nun der Tsunami über Südostasien fegt, Donald Trump auf Twitter wieder die Sau rauslässt oder sich zwei Typen vor irgend einer Bar die Köpfe einge­schlagen haben – alles dies liegt außerhalb unseres aktuellen Einflusskreises. Doch das was bleibt, sind die unange­nehmen Gefühle. News sind wahnsinnig passiv. Ein wenig so, als wenn wir früh am Morgen nichts­ahnend im Bett schlummern und wir erst einmal mit einer Ladung Scheiße beworfen werden. Daneben steht ein großer Bluetooth-Lautsprecher der dir täglich mit voller Breitseite einhämmert: „Deal damit! Du kannst zwar nichts ändern – doch dies ist dein Leben!“. 

Denn die News sind keines­falls durch­struk­tu­rierte Doktorarbeiten die wir uns selbst mit einem sinnvollen Hintergedanken erschließen. News sind je nach Medium wirtschaftlich, politisch oder lobby­ge­steuerte Vorfilterungen, die uns einfach an den Kopf geschmissen werden. Sie sugge­rieren uns dabei nicht nur eine bereits vorma­ni­pu­lierte Information. Sondern suhlen uns ebenfalls in einem Meer aus Kontrolllosigkeit und Kleinheit.

Ja ich bin wirklich der Überzeugung – Nachrichten sind der schlechte Gemeinschaftskunde-Lehrer, den einige von uns im Abi hatten. Jemand steht vorne und gibt dir eine vorge­fer­tigte Schablone von Ereignissen. Kommentiert sie, lässt Dinge weg, fügt eigene Dinge hinzu. Ist man d´accord damit, schwimmt man mit. Man ist „gut infor­miert“. Allerdings hat das mit eigenem Denken nicht mehr viel zu tun. Die Sicht ist verklärt. Die Sicht kann nur verklärt sein. Da wir meist die wirkliche Fülle und Hintergründe einer Information nie zu Gesicht bekommen, sondern nur das fertige Endprodukt, was uns häppchen­ge­recht in der Auslage präsen­tiert wird. Die Frage ist tatsächlich, ob wir uns als Beute dabei weiter täglich mental abschlachten lassen wollen. Oder ob wir wieder aktiv Verantwortung übernehmen und uns in einer Art und Weise infor­mieren wollen, die relevanter und tiefer geht.

News sind Lebensgeistvernichter.

 

Wenn ich schreibe, dass News passive Zeitverschwendung sind, ist das nicht nur ein gewal­tiger Seitenhieb gegen unseren Medienkonsum an sich. Es ist viel heftiger noch, die Selbstvergewaltigung unseres eigenen Lebens. Denn wenn wir nicht nur das Feld der Nachrichten betrachten, sondern unseren sozialen News-Konsum auf Facebook, Instagram und Co. mit in die Bewertung einbe­ziehen, haben wir ein gewal­tiges Desaster vor Augen. 

Erstens verschwenden wir massiv Zeit. Und wenn du in der heutigen Zeit einen mittel­mä­ßigen Konsum dieser News pflegst, dann weißt du sicherlich, dass die Bezeichnung „massiv“ an der Stelle nicht unter­trieben ist. Doch das viel größere Problem: Wir bekommen aus Mangel an zeitlichen und kogni­tiven Kapazitäten unser Leben nicht mehr auf die Reihe. Anstatt unsere Arbeit zu machen, Kunst zu erschaffen, zu schreiben, Beziehungen zu pflegen, kreativ zu wirken, werden wir zu Konsummonstern der ach so wichtigen News. 

Vielleicht klingt das abgegriffen. Doch das ist mir scheißegal. Denn dieser Umstand ist so wahr. Ich weiß es, du weißt es. Und wenn wir dieser Tatsache weiter mit sehendem Auge ins offene Messer laufen, verschwenden wir unser ganzes Leben mit unwich­tigen News, kreiert von Institutionen oder Menschen, die wir noch nicht einmal mögen. 

Ja ich gehe sogar soweit zu sagen, News-Junkies und Menschen die behaupten „wir brauchen die Nachrichten“ fliehen mit dieser Ausrede vor sich selbst und ihrem wirklich Potenzial. Denn all die Parameter die wir brauchen um persönlich, sozial und mental fähig zu sein, werden uns abtrai­niert. Monkey-Mind statt langan­hal­tender Fokus und Geduld. Fremdes Denken statt eigenes Denken. Konsum statt Erschaffungskompetenz. Konvergentes Denken statt diver­gentes Denken. Input statt Output. Hass statt Liebe. News sind tatsächlich ungemein süchtig machende Lebensgeistvernichter, die unsere Kreativität von vorne bis hinten sabotieren.

News sind ungesund.

 

Der Mensch nimmt heute visuell in ca. 2 Monaten soviel Informationen auf, wie in seinem gesamten Leben im Mittelalter. Unsere Gene sind die gleichen. Um zu verstehen, dass uns diese Flut an Reizen körperlich abfuckt, muss ich kein Arzt sein. Selbst dem unseriösen Wannabe-Doktor aus der Alpecin-Werbung traue ich diese Schlussfolgerung zu. Aus der Hirnforschung und der Epigenetik wissen wir momentan, wozu diese Reizüberflutung führt. Unsere Hirnwellen funktio­nieren ständig in hoch-bis mittel­fre­quenten Betawellen. Zu deutsch: Wir haben Stress. Und Stress führt bekanntlich dazu, dass unser Immunsystem herunter reguliert wird, T-Zellen im Körper den Regenerationsprozess nicht mehr ordentlich anstoßen und dass die Qualität unserer Proteinverwertung entscheidend abnimmt. Und dabei sprechen wir erst einmal nur von der Informationsverarbeitung an sich. 

Wenn wir uns dann auch noch ausmalen, welche emotio­nalen und psychi­schen Effekte uns die News bescheren, haben wir den Salat. Denn bekannt ist auch, Emotionen wie Hass, Angst, Trauer kurbeln ebenfalls den körperlich chronisch so ungesunden Zustand von „Fight-or-Flight“ an und versetzen unseren Körper mehr als nötig in Alarmbereitschaft. Und von den genannten Gefühlen haben wir eine Menge, wenn wir die Nachrichten eines normalen Tages ausführlich lesen. Unser Nervensystem wird ständig aktiviert. Wir schütten Adrenalin und Cortisol in rauen Mengen aus. Körperlich führt dies oft zu Müdigkeit, Verdauungsproblemen und Entzündungen. Psychisch gesehen können wir Angstzustände bekommen. Klaro, die Welt ist ja auch ein böser, dunkler Ort, an denen man sich nicht mehr sicher auf der Straße fühlen kann. 

Der Körper kennt keinen Unterschied dazwi­schen, ob dich gerade ein Tiger frisst oder ob dich gerade ein Tiger in deinen Gedanken frisst. Er verwendet seine ganze Energie ins Programm, welches Überleben heißt. Ein Programm was tatsächlich gar nicht gebraucht wird, während du auf dem Balkon die Nachrichten liest. Diese Energie fehlt woanders. Sie fehlt bei der Regeneration, bei der Verdauung, bei kreativen Ideen. Oder sie fehlt deiner Willenskraft wenn’s darum geht Sport zu machen, deinem oder deiner Liebsten zuzuhören, oder dir etwas gesundes zu kochen. Klingt alles etwas schroff und medizi­nisch? Ja, ist es auch. Ich möchte an dieser Stelle keine Poesie reinbringen, wo sie nicht angebracht ist. News fucken deinen Körper ab. Punkt.

Von der Beute zum Jäger

 

Schluss mit den schlechten Nachrichten. Denn wenn der Eindruck entsteht, dass die vergan­genen Zeilen einfach nur ein Rundumschlag gegen unsere Nachrichten und unseren News-Konsum waren, ist das nicht die ganze Wahrheit. Denn mein heutiges Plädoyer für ein fettes NEIN zu den News, ist im Grunde ein fettes JA.

Denn natürlich ist es keine Lösung, sich den Themen der Welt zu verwehren und sich bis zum Tod in die nächste Höhle zu verschanzen. Wenn du etwas ändern möchtest, dann ändere bitte etwas. Ob es nun um den Regenwald, die Politik, dein Business oder die soziale Wärme auf den Straßen oder in deinen persön­lichen Beziehungen geht. Doch die Art und Weise, wie wir Lösungen erreichen und an sie heran­treten – dies ist die Stellschraube, an der sich alles entscheidet.

Wir müssen dem System der News entsagen. Der Preis ist zu hoch. Ihre vorge­fil­terten Informationen sind ein kleiner, unwahrer, meist sensa­ti­ons­geiler Ausschnitt der Wirklichkeit. Vor allem sind sie nicht persönlich relevant, weil sie keinen Zugang – und auch kein Interesse – an deinem eigenen Leben haben können und wollen. News machen uns passiv und vermitteln uns den Eindruck – wir können eh nichts ändern. Darüber hinaus stehlen sie uns wichtige Zeit und nehmen uns kreative Erschaffungsenergie. Trainieren uns vernetztes Denken ab. Und zum allen Überfluss überspülen sie unseren Körper mit Dauerstress und machen krank.

Wir können unseren Konsum und unser eigenes Glück nur retten, wenn wir von der Beute zum Jäger werden. Wenn wir uns fragen – womit will ich mich eigentlich WIRKLICH beschäf­tigen? Was sind meine Themen? Und auf einmal wendet sich das Blatt komplett. Wir lassen uns nicht mehr passiv beschallen. Sondern suchen aktiv nach Informationen und Weisheit. Nicht mehr in den News, sondern in guten Büchern. In guten Artikeln. In Gesprächen mit Menschen und Experten. Und das alles in unserem eigenen Tempo. Jenes, dass uns gut tut.

Wir springen nicht mehr oberflächlich von einer Schlagzeile zur nächsten. Sondern wir gehen richtig tief in ein Thema. Wir konsu­mieren nur noch Sachen, die jetzt gerade für uns und unsere Anliegen wirklich relevant sind. Beleuchten mehrere Ecken und Seiten – und lassen uns nicht mehr verar­schen. Weil wir selbst wieder Fäden in unserem Hirn zusam­men­knüpfen. Einen eigenen Standpunkt finden. Und womöglich auch noch eigene Gedanken und Ideen mit einbringen. Wir kreieren dadurch wieder eigene Inhalte, Bücher, Onlinekurse, Reden und News. Wir suchen nach Lösungen, nicht nach Selbstmitleid bekannter Probleme. Uns geht es besser. Da wir nicht mehr Beute von stres­sigen Unkontrollierbarkeiten sind, sondern in Ruhe und Spaß selbst Kontrolle über unser Gedankengut und Gefühle übernehmen. Und sollte wirklich was super­wich­tiges passieren oder die Welt unter­gehen – du wirst es mitbe­kommen.

Die News-Diät.

 

Hier will ich heute enden. Mit einem Experiment. Einem Experiment, das dir hilft, weniger Stress zu haben. Deine Arbeit zu machen, statt im News-Konsum zu versacken. Und dich emotional besser zu fühlen.

Ich möchte dich einladen, 30 Tage auf News zu verzichten. Komplett ohne wenn und aber. Nach 30 Tagen kannst du ein Fazit ziehen. Falls du tatsächlich das Gefühl hattest, dass die Abstinenz dein Leben schlechter gemacht hat – fang gerne wieder anschließend damit an.

Hier ein paar Tipps und Besonderheiten:

  • Wenn du News-Junkie bist, kann die erste Woche schlimm für dich werden. Denn News sind wie Heroin für den Geist. 
  • Nimm dir so gut wie möglich alle Möglichkeiten für den Newskonsum. Schalte dein Internet ab, wenn du es nicht brauchst. Deaktiviere oder lösche alle News-Feeds. Für den Mac gibt es das Programm Self-Control. Dort kannst du für 24h selbst festge­legte Seiten für deinen Browser wirklich effektiv sperren.
  • Solltest du doch „zufällig“ auf eine Newsseite stolpern, schließe sie ohne nachzu­denken einfach sofort wieder.
  • Wenn du den Impuls verspürst, News konsu­mieren zu müssen, setz dich 5 Minuten hin, schließ die Augen und sei dankbar für etwas am heutigen Tag. Mir hilft das, den Sucht-Mechanismus relativ schnell zu umgehen.
  • Was du lesen darfst: Bücher und „gute“ Artikel im Internet, nach denen du zu einem sinnvollen Zweck aktiv recher­chiert hast.
  • Sei dir bewusst, ab Woche 2 und 3 wird es besser.
  • Solltest du rückfällig werden – mach trotzdem weiter. Und dich selbst nicht dafür fertig.

Work smart, not hard.

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11 Kommentare
  • Franziska
    Veröffentlicht am 18:35h, 23 Februar Antworten

    Super Beitrag!!! Bin seit einigen Jahren „News/Soap/Spielfilm-Asketin“ und lebe freier und glück­licher denn je! Die freige­wordene Energie und Zeit inves­tiere ich zu einem Grossteil in mich selbst, sprich Skills lernen/verbessern, Wissen aneignen, adulting, Konfortzone verlassen,…

    • Bastian
      Veröffentlicht am 18:24h, 28 Februar Antworten

      Dank dir Franziska. Auf jeden Fall. News bringen einen keinen CM voran.

  • Bo
    Veröffentlicht am 10:28h, 24 Februar Antworten

    So dann mal reinge­hauen…
    In die Tasten….
    Ich schau….Höre….oder lese schon lange keine News mehr inter­es­siert mich gegen …null.
    Genau wie Basti schrieb…
    Hat es einen Wert
    Hat es einen Nutzen für dich Persönlich….
    Nope…..
    Klar wenn Radio hörst knallt es dir um die Ohren …wenn nicht schnell leiser machst…..
    Alles Negativ…
    Zu 99 %…
    Angst macherei
    Klar hier ne gute Tat zum Schluss….
    So hab ich das noch in Erinnerung….
    Ich mach mir mein eigendes Bild…
    Und wie Basti sagte …
    Der aller­grösste Teil…
    Hilfsbereit…
    Nett und freundlich….
    Bin Trucker….
    Ahhh Kreisch…
    Fahre durch Schweiz
    Österreich…
    Italien….
    Kann nichts Negatives sagen….
    Was die Menschen beschäftigt ….
    DIE SOZIALE UNGERECHTIGKEIT….
    DAS MACHEN UND TUN….
    UND MANN KOMMT NIE AUF EINEN GRÜNEN ZWEIG…..
    STEUERN HIER …STEUREN DA…
    ERÖHUNG HIER ERHÖHUNGEN DA….
    DAS IST DAS SYSTEM
    DENN ES WIRD EINEM NICHT BEIGEBRACHT…
    IN DER SCHULE NICHT…
    WIE MAN RICHTIG UMGEHT MIT GELD..
    WIE MAN SPART…
    BITTE NICHT BEI DER BANK..
    DER ZUG IST DURCH….
    ES IST JA AUCH WICHTIG DAS DAS HAMSTERAD SICH WEITER DREHT…..
    KLAR OHNE DEN KLEINEN MANN….
    OHNE DAS ARBEITENDE VOLK
    WÄRE ES NICHT MÖGLICH…
    DOCH DIESE MENSCHEN VERDIENEN MEHR RESPEKT …
    MEHR GELD….
    SO DAS MAN NICHT IMMER JEDEN PFENNIG UMDREHEN MUSS….
    EINE ANLEITUNG….
    DANN KOMMEN DIE NEWS DIE KURZ ABLENKEN….
    VOM EIGENEM PROBLEM…..
    Ich lass mich nicht mehr Irre machen….
    Super geschrieben Basti…..
    Vielen Dank…..
    WorkLifeBalcance für alle…..

    • Bastian
      Veröffentlicht am 18:30h, 28 Februar Antworten

      Danke für deine Ergänzungen Bo!

  • Joachim
    Veröffentlicht am 10:29h, 24 Februar Antworten

    Seit 30 Jahren vermeide ich jegliche Nachrichten. Denn wer braucht fas schon?. Lüge, Falschmitteilungen, inhalt­liches nachrichten also verdrehen und Verbiegen von Fakten bis zur Unkenntlichkeit. Die Medien als die Hure des Systems…der Systeme. Selbst Herzinfarkt Mord s. Ulfkotte wird genutzt. Oder glaubt irgendeiner…eine wirklich dass ABS beim Motorrad als ursäch­liches Ziel der Sicherheit des Fahrers/in dienen sollte. Die Spannbreite der Massemverdummung lässt sich beliebig ziehen. Seit mehr sls 30 Jahren keine nachrichten mehr. Und weisst du was? Ich habe noch nie etwas verpasst. Noch nie. Nur mein Kopf ist frei vom Medien-Betrug und Angstzündeln. suche dir die guten infor­ma­tionen von Andreas Pop, dr.klinghardt, Prof. Dr.dr. edinger, dieter Broers, Greg Bradon, dr. rüdiger dahlke, dr. Kalker, prof. Dr. Hüter, prof. Dr. Spitz, arthur Schnitzler, welt im wandel tv, , prof. Dr. Michael vogt, tobiasBeck, dieter Lange, christian bischoff und und und und. Das ist sinnvolle zeit. So wird diese welt weiter­ge­bracht. Und wir werden immer mehr,
    Unaufhaltsam.

    • Bastian
      Veröffentlicht am 18:31h, 28 Februar Antworten

      Danke vielmals Joachim. Da sind sogar viele Namen dabei, die ich selbst nicht kenne.

  • Holger
    Veröffentlicht am 10:39h, 24 Februar Antworten

    Hmm, da hast Du bei mir voll ins Schwarze getroffen!
    Ich befasse mich gerade mit „welchen Sinnlosigkeiten schenke ich meine Aufmerksamkeit und Zeit?“

    Ein RIESIGES Problem dieses Informationskonsums ist, das ich/wir uns ständig ablenken lassen und es uns an Konzentration für die wirklich wesent­lichen Dinge fehlt! Zumindest fällt mir das an meinem eigenen Verhalten auf.

    Früher hat ich viel viel mehr Zeit und heute rauscht der Tag einfach so durch und ich konnte nichtmal bewusst den Ausblick bei nem leckeren Cappuccino geniessen! Obwohl ich recht smart und effektiv agiere, doch das will ich einfach zurück­haben!

    Unsere Zeit ist viel zu wertvoll, um sich tgl. durch irgend­welche Medien treiben zu lassen.
    Instagram habe ich schon aufge­geben 🙂
    Ich zieh da mal mit und bin überzeugt, dass ich tgl. locker 1-2 Std. wertvoller einsetzen kann und mein „Geist“ wieder mehr mir gehört 😉

    • Bastian
      Veröffentlicht am 18:34h, 28 Februar Antworten

      Danke Holger! Da ist auf jeden Fall was dran. Aber man kann sich durchaus auch in heutigen Zeiten Zeit zurück holen.

  • Michaela
    Veröffentlicht am 22:21h, 24 Februar Antworten

    Hi Basti,

    kann dir nur zustimmen. Ich schaue schon seit Jahren kein TV mehr und lasse auch die Nachrichten etc. immer mehr an mir abprallen.

    Das einzigste Heft, das ich wirklich verschlinge, heisst „ENORM“. Sehr inspi­rierend und Mut machend. Ein Heft, das guttut.

    Ansonsten halte ich es wie die „Ärzte“: NEIN zu „Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht“ ;-)))

    Mein inspi­rie­rendes Buch, das ich diese Woche gelesen habe:

    Kennst du deinen Engel“ von Benjamin Klein.

    In diesem Sinne machts gut und ja… wir werden mehr 🙂 Tolles Gefühl

  • Yvonne George
    Veröffentlicht am 09:50h, 28 Februar Antworten

    Lieber Bastian!
    Danke für den Artikel!
    Wiedermal schreibst du eine Wahrheit, mit der ich mich absolut identi­fi­zieren kann.

    Ich war noch nie so der News Typ. Allerdings hatte ich gar nicht gemerkt, wie brain­washed ich durch Radio und TV war. Erst, als ich den Konsum 2013 komplett einge­stellt hatte, konnte plötzlich meine eigene Stimme heran­reifen.

    Wenn ich heute bei meiner Familie bin und das TV Programm sehe bzw. mal eine Zeitung lese dann bin ich nicht nur gelang­weilt. Ich bin frustriert.

    Das erinnert mich an diesen Comic, in dem der außer­ir­dische im Ufo sitzt, den TV-Apparat hoch beamt und sagt: We have their leader.

    News fasten rockt!
    Zumindest bis es sich wieder lohnt. Wenn die neue Welt die alte abgelöst hat, dann zieh ich mir vielleicht auch wieder News rein 😉

  • Patrick Hager
    Veröffentlicht am 17:36h, 02 März Antworten

    Hallo Bastian!

    Auch ich finde den Blog-Artikel klasse. Sowas lese ich gern. Super Beitrag! 😀

    Am deutlichsten wird die Macht der Medien beim Thema „Corona-Virus“. Da wird eine irrationale Angst und Panik geschürt, dass manche news-süchtigen Zeitgenossen sich genötigt fühlen, in den Geschäften zu hamstern. Da kann man sich nur an den Kopf greifen.

    Zum Glück für den süchtigen Informationsjunkie machen es die News-Portale zunehmend einfacher, auf den Konsum der Nachrichten zu verzichten. Der „Paywall“ sei Dank!

    Liebe Grüße
    Patrick

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