17 Min. Lesezeit Nice to meet me. Auf der Spur unserer Persönlichkeit

Teil 1: Die Anderen

 

Morgenroutine, Gehirnjogging, Produktivitätshacks. Der Tag hat 24 Stunden, die man sich in unter­schiedlich portio­nierte Kuchenstücke teilen kann.

Die Erfolgreichen machen das so. Sie haben für jede Minute ihres Tages einen Plan, leben eine Routine, haken Aufgaben im Stundentakt ab – oder sugge­rieren zumindest, ihr Fitness- und Berufsleben vom Schlaf über die Verdauung bis hin zum Brainstorming im Griff zu haben. Diese Menschen sind die Avocados und Walnüsse unserer Gesellschaft. Superpeople.

Für dich und mich können diese Influencer ein Vorbild sein, um ein Ziel zu erreichen. Fitter werden zum Beispiel. Oder digitaler Nomade. Sie dienen als Maßstab des Möglichen. Aber der Erfolg der Erfolgreichen hinter­lässt oft auch einen bitteren Nachgeschmack. Wer in der Normalliga spielt (also die meisten von uns) hat schon mal das Gefühl, hinten abzufallen, nicht erfolg­reich genug zu sein oder viel länger für alles zu brauchen.

So sehr ich die Optionen von Skillsharing schätze und selbst davon profi­tiert habe, so zwiespältig sehe ich den Vergleich mit anderen und den ständigen Optimierungsprozess, welcher damit einhergeht mittler­weile. Daher möchte ich mich heute kritisch mit den Themen Selbstoptimierung, Vorbilder und Glück ausein­an­der­setzen. Und mit dir dein eigenes Tempo finden.

Soziale Optimierungsspirale

 

In der Welt von Social Media können wir uns perfekten Lebenswelten anderer schwer entziehen. Wir konsu­mieren Ideal-Bilder bei Instagram, legen mit eigenen Feeds nach – und finden die Reise dieses coolen Bloggers irgendwie doch noch besser als die eigene. Wo zur Hölle findet der immer diese geilen Orte? Und heißen Frauen? Und wie kann er sich das alles leisten?

Ich möchte nicht in Banalitäten abschweifen. Aber diese Instagramer posten natürlich nur das Beste vom Besten, den Schimmel in ihrem Hotel-Bad und Hangover Selfies nach einer durch­zechten Partynacht zeigen sie nicht. Und obwohl uns das in einer Hintertür unserer Gehirnzellen klar ist, lassen wir uns von der schein­baren Perfektion hinreissen.

Ob man stummer Konsument ist, ob man versucht, perfekte Feeds mit eigener Perfektheit zu überbieten – allen Reaktionen ist gemein, dass wir in einer Spirale des Wettbewerbs und des Vergleichs agieren. Natürlich ist nicht das Internet „schuld“ an allem. Aber das Netz ist schon ein „Ort“ des Vergleichs. Hier sind wir direkter und gleich­zeitig verfälschter mit dem Erfolg anderer konfron­tiert, weil genau kontrol­liert werden kann, wie eine Person oder ein Ort rüber­kommen.

Lost in Perfection: Der ständige Vergleich

 

Ob bei Twitter oder im echten Leben: Sich ständig mit anderen zu vergleichen ist eine der Hauptursachen von Unzufriedenheit. In der Vergleichsfalle liegt also ein großer Hund begraben. Tom DeLong schreibt in seinem Buch Flying without a Net: „Egal wie erfolg­reich wir sind und wie viele Ziele wir erreichen: Diese Falle sorgt dafür, dass wir unsere Errungenschaften neu einordnen und unsere Parameter, mit denen wir Erfolg definieren, neu einstellen… So setzen wir uns unerreichbare Maßstäbe, und fühlen uns elender als je zuvor.“

In Toms Aussage finden wir nicht nur Kritik am Vergleichen, sondern auch dessen Sinn: Der Vergleich ist ein Gradmesser – in Gehaltsverhandlungen, vor Gericht, bei sport­lichen Leistungen. Vergleiche setzen die Linie auf dem weißen Blatt Papier, der wir folgen, die wir nachzeichnen oder ausfor­mu­lieren.

Insofern plädiere ich nicht für die Abschaffung des Vergleichens. Aber für einen bewuss­teren Konsum, wenn du verstehst. Weil du eben du bist und nicht Blogger X oder Sportler Y. Dein Idol ist ein anderer Mensch – allein darin hinkt schon der Vergleich. Und ich kann dir außerdem verraten. Auch dein Idol vergleicht sich. Dein Idol hat ein Idol.

Eigene Wahrheiten – Modelliere deinen Glaubenssatz-Baukasten

 

Abgesehen von äußeren Umständen, körper­lichen Voraussetzungen, Erfahrungen, finan­zi­ellen Mitteln, sozialem Umfeld und jeglichen nicht aufge­zählten Lebensbereichen, unter­scheidest du dich in einer Sache entscheidend von Anderen. In deinen Glaubenssätzen.

Dabei handelt es sich um Überzeugungen über uns und über die Welt, die unser Denken und Handeln beein­flussen. Ein Beispiel für (gegen­sätz­liche) Glaubenssätze:

A) Die Welt ist gegen mich.

B) Die Welt bietet mir Herausforderungen und Chancen.

Ob du A) oder B) verankert hast, schafft eine jeweils andere Perspektive auf das Leben. Sprich: Du und Otto Idol empfindet ein und dieselbe Situation vielleicht total, völlig, ganz und gar unter­schiedlich.

Wether you say you can,
or you can’t, you’re right.“
Henry Ford

Egal, welchen Glaubenssatz du auf deiner Festplatte gespei­chert hast: Er ist wahr. Er ist deine Realität. Wenn du also an einem konkreten Ziel arbeitest, lohnt sich der Blick nach innen – überlege dir, welche Glaubenssätze bei dir verankert sind. Deine Überzeugungen können positive als auch negative Auswirkungen haben. Wenn wir bei unserem Glaubenssatz-Paar bleiben, ist natürlich „Die Welt bietet mir Herausforderungen und Chancen“ zielfüh­render.

Selektive Wahrnehmnung und kognitive Dissonanz

 

Baggern wir noch etwas weiter in der Glaubenssatz-Erde. Wie wir denken, fühlen und handeln ist von zwei Faktoren abhängig: der selek­tiven Wahrnehmung und der kogni­tiven Dissonanz.

  • Selektive Wahrnehmung bedeutet, dass du nur bestimmte Aspekte der Umwelt wahrnimmst und andere ausblendest. Die Schotten sozusagen dicht machst. Wenn du eine Zeit in Frankreich verbracht hast und nach Hause kommst, hörst du plötzlich überall Französisch. Wenn du an das Böse im Menschen glaubst, ist der gesamte Globus gegen dich.

  • Die kognitive Dissonanz bezeichnet einen unange­nehmen Gefühlszustand. Dieser entsteht durch wider­sprüch­liche Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche, Absichten. Nimm als Beispiel ein für zu viel Geld erwor­benes Kleidungsstück. Erst willst du dir etwas gönnen und zückst die Kreditkarte. Später stellst du fest: Das Teil ist viel zu teuer.

Long Glaubenssatz-Story short. Es macht wirklich keinen Sinn, sich mit jemandem eines ganz anderen Mindsets zu messen.

Teil 2: Ich, ich, ich!

 

Richten wir den Blick also „nach Innen“.

Bei meiner Rede auf der Freiheitsbusiness-Konferenz in Hamburg sagte ich: „Was uns schwer fällt, ist die Unterscheidung zwischen dem, was wir ehrlich wollen – und dem, was wir glauben, was wir wollen.“

Hier liegt der zweite Hund begraben.

Ich ertappe mich selbst häufig dabei, wie ich anderen nacheifere. Und denke: Ich will so sportlich oder erfolg­reich sein wie der. Ich will so viel Geld verdienen wie die. Wenn ich ganz aufrichtig zu mir bin, merke ich aber: Ich will das nicht wirklich. Nicht aus tiefster Seele. Denn ansonsten wäre ich jeden Tag dran, dieses Ziel umzusetzen.

Auch wenn es nicht jeder zugeben mag, die meisten von uns haben dieses Gefühl, im Leben hinterher zu hängen. Ich meine, ich weiß wovon ich rede. Ich hab mit 30 Jahren zum 2. Mal die Uni geschmissen. Während immer mehr Teenies Startups hochziehen und für Unsummen verkaufen und ihre Zahnspangen vergolden lassen. Und eines Tages nimmt es plötzlich Überhand und nagt an unserem Seelenfrieden… wir sollten dringend aufholen, „noch mal angreifen“, um 5 Uhr aufstehen, hustlen, grinden.

Also muss mehr Motivation her, mehr Wille, mehr Anstrengung, mehr inspi­rie­rende Zitate, mehr To-Do-Listen und Produktivitäts-Hacks, mehr Netzwerken, mehr Apps, mehr Zeug, das uns eigentlich nur bestätigt, wir seien nicht gut genug.

Mal abgesehen davon, dass es empirische Studien gibt, die keinerlei Zusammenhang finden können, zwischen dem ökono­mi­schen Status einer Person und um wieviel Uhr diese aufsteht… Aber klingt halt cool. #5amclub und so.

Ich arbeite aber an anderen Zielen. Also sind diese ganz offen­sichtlich meine Priorität. Warum das nicht einfach mal akzep­tieren? Achja, wegen dem ganzen Facebook-, Twitter- und Instagram-Feed. Oder auf tiefere Ebene: Weil wir auf der Suche nach Glück sind.

Was ist Glück?

 

Glück. Was ist das eigentlich? Machen wir einen kleinen Abstecher ins Definitions-Land.

Unsere Idee von Glück ist häufig an das Erreichen eines bestimmten Zustands gebunden. Nach dem Motto: „Wenn ich so oder so aussehe, bin ich endlich glücklich“, „Wenn ich so oder so viel auf dem Konto habe, ist alles gut.“

Und trotzdem wider­legen wir diese Theorie immer wieder selbst. Denn: Sobald du an deinem vermeint­lichen Glücksziel bist…

…steckst du dir höhere Ziele. Und vergleichst dich weiter nach oben, immer höher, besser, schneller. Dieses Vergleichs- und Optimierungs-Karussell hat kein Ende. Jedenfalls hört es nicht durch das Erreichen eines bestimmten Levels oder Ziels auf. Den Stopp-Schalter müssen wir selbst drücken.

Vielleicht fragst du dich jetzt: Aber warum stellt sich Glück denn nicht ein, wenn man ein Ziel erreicht hat? Gegenfrage. Warum bist du jetzt nicht glücklich? Wer sagt, dass der Status quo eine Zwischenstation ist?

Auf psycho­lo­gi­scher Ebene hängt Glück von Erwartungen ab. Nicht von objek­tiven Bedingungen. Wir beziehen keine Befriedigung daraus, dass wir ein fried­liches, prospe­rie­rendes Dasein führen. Da haben wir den Salat unserer unglück­lichen Gesellschaft – Viel mehr sind wir nämlich zufrieden, wenn die Realität unseren Erwartungen entspricht. Die schlechte Nachricht ist, dass die Bedingungen für ein glück­liches Leben sich zwar stark verbessert haben, gleich­zeitig aber die Erwartungen exponen­tiell explo­diert sind. Weil plötzlich jeder alles sein kann. So rennen Menschen beispiels­weise in Scharen zu „Deutschland sucht den Superstar“ oder zu „Supertalent“. Super ist der neue Durchschnitt.

Wir enden unwei­gerlich in einer Art Optimierungsspirale, aus der man schwer wieder raus kommt, saugen alles auf, was uns und unser Leben vermeintlich verbessert und beginnen, um 5 Uhr aufzu­stehen, Bulletproof Coffee zu trinken (mache ich tatsächlich) und 30 Minuten vor dem Frühstück mit binauralen Beats im Ohr zu meditieren, ohne sich „glück­licher“ zu fühlen.

Wo endet das? Es endet gar nicht. Zumindest nicht, bis man selbst entscheidet, dass es das muss. Und das musste ich selbst auch, weil immer mehr dazu kommt. Immer mehr spannende Leute denen man folgt, die Dinge tun, die inter­essant sind, die man auch noch konsu­mieren möchte, aber eigentlich gar nicht die Zeit dazu hat. Und plötzlich setzt man sich sogar mit Polyphasenschlaf ausein­ander.

All die Optimierungstipps, Morgenroutinen und Produktivitäts-Hacks sind im Endeffekt nur Wegweiser. Nimm davon maximal was für dich funktio­niert und wirf den Rest weg. Wenn du an dem Punkt bist, wo du sagen kannst, das funktio­niert für mich und das ist worauf ich wirklich Bock habe, das macht mir Spaß, da will ich hin, dann ist es auch scheiß egal, was andere sagen.

Wir hängen nicht im Leben hinterher. Es gibt keinen Blueprint, der in Stein gemeisselt ist. Wir hängen nur Fantasien hinterher, wie wir angeblich sein sollten und was wir angeblich schon erreicht haben sollten.

Und so jagen wir. Jagen gewissen Gefühlen hinterher. Wir wollen nicht die Millionen Euro, wir wollen nicht das riesige Business, wir wollen die Emotion, die wir uns davon versprechen – wie es sich anfühlt Millionär zu sein. Und häufig ist es eben so, dass das Tun an sich für diese Emotionen sorgt. Das zu machen, was einem Spaß macht. Und das ist für jeden von uns etwas anderes.

So ist der Drang der stetigen Verbesserung der eigenen Lebenssituation und einer selbst – ironi­scher­weise – letztlich ziemlich destruktiv, weil man sich an keinem Punkt die Erlaubnis gibt, einfach da zu stehen, wo man grade ist. Um der ewigen Glückssuche von der Schippe zu springen, muss man sich diese Situation bewusst machen.

Motivationstypen

 

Wie in unseren Glaubenssätzen, ticken wir auch in Sachen Motivation unter­schiedlich. Es gibt drei verschiedene Arten, die den Menschen antreiben: Grundbedürfnisse, ex- und intrinsische Motivationen. Check it out:

Unsere Grundbedürfnisse Essen, Trinken und Schlafen sind im Normalfall gedeckt, oder? Insofern leitet uns die Motivation direkt weiter zur extrinsi­schen Motivation. Diese deckt Materielles ab: Güter, Status, Kohle. Die intrinsische Motivation versammelt alles, was wir ohne äußere Anreize heraus leisten wollen. Also ohne Belohnung. Sei es, aus reinem Spaß an der Freude, Kochrezepte ins Netz zu stellen.

Fun Fact: Besitz macht nur halb so glücklich wie dessen Verlust unglücklich macht. Darum ist eine bloße extrinsische Motivation ein Spiel mit dem Feuer. Insofern sind die meisten Leute unglücklich, weil sie nicht intrinsisch handeln.

Was ist dein innerer Antrieb? Was machst du aus bloßer Freude? Und nicht für ein extrinsi­sches Schulterklopfen deines Chefs?

Come a little closer: Zu einer von 16 Persönlichkeiten

 

Mit diesen ganzen angespro­chenen Themen möchte ich dir eine Sache näher bringen. Dich. Bevor du anderen nachei­ferst, reflek­tiere deine Glaubenssätze, überleg dir deine Motivation, definiere deine echten Wünsche.

Als ich diesen März in Chiang Mai in einem Café saß, fühlte ich mich irgendwie etwas lost. Ich betrachtete, was Leute in meinem näheren Umfeld so machten und wie viel „erfolg­reicher“ sie waren. Leute denen ich zum Teil mein eigenes Wissen beigebracht habe, sie es aber einfach viel zielstre­biger umsetzten. Fokussierter. Und ich schwamm nur herum. Irgendwie fiel es mir unglaublich schwer zu priori­sieren, weil ich grund­sätzlich auch sehr sprunghaft bin und mich Dinge schnell langweilen können.

Wenn man plötzlich nur noch Unternehmer und Überperformer in seinem Umfeld hat und ständig mit deren Ideen konfron­tiert wird, fällt es schwer, sich auf sein eigenes Treiben zu beschränken. Man will zwar grund­sätzlich immer offen für neue Impulse sein, Neues lernen, aber nicht alles ist für jeden. Bevor man heraus­findet, was zu einem passt, muss man sich mit sich selbst ausein­ander setzen.

Ein möglicher Weg, sich selbst besser einzu­ordnen, führt über Persönlichkeitstests. Diese nutzen Menschen schon seit dem Altertum – vielleicht sagen dir die vier Persönlichkeitstypen Sanguiniker (heiter), Choleriker, Melancholiker und Phlegmatiker etwas. Sie werden gerne am Stein-Beispiel, der einer Person den Weg versperrt, erklärt: Der Choleriker gerät beim Anblick des Steins in Rage und räumt ihn in einem Kraftakt aus dem Weg, der Sanguiniker klettert lachend über ihn hinweg. Der Phlegmatiker sagt: „Gehst du mir nicht aus dem Weg, gehe ich eben herum.“  während der Melancholiker grübelnd vor dem Stein stehen bleibt und sein Pech nicht fassen kann.

Ein bisschen klingen diese Beschreibungen nach tempo­rären Gefühlszuständen oder Launen. Insofern reichen sie nicht aus, um das Komplexum Mensch zu beschreiben. Und zugegeben: Wahrscheinlich trifft diese Aussage ein bisschen auf alle Persönlichkeitstests zu. Keine katego­ri­sierte Definition eines Menschen wird alle Lücken schließen können.

Ich hab selbst nie sehr an dieses “Eso-Zeugs” geglaubt, aber an dem Punkt war ich irgendwie empfänglich dafür, weil in Chiang Mai so viele Nomads ständig von einem ganz bestimmten Test redeten und davon was er für sie bewegt oder offenbart hat. Das es „creepy“ sei, wie „accurate“ er ist. Die Rede ist vom 16 Personalities Test, der auf dem Myers-Briggs Typenindikator basiert – und der dich innerhalb von 10 bis 15 Minuten und kostenlos in eine von 16 Schubladen steckt.

INTJ-A-was?

 

Als Ergebnis bekommst du einen fünftei­ligen Buchstabensalat. Um genau zu sein: Vier Buchstaben und ein Anhängsel. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

ISFP-A

Laut Machern des Tests ist jede Persönlichkeit ein Cocktail aus vier Zutaten. Im Vorratsschrank stehen:

  • Introversion (I) oder Extraversion (E) (Introvertiertheit oder Extrovertiertheit)

  • Sensing (S) oder Intuition (I) (Realistisch oder Intuitiv)

  • Thinking (T) oder Feeling (F) (Logik oder Prinzipien)

  • Judging (J) oder Perceiving (P) (Planend oder Suchend)

  • Variante: Durchsetzungsfähige (-A) oder Vorsichtig (-T)

Jeder Buchstabe steht also für eine bestimmte Charaktereigenschaft. Niemand muss nur auf einer Seite der jewei­ligen gegen­über­ge­stellten Eigenschaften stehen. Wir alle sind ein bisschen shades of grey und tendieren nur mehr zu der einen oder anderen Eigenschaft. Der Test zeigt dir also an, zu wieviel Prozent du Logik-orien­tiert bist.

Fünf Persönlichkeitsaspekte

 

Schauen wir uns die Persönlichkeitsaspekte genauer an.

1. Verstand

Dieser Aspekt zeigt, wie wir mit anderen Menschen inter­agieren: Introvertierte Menschen (I) bevor­zugen Aktivitäten im Einzelgang. Sie, denken, bevor sie Dinge aussprechen und empfinden gesell­schaft­liche Interaktionen als anstrengend. Extrovertierte Menschen (E) bevor­zugen Gruppenaktivitäten. Sie denken, während sie sprechen und werden durch gesell­schaft­liche Interaktionen noch energie­ge­la­dener.

2. Energie

Die Energie bestimmt, wie wir die Welt betrachten und Informationen verar­beiten. Intuitive Menschen (N) sind phanta­sie­reich, verlassen sich auf ihre Intuition, sind vertieft in ihren Ideen und darauf konzen­triert, was passieren könnte. Realistische Menschen (S) stehen mit beiden Beinen auf dem Boden, verlassen sich auf ihre Sinne, sind vertieft in praktische Angelegenheiten und darauf konzen­triert, was in der Vergangenheit passiert ist.

3. Natur

Es liegt in unserer Natur, wie wir Entscheidungen treffen und mit unseren Emotionen umgehen. Logik fokus­sierte Menschen (T) sind tough, folgen ihrem Verstand und sind konzen­triert auf Objektivität und Rationalität. Prinzipien fokus­sierte Menschen (F) sind sensibel, folgen ihrem Herzen und sind fokus­siert auf Harmonie und Zusammenhalt.

4. Taktiken

Dieser Aspekt reflek­tiert, wie wir an Arbeiten, Planungen, Entscheidungen heran­gehen. Planende Menschen (J) sind entschlossen, bevor­zugen klare Regeln und Anweisungen, sehen Abgabetermine als heilig an und ersuchen das Ende. Suchende Menschen (P) können sehr gut impro­vi­sieren, bevor­zugen es, sich ihre Optionen offen zu lassen, sind sehr entspannt bei der Arbeit und sehr freiheits­liebend.

5. Identität

Der Aspekt der Identität unter­stützt alle anderen vier Aspekte. Er zeigt auf, wie überzeugt wir von unseren Fähigkeiten und Entscheidungen sind: Durchsetzungsfähige Menschen (-A) sind emotional stabil, ruhig, entspannt und weigern sich, sich zu große Sorgen zu machen. Vorsichtige Menschen (-T) sind selbst­be­wusst, sorgen sich um ihren Ruf, sind Erfolgs-orien­tiert und perfek­tio­nis­tisch.

Typengruppe

 

Das System des 16-Personality-Tests besteht aus zwei Ebenen:

1. Aus unserer (inneren) Rolle.

Diese Ebene bestimmt unsere Ziele, Interessen und bevor­zugten Aktivitäten. Davon gibt es vier: Analyst, Diplomat, Wache, Forscher.

2. Aus unseren (äußeren) Strategien. Die Strategie-Ebene zeigt unsere bevor­zugte Art, Dinge anzugreifen und Ziele zu erreichen auf. Es gibt vier Strategien: Selbstbewusster Mensch, Menschenspezialist, stetiger Verbesserer und sozial Engagierte.

Schauen wir uns die Rollen im Detail an:

1. Analyst

 

Der Analyst erfasst Rationalität und Objektivität, ist überragend in intel­lek­tu­ellen, wissen­schaft­lichen oder techno­lo­gi­schen Bereichen. Er ist unabhängig, aufge­schlossen, phanta­sie­reich – und hat einen starken Willen. An viele Dinge geht der Analyst mit einer utili­ta­ris­ti­schen Perspektive heran und ist mehr daran inter­es­siert, was funktio­niert als was jeden zufrie­den­stellt. Diese Charaktereigenschaften machen den Analysten zu einem strate­gi­schen Denker. Probleme können in gesell­schaft­lichen oder roman­ti­schen Bestreben entstehen.

Fakten:

  • Kombination aus _NT_

  • Intuitive und Logik-fokus­sierte Menschen

2. Der Diplomat

 

Der Diplomat schreibt Empathie und Zusammenhalt groß und glänzt in der Beratung. Er ist koope­rativ, phanta­sie­reich und nimmt häufig die harmo­ni­sie­rende Rolle bei der Arbeit oder in Gesellschaftskreisen ein. Der Diplomat ist ein warmher­ziger und einfluss­reicher Mensch. Probleme hat er, wenn er sich ausschließlich auf kühle Rationalität verlässt oder schwierige Entscheidungen treffen muss.

  • Kombination aus _NF_

  • durch­set­zungs­fähige und vorsichtige Varianten

3. Wache

 

Die Wache ist koope­rativ und hoch praktisch veranlagt, erfasst und erstellt Ordnung, Sicherheit und Stabilität. Menschen, die zu einem dieser Typen gehören, arbeiten hart, sind sorgfältig, tradi­tionell und überragend in logis­ti­schen Bereichen oder der Verwaltung, vor allem in solchen, die auf klaren Hierarchien und Regeln beruhen. Die Wache bleibt bei ihren Plänen und schreckt nicht vor schwie­rigen Aufgaben zurück – und doch kann die Wache unfle­xibel und zögerlich sein, wenn es darum geht, eine andere Sichtweise zu akzep­tieren.

  • Kombination aus_S_J

  • durch­set­zungs­fähige und vorsichtige Variante

4. Forscher

 

Der Forscher ist der Spontanste unter den Rollen. Er kann mit der Umwelt auf eine Weise in Verbindung treten, die für andere Typen nicht greifbar ist. Der Forscher ist ein Utilitarist und praktisch veranlagt. Er glänzt in Situationen, die eine schnelle Reaktion sowie die Fähigkeit erfordern, boden­ständig zu denken. Forscher beherr­schen Instrumente und Techniken – laut 16 Personalities: „auch betrifft dies körper­liche Werkzeuge, die sie anwenden, um andere Menschen zu überzeugen.“ So, so. 

Es ist also nicht überra­schend, dass dieser Persönlichkeitstyp unersetzbar in Krisen, im Handwerk und im Verkauf ist. Gleichzeitig können diese Fähigkeiten den Forscher an die Grenzen riskanten Verhaltens bringen oder dazu führen, dass er sich lediglich auf seine sinnlichen Freuden konzen­triert.

  • Kombination aus _S_P

  • durch­set­zungs­fähige und vorsichtige Variante

Strategien

 

Und hier die Strategien:

1. Selbstbewusster Mensch

 

Der Selbstbewusste bevorzugt es, Dinge im Alleingang zu tun. Er verlässt sich eher auf eigene Fähigkeiten und Instinkte, anstatt den Kontakt zu anderen zu suchen. Der Selbstbewusste weiß, worin er gut ist und hat ein starkes Selbstbewusstsein. Diese Persönlichkeitstyp glaubt fest daran, dass persön­liche Verantwortung und das Vertrauen in einen selbst am wichtigsten sind. Er schenkt der Meinung anderer wenig Beachtung und verlässt sich lieber auf sich selbst.

  • Kombination aus I___-A

  • intro­ver­tierte und durch­set­zungs­fähige Typen

2. Menschenspezialist

 

Der Menschenspezialist sucht den sozialen Kontakt und tendiert zu äußerst guten Kommunikationsfähigkeiten. Er fügt sich leicht in gesell­schaft­liche Anlässe ein oder in Situationen, in denen er sich auf andere Menschen verlassen muss. Dieser Typ vertraut in seine Fähigkeiten und zögert nicht, seine Meinung kundzutun. Durch die aktive Rolle, die der Menschenspezi in der Gesellschaft einnimmt, will er verstehen, wie andere ticken. Und doch inter­es­siert es ihn nicht wirklich, was andere über ihn denken.

  • Kombination aus E___-A

  • intro­ver­tierte und durch­set­zungs­fähige Typen

3. Stetiger Verbesserer

 

Der stetige Verbesserer ist ein ruhiger, indivi­dua­lis­ti­scher Mensch. Er neigt zu Perfektion, ist Erfolgs-orien­tiert und verbringt viel Zeit und Mühe damit, das beste Ergebnis seiner Arbeit zu schaffen. Wie der Name schon sagt, ist der stetige Verbesserer ein Mensch, der in seinem Handwerk hoch hinaus will. Er tendiert aber auch dazu, sich zu viele Gedanken über sein Auftreten zu machen.

  • Kombination aus I___-T

  • intro­ver­tierte und vorsichtige Typen

4. Sozial Engagierter

 

Der sozial Engagierte neigt dazu, ein ruheloser, perfek­tio­nis­ti­scher Mensch zu sein, der äußerst positive aber auch negative Emotionen erfahren kann. Seine Neugier und sein Arbeitswille zeigen, dass er in der Regel hoch hinaus will – auch wenn er zugleich sehr sensibel ist. Der Typ dieser Strategie tendiert ebenfalls dazu, sehr viel Wert auf die Meinung anderer zu legen; ihm ist sein gesell­schaft­licher Status sehr wichtig und er ist bestrebt, in allem Erfolg zu haben.

  • Kombination aus E___-T

  • extro­ver­tierte und vorsichtige Typen

In folgender Tabelle findest du alle möglichen Kombinationen aus Rolle und Strategie:

Hier siehst du also, dass alle Kombinationen aus Rollen und Strategien möglich sind. Als Analyst kannst du ein stetiger Verbesserer oder auch ein selbst­be­wusster Mensch sein – oder als Wache ein Menschenspezialist oder sozial engagiert.

Was ist Erfolg?

 

Was mein Ergebnis ist, kannst du hier nachlesen, lassen wir aber an dieser Stelle außen vor. Aber ich kann sagen, dass es ins Schwarze getroffen hat. Schweißperlen, Freude, Scham, Stolz – der 16 Personalities Test hat mich durch verschie­denste Gefühlszustände gejagt.

Eine Sache ist mir mit dem Test besonders klar geworden. Ich bin ich. Und nicht jemand, dem ich nacheifere. Ich habe für mich gelernt, dass Erfolg NICHT immer am Ende deiner Komfortzone beginnt, auch wenn das so ein weit verbrei­tetes Mantra ist. Nichts ist absolut. Gar nichts.

Natürlich kann ich mir die genauen Steps von „erfolg­reichen“ Unternehmern ansehen und sie stumpf repli­zieren. Nur wird es nicht zwingend das sein, was mir Freude bereitet. Vielleicht sogar das Gegenteil. Vielleicht sind uns in Wirklichkeit ganz andere Dinge wichtig, als die Million auf dem Konto und in den Augen anderer erfolg­reich zu sein.

Mit diesem Artikel will ich deine Ziele nicht aus dem Weg räumen oder Leistungen unter­graben. Wenn du digitaler Nomade werden willst – geil! Wenn du einen Marathon laufen willst – go for it! Aber lass dir dein Erfolgslevel nicht von anderen in die Tasche quatschen. Und finde dein eigenes Tempo.

Ich meine – was ist überhaupt Erfolg? Wer hat das Monopol auf die Erfolgs-Definition? Erfolg kann bedeuten, einen Porsche vor der Haustür stehen zu haben. Erfolg kann sein, ein toller Vater zu sein. Erfolg können auch deine ersten bei Amazon verkauften Produkte sein. Oder eben die Erkenntnis, dass du lieber weniger arbeitest und verdienst, dafür aber weniger Verantwortung tragen musst.

Keines dieser Beispiele ist besser oder schlechter als das andere – sondern einfach indivi­duell. Wir sollten uns erlauben, Erfolg für uns selbst zu definieren. Wie wir nun wissen, fällt das dem Selbstbewussten und dem Menschenspezialisten ziemlich leicht. Denen ist es nämlich egal, was andere über sie denken.

Work smart, not hard.

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6 Kommentare
  • Max Kienreich
    Veröffentlicht: 18:20h, 15 Oktober Antworten

    Danke für den Beitrag! Sich zu vergleichen ist an sich ja nichts schlechtes, weil es ja auch die Basis zur persön­lichen Weiterentwicklung ist, weil ich mich scheinbar an ein anderes Selbst heran­tasten will. Aber wie du sagst, alles in Maßen, nichts ist in Stein gemeiselt, schon gar kein Mensch. Ich “messe” meine erfolg­reichen Tage seit einigen Jahren daran, ob ich authen­tisch war oder an diesem Tag gegen mich gearbeitet habe. Aber im Endeffekt haben wir so viele Teile und Gesichter, da kann man sich nie gerecht werden – also einfach mal loslassen und nicht streng mit sich sein. Eine distan­zierte, sanfte, ironische Selbstbetrachtung – so kann ich gut. Und nun extra kein Buchtipp sondern ein danke für deine Gedanken. LG aus Ö

    • Bastian
      Veröffentlicht: 21:03h, 15 Oktober Antworten

      Hey Max, dank dir für deinen Kommentar. Du hast Recht, ganz ohne sich zu vergleichen oder zumindest zu Leuten hinauf zu schauen, würden wahrscheinlich die wenigsten ihr Potential ausschöpfen oder überhaupt animiert sein. Es ist wirklich eine Gradwanderung, die einen selbst schnell komplett konsu­mieren kann und dafür selbst ein Bewusstsein zu entwi­ckeln, ist eine Herausforderung. Danke für deine persön­liche Sicht.
      Liebe Grüße zurück aus Panama.

  • Igor
    Veröffentlicht: 01:10h, 25 Oktober Antworten

    Dazu passt dieses Zitat ganz gut:

    Wir müssen einzig­artig sein – eben alles außer gewöhnlich! Denn wer sich ständig mit anderen vergleicht, wird vor allem eines: Gleicher.
    Anja Förster, Autorin.

    • Bastian
      Veröffentlicht: 03:01h, 25 Oktober Antworten

      Amen 🙂

  • Stephan
    Veröffentlicht: 10:48h, 08 November Antworten

    Hallo Bastian,
    ein sehr gelun­gener Artikel!
    Ich finde besonders den ersten Teil spannend, in dem du über das Vergleichen schreibst. Wenn ich dir auf Instagram etc. in den letzten Wochen gefolgt bin, waren da schon einige Aufnahmen aus der Karibik dabei, die mich neidisch gemacht haben.
    Da hab ich mir dann gedacht: Toll, so könnte mein Leben auch aussehen.
    Und dann schreibst du, dass du selber noch zu anderen aufschaust und doch nicht alles so toll ist, wie es immer aussieht. Das hat mich dann wieder etwas beruhigt 😉

    Sehr erfri­schend finde ich auch den Kommentar zum Überperfektionieren. Wenn ich nun mal kein Frühaufsteher bin, bringt mir der Wecker um 4:30 Uhr gar nix. Das sehe ich genauso wie du.

    VG
    Stephan

  • Miriam
    Veröffentlicht: 12:21h, 08 November Antworten

    Hej Bastian,

    sehr guter Artikel! Genau damit beschäftige ich mich auch gedanklich seit langer Zeit. Du bringst zwar nicht so häufig Artikel raus, aber gerade das find ich gut. Und die, die rauskommen, beschäf­tigen mich meistens auch gerade :).

    Interessant fand ich den Persönlichkeitstest. Ich bin laut Test ein “Advokat” “Menschen vom Persönlichkeitstyp des Advokaten sind sehr selten und machen weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus.” Na toll :D, haha. Aber ja, so habe ich mich immer gesehen: ein bisschen anders.

    Du sagst von dir, dass du etwas sprunghaft bist und schnell mit den Gedanken woanders, weil du neue Ideen hast. Vielleicht bist du ja auch ein “Scanner” :). Dazu gibt es auch gute Tests im Internet und mir haben die Ergebnisse die Augen geöffnet. Nicht, dass sich danach großartig etwas ändert, aber man weiß besser damit umzugehen und kann sich selbst besser verstehen. Mir hat es jeden­falls geholfen.

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