Sicherheit als Angestellter ist ein Mythos…

Wenn ich mit anderen über meine Art und Weise der Arbeit spreche, sagen mir die meisten häufig, sie könnten nicht mit der Unsicherheit als Selbstständiger umgehen. Sie bräuchten die Sicherheit, dass am Ende des Monats Geld aufs Konto kommt. Aber Sicherheit und sicheres Gehalt? Leider ist das auch als Angestellter nur eine Illusion.

Spätestens seit der Finanzkrise 2008 sollte jeder verstanden haben, dass es so etwas wie Jobsicherheit, wie es die Generation zuvor kennen­ge­lernt hat, nicht mehr gibt. Im Gegensatz zu unseren Müttern und Vätern, ist die Wahrscheinlichkeit schwindend gering, dass wir ein Arbeitsleben lang in demselben Unternehmen arbeiten werden. Dennoch bereitet man uns unsere gesamte schulische und weiter­füh­rende Ausbildung in der Regel darauf vor, einen Beruf in einer abhän­gigen Beschäftigung zu finden. Es gibt quasi keine Studiengänge, die dich auf eine Selbstständigkeit vorbe­reiten.

Wie es beginnt…

 

Wenn wir „ausge­bildet“ sind, fangen wir in der Regel direkt an zu arbeiten. Du bist dann zwischen 20 und 25 Jahre alt – je nachdem, ob du eine Berufsausbildung oder ein Studium hinter dir hast. Die ersten Jahre arbeitest du fleißig in deinem Job, festigst deine Position im Unternehmen. Vielleicht wechselst du nach einigen Jahren zu einer anderen Firma, um an deinem Lebenslauf zu feilen, steigst die Karriereleiter auf und wirst irgendwann sogar Abteilungsleiter.

Mit 40 hast du dann den Eindruck, fest im Sattel zu sitzen, hast dich sesshaft gemacht und dir vielleicht ein Haus gekauft. Abzahlen musst du es zwar noch, aber das ist kein Problem. Schließlich hast du einen festen Job mit sicherem Einkommen, stimmt’s?

Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.”
Benjamin Franklin

Dass Sicherheit eine Illusion ist, weißt du als Selbstständiger. In einem Business kann alles Mögliche passieren, dass nicht in deiner Hand liegt. Ein Kunde geht plötzlich pleite und das Geld für getane Arbeit bleibt aus, oder ein Kooperationspartner hält sich nicht an Termine und du kannst eine Deadline nicht einhalten.

Endlose Szenarien könnten hier beschrieben werden. Genau wie auch im echten Leben, ist in der Selbstständigkeit nicht alles vorher­sehbar. Solche Dinge passieren. Und sie können jedem Unternehmen passieren. Moment, wo arbeitest du noch gleich? In einem Unternehmen, oder? Der entschei­dende Unterschied ist, als Selbstständiger lernst Du damit umzugehen. Du stellst dich darauf ein, dass nichts sicher ist. Und das ist deine Stärke! Du lernst Skills, die du hinterher bei so gut wie jeder selbst­stän­digen Tätigkeit anwenden kannst. Facebook Marketing? Check. Domain regis­trieren? Check. Keyword Recherche? Check. Egal in welcher Branche. Der Friseur um die Ecke oder die Unternehmensberatung die Straße runter. JEDER braucht in Zukunft etwas Online know how um gefunden oder gebucht zu werden, oder schaut schon sehr bald in die Röhre.

Sagen wir du hast BWL studiert und hast einen guten Job bei PwC. Warum auch immer wechselst du das Unternehmen. Freiwillig oder unfrei­willig. Nun arbeitest du zwar wieder als bspw. Controller und hast an sich das Skill Set, dass du für den Job brauchst. Hast du ja alles in der Uni gelernt. Theoretisch. Aber nun bei Boston Consulting sind die internen Abläufe völlig anders. Und du fängst quasi wieder von der Pike auf an. Sofern du das Glück hattest, einen neuen Arbeitgeber zu finden.

Mach dich nicht abhängig…

 

Damit man eben nicht, wie viele andere planlose Kurzzeit-Selbstständige schnell beim Amt für Grundsicherung anklopft, ist es unabdingbar sich Optionen zu schaffen. Wie? Setze niemals alles auf eine Karte! Baue dein Business so auf, dass du nie von nur einem Kunden abhängig bist. Siehe zu, dass du mit keinem Kunden mehr als 20 % deines Umsatzes machst. Kommt der sicher geglaubte 100 %ige Auftrag doch nicht rein, ist das kein großes Drama, da du noch andere Kunden oder Standbeine hast.

Als Angestellter aller­dings, hast du nur einen Kunden – deinen Chef. Und von ihm machst du dich zu 100 % abhängig. Wenn dein Chef einmal der Meinung ist, dass du deinen Job nicht mehr gut machst, dann war’s das mit der Sicherheit. Mal den Job zu verlieren ist keine große Nummer solange man noch relativ jung ist. Manchmal kann das auch eine Chance sein, mal etwas ganz anderes auszu­pro­bieren, was ich jedem grund­sätzlich auch nahe lege.

Aber nehmen wir mal an, Du hast die 40 überschritten, musst noch 27 Jahre ran und willst gar nicht wechseln. Nicht umsonst hast du dein Haus in der Nähe der Firma gebaut, deine Kinder auf die nahege­legene Schule geschickt. Du willst also nicht weg, aber was tun? Dein einziger Kunde – Dein Chef – hat keine Lust mehr auf dich, will frischen Wind und jüngere Arbeiter ins Unternehmen bringen oder was auch immer. Im besten Fall bekommst du eine Abfindung von zwei Monatslöhnen, so dass du dir während der Bewerbungsphase noch keine Sorgen machen musst. Feiner Zug vom Chef. Du suchst dir also einen neuen Job in der Nähe. Den bekommst du leider nicht und das nächst­beste Jobangebot ist 100km entfernt. Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen…

Deine Optionen als Angestellter

 

Nicht jeder muss sich selbst­ständig machen. Und nicht jeder ist dafür gemacht.

(Kleine Nebeninfo: In den meisten Ländern der Welt gibt es keine Sozialhilfe, weshalb jeder der keinen regulären Job hat, gezwun­ge­ner­maßen “selbst­ständig” ist. Also kann durchaus jeder selbst­ständig sein. Das nur am Rande.)

Außerdem kann es ja durchaus sein, dass dir dein Job Spaß macht und du nie Probleme mit deinem Chef bekommst. Das würde mich ehrlich für dich freuen. Aber zumindest ein kleines Sicherheitsnetz in das du fällst wenn der schlimmste Fall mal eintritt, wäre eine Überlegung wert. Ich denke, jeder sollte darauf achten, sich langfristig Optionen zu schaffen und mit zuneh­mendem Alter nicht alles auf eine Karte zu setzen – egal ob als Angestellter oder Selbstständiger.

Es ist nie verkehrt einen Ausweichplan zu haben. Beantworte für dich die Fragen: Was mache ich, wenn ich meinen Job verliere? Mit welchen meiner Hobbies, meiner Stärken oder meiner Leidenschaften könnte ich Geld verdienen? Bau dir dein Sicherheitsnetz frühzeitig auf, nicht erst wenn du es brauchst.

There’s a diffe­rence between knowing the path and walking the path.”
Morpheus (Matrix)

Wir sind heutzutage in der wirklich privi­le­gierten Lage, leicht testen zu können, was als Business funktio­niert und was nicht. Durch das Internet gibt es heute jede Menge Möglichkeiten, sich auszu­pro­bieren und sich neben dem Job etwas aufzu­bauen. Zu Beginn wirst du wahrscheinlich nur wenig oder sogar gar kein Geld dabei verdienen, aber darum geht es erstmal nicht.

Es geht darum, zu lernen was dir Spaß macht, was funktio­niert und was nicht und sich über die Zeit nebenher etwas aufzu­bauen. Probiere Verschiedenes aus. Für viele Geschäftsideen brauchst du weder viel Geld noch musst du deinen jetzigen Job kündigen. Nur Zeit musst du inves­tieren. Deine Freizeit… Denn auch eine 1-Million-Dollar-Idee bleibt nur eine Idee, wenn sie nie den Weg aus deinem Kopf in die Realität findet.

Sicherheit ist nur ein Luftschloss und es lohnt sich, es zu verlassen. Versprochen.

Work smart, not hard.

Check it out!

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6 Kommentare
  • Andrea
    Veröffentlicht am 04 Mai 2015 um 20:39 Uhr Antworten

    Hey Bastian,

    bin gerade über deinen Blog gestolpert und fühle mich sofort heimisch! Sehr cool, was du hier auf die Beine stellst!

    Ich traf kürzlich einen jungen Mann, kurz vor 30, der mir sagte, dass er sich gerade nach einem sicheren Job umsehe damit er endlich was für seine Rente tun könnte. Als ich ihm sagte, er solle sich verab­schieden von der Idee, jemals Rente zu erhalten und doch sein eigenes Ding auf die Beine stellen, ist ihm fast das Gesicht runter­ge­fallen… Leider ist das Bewusstsein, dass es sowas wie Sicherheit gar nicht gibt, noch nicht überall vorhanden.
    Ich musste das erst vor zwei Wochen lernen, als mein Freund seinen “sicheren” Arbeitsplatz einfach mal so verloren hat.

    Aber zum Glück sorg(t)en wir vor 🙂

    Liebe Grüße
    Andrea

    • Bastian
      Veröffentlicht am 04 Mai 2015 um 20:49 Uhr Antworten

      Hi Andrea! Ich freue mich ungemein über den ersten Kommentar unter diesem Artikel, der mir viel bedeutet. Danke. Tja, aufgrund der demogra­phi­schen Entwicklung wird jemand der heute mit 30 anfängt zu arbeiten (bin jetzt auch 30), kaum mehr Rente rausbe­kommen, als die Grundsicherung beträgt und da fährt man in der Tat viel “sicherer”, sich bis dahin unter­neh­me­risch was auf die Beine zu stellen, statt sich Jahrzehnte lang die private Altersvorsorge vom Mund abzusparen und damit eine weitere regel­mäßige Verpflichtung zu haben. Schade, dass all die Leute die all die Träume bis zur Rente aufschieben, noch nicht geschnallt haben, dass sie bis dahin weder die Vitalität, noch die finan­zi­ellen Mittel dazu haben…

  • Zeenat
    Veröffentlicht am 05 Mai 2015 um 20:19 Uhr Antworten

    Wie es sich für mein Leben so gehört, wurde mir gerade durch Zufall dein Blog wortwörtlich unter die Nase gehalten. Meine Mutter hat nur die ersten Zeilen gelesen und war direkt der Meinung, den MUSS ich lesen. Mein Denken und Handeln ist geprägt von dem Gefühl, das kann doch nicht alles sein. Ich will mich auspro­bieren, Dinge tun, die mir Spaß machen, mir Zeit für das nehmen, wozu ich gerade Lust habe. Ich habe schon tausend Dinge angefangen, von einer Tretmühle zur anderen. Ins Hamsterrad und wieder zurück. Ich will frei sein. Unabhängig. Das Wetter genießen. Und deswegen habe ich office­flucht nicht wegge­klickt. Denn du sprichst meine Sprache. Danke dafür. Und ich werde mit Spannung lesen, welche Möglichkeiten es auch für mich gibt. Mach dich darauf gefasst, mit Fragen gelöchert zu werden ☺
    Bis ganz bald
    Zeenat

    • Bastian
      Veröffentlicht am 05 Mai 2015 um 20:40 Uhr Antworten

      Wow Zeenat. Danke für deinen Kommentar. Für Leute wie dich mache ich das hier und es ist toll zu hören, dass es auch Eltern gibt, die diese kritische Sichtweise nicht verur­teilen, sondern Officeflucht sogar ihren Kindern empfehlen! Wie du vielleicht in der Rubrik “Über mich” gelesen hast, ging es mir lange Zeit ähnlich und der Schlüssel ist einfach, sich nicht krampfhaft, so wie man es uns in der Schule beibrachte, auf EINEN Job oder EINEN Weg zu beschränken. Denn genauso wie wir selbst uns weiter entwi­ckeln, tun das auch unsere Interessen, unsere Fähigkeiten, unser Charakter. Wenn man wirklich glücklich sein will, muss man das Leben stets sich anpassen und nicht sich dem Leben. Wer weiß schon was die Zukunft bringt? Nimm dir unbedingt die Zeit die Dinge zu tun, auf die du Lust hast. Und wenn das für eine Weile Kokosnüsse pflücken in der Karibik ist. Ich bin mir sicher, dass man damit sorgen­freier ist, als hier 40 Jahre in einem Job zu versauern, der einen jeden Tag fertig macht.

      Ich freue mich, dass du dabei bist und ich werde dir hier in Zukunft verschie­denste Möglichkeiten aufzeigen, mit denen du dir ein selbst­be­stimm­teres Leben aufbauen kannst. Ich sag nicht, dass das keine Arbeit ist, aber es ist eine die sich auszahlt!

      Beste Grüße
      Bastian

  • Martin
    Veröffentlicht am 11 Mai 2015 um 12:39 Uhr Antworten

    Hey Bastian,
    ich stimme voll zu, was du in der Artikel geschrieben hast.
    Ich bin jetzt anfang 20 und wusste irgendwie immer, dass einen Job in einem Unternehmen nicht für mich geeignet ist. In einem Office, jeden Tag 8 Stunden zu arbeiten und zwar für jemanden anderen bringt kein Spaß, besonders wenn man auch keine Ergebnisse von seiner Arbeit direkt sieht. Komplett anders ist es, wenn ich weiß, dass durch meine Arbeit ich selber wachsen werde. Das motiviert mich auch mehr. Meine Familie denkt genau anders und die versuchen auch mit ihrer Meinung mich zu beein­flussen. Einen Karriereleiter Job ist einfacher. Man weisst, nach 17 Uhr, dass man schon frei ist und kann alles machen was man will.
    100% sicher ist aber nichts. Natürlich aber, wenn deinen Lebenslauf gut ist, dann die Chancen für gute Arbeit größer werden. Was bringt das aber, wenn auf meinen Lebenslauf steht, dass ich 3 Jahren für eine Firma, 2 für eine andere und so weiter. Kommt man irgendwann von da raus? Glaube ich nicht.
    Im Gegensatz ist die Selbstständigkeit auch nicht einfach. Das Business könnte nicht gut laufen. Man könnte am Anfang keine Kunden finden etc. Ich finde, dass Flexibilität auch wichtig ist, wenn man bereit ist für sein Business extra Geschirr spülen zu gehen, um was dafür zu verdienen irgendwann, wird man erfolg­reich oder?

    • Bastian
      Veröffentlicht am 11 Mai 2015 um 18:15 Uhr Antworten

      Hey Martin,
      dank dir! Es ist toll, wenn du jetzt schon weißt, dass du nicht beruflich sesshaft werden möchtest. Dennoch spricht nichts dagegen, dich mit noch 20 Jahren beruflich in verschie­denen Dingen auszu­pro­bieren, die dir vielleicht Skills vermitteln, die dir im ortsun­ab­hän­gigen Leben hilfreich sein können. Wenn du aller­dings schon weißt, in welche Richtung es bald gehen soll, dann lies alles dazu was du kannst. All das Wissen der Menschheit ist schon irgendwo in den Weiten des Internets zu finden und es gibt auf deinem Weg nichts Wichtigeres, als täglich dazu zu lernen. Vor 5 Monaten hatte ich z.B. null Ahnung, wie man eine Website aufbaut oder wie WordPress funktio­niert. Das Ergebnis siehst du ja jetzt hier.

      Bzgl. der Familie: Ich weiß, dass es schwer ist dafür Verständnis zu bekommen, denn meine Familie versteht es genau so wenig und das hört man von fast jedem, der diesen Weg einge­schlagen hat. Aber nimm dir das nicht zu Herzen. Vor 10 Jahren war dieser Lifestyle noch so gut wie unmöglich und es ist einfach ein Generationskonflikt. Die Welt verändert sich und das hat sie immer. Nur momentan mit größeren Auswirkungen, als deine Eltern vielleicht verstehen können. Lass sie doch ruhig einmal diesen Artikel lesen und sehen, was sie dazu sagen. Ich habe schon Nachrichten bekommen von jungen Leuten, die mir erzählten, dass ihre Eltern sie auf Officeflucht aufmerksam gemacht haben…

      Und zu deinem letzten Abschnitt: Ein Lebenslauf ist nur ein Stück Papier. Erstens gibt es kaum Normalsterbliche da draußen, die noch nie beim Lebenslauf etwas geflunkert haben und zweitens ist das Leben unvor­her­sehbar. Eine Lücke darin bedarf keiner Entschuldigung. Und ich denke, dass Angestellte heutzutage regel­mäßig den Job wechseln hat nicht immer mit zusätz­licher Qualifikation zu tun, sondern damit, dass sie in ihren Schranken ebenso versuchen, Abwechslung zu finden, statt da raus in die Welt zu gehen und wirklich Abenteuer zu erleben.

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