Warum Kündigen nicht immer das Richtige ist…

Wenn du viele Digitale Nomaden- und Entrepreneurship Blogs liest, dann hast du sicher schon gemerkt, dass den Job zu kündigen über alle Maßen glori­fi­ziert wird. Zugegeben, auch von mir. Aber es sieht eigentlich so aus…

Auch wenn mein Blog „Officeflucht“ heißt, bin ich nicht der absolute Job-Gegner.

An sich finde ich es sogar völlig in Ordnung wenn jemand einen normalen Job ausübt, wenn es das ist, was ihn oder sie glücklich macht. Nur mich macht es eben nicht glücklich. Sicherlich macht die Arbeit bei Firmen wie z.B. Google oder Facebook jede Menge Spaß. Ich mache mir nur eben gar nichts aus einer typischen „Karriere“, dafür aber jede Menge aus Autonomie. Ich kann aber definitiv auch die Vorzüge darin erkennen für jemanden zu arbeiten, als selbst der eigene Boss zu sein.

Glücklicherweise habe ich beide Seiten erlebt. Richtig. Glücklicherweise. Denn das größte Dilemma ist doch für die meisten Menschen, nicht zu wissen was sie wollen. Im Ernst, wer weiß das schon? Ich wusste es auch nicht – und bin genau deswegen glücklich, die Erfahrung als Angestellter gemacht zu haben. Weil ich dadurch weiß, was ich NICHT will. Und das ist viel wichtiger wenn du mich fragst.

Die Wahrheit ist, es gibt genau so Tage an denen ich null Lust habe, für mich selbst zu arbeiten. Arbeit bleibt Arbeit und Müßiggang ist immer verfüh­re­risch und bittersüß zugleich, da man beim eigenen Business irgendwie immer die Verpflichtung verspürt, produktiv sein zu müssen. Ich verbringe eigentlich jeden Tag zum Großteil am Laptop. Und wenn ich am Wochenende diesen zu lassen müsste, fühlte es sich an als hätte man mir eins meiner Gliedmaßen abgetrennt.

Es ist wie die Geschichte mit der roten Königin aus Alice im Wunderland. In ihrer Welt muss man stets rennen, um überhaupt an der gleichen Stelle zu bleiben. Und irgendwie trifft das auf uns alle auch zu.

If you’re still chasing your dream you’re not running fast enough”
Sean P.Diddy Combs

So sitze ich grade an einem Samstag Abend mit einem großen Glas Rotwein am Laptop und tippe diese Zeilen aus einem Pflichtgefühl mir und dir gegenüber, dass ich diese Woche noch einen Artikel bringen muss.

Unterm Strich können also beide Seiten mal toll und mal weniger toll sein. Jedenfalls dachte ich mir, bei all dem Kündige deinen Job/werde digitaler Nomade/Reise um die Welt Gerede da draußen, erläutere ich dir mal meine Perspektive der Pro’s und Contra’s eines Angestelltenjobs gegenüber der Selbstständigkeit.

Vorteile als Angestellter

 

Ein Vorteil als Angestellter ist natürlich, dass man dazu kommt Dinge zu tun, die man sonst nicht tun könnte. Ich habe ursprünglich eine Ausbildung zum Hotelfachmann in einem 5 Sterne Superior Hotel auf der Düsseldorfer Königsallee gemacht.

Auch wenn die Arbeit hart, lang und unglaublich schlecht bezahlt war, so hab ich dort doch wirklich tolle Dinge miter­leben dürfen. Vom Lamborghinis und Rolls Royce parken, bis hin zu riesigen Gala Dinners und Modenschauen, bei denen die 10-stöckige Atriumswand als senkrechter Laufsteg für sich absei­lende Models diente. Und das ist bei Weitem nicht alles. Ich weiß, was Madonna zum Frühstück für Müsli mag, wie Eva Longoria ungeschminkt aussieht, wie klein Tom Cruise wirklich ist und welche Sternchen ihrem positiven Image leider gar nicht gerecht werden.

Es ist eine Zeit, die ich absolut nicht missen möchte. Aber ebenso wenig würde ich heute noch gern mindestens 10 Stunden am Tag für einen Lohn arbeiten, bei dem nach der Miete nicht viel übrig bleibt.

Natürlich beruhigt einen ein stetiges Einkommen, mit dem man monatlich rechnen kann. Jedoch verdient man als Angestellter in der Regel grade soviel, dass man davon leben kann und grade so wenig, dass man sich nicht erlauben kann aufzu­hören. Die Einkommen der erfolg­reichsten Angestellten sind verschwindend gering im Vergleich zu den Einkommen der erfolg­reichsten Unternehmer.

Man sagt auch J.O.B. ist ein Akronym für Just Over Broke.

Nachteile als Angestellter

 

Sich auf nur eine Einkommensquelle zu verlassen ist auch als Angestellter nicht nur riskant, sondern verdammt naiv. Insbesondere wenn man den Job eigentlich nichtmal gern macht, oder gar miese Kollegen hat.

Es ist immer leichter einen Schlussstrich zu ziehen und sich Selbstständig zu machen, wenn man nur Verantwortung für sich selbst trägt. Aber wenn man für eine Familie sorgen muss, denkt man natürlich stets an die Verantwortung und Verpflichtung die man ihr gegenüber trägt. Und das hält einen leider oft zurück, was verständlich, aber nicht unbedingt richtig ist.

Das Traurige ist, dass dem Konzern der aus rein wirtschaft­lichen Interessen handelt, völlig egal ist, ob grade Kind Nummer 3 auf dem Weg ist und die Hypothek und die Zahnspange vom Sohnemann gezahlt werden müssen. Der regel­mäßige Gehaltsscheck kann schon nächste Woche Geschichte sein.

Man ist stets von der Gnade und Willkür des Chefs abhängig, sowohl was Beförderungen, Gehaltserhöhungen und eben auch Entlassungen angeht.

Bisher hatte ich meist Glück mit meinen Chefs, hatte bei meiner letzten Stelle sogar einen Firmenwagen, den ich privat nutzen durfte, konnte mich übers Gehalt nicht beklagen und es herrschte ein angenehmes Arbeitsklima. Dennoch hat es mich gelinde gesagt zermürbt.

Oft wird man eben dafür bezahlt, Dinge zu machen die einem mehr als scheißegal sind. Wenn ich nach etwa 8 Stunden den Rechner runter fuhr, breitete sich jede Woche mehr ein Gefühl der Belanglosigkeit aus, dass sich nicht mehr abschütteln ließ. Und ich denke genau das ist es, was den meisten Leuten an ihrem Job so zusetzt – dass das beruf­liche Schaffen für einen keine Bedeutung hat. Das schlimmste Gefühl ist, wenn sich Monotonie und Gleichgültigkeit breit machen und sich zu einer gefühlt unauf­halt­baren Abwärtsspirale formen.

Vorteile als Selbstständiger

 

Der beste Teil daran ein eigenes Business zu haben, ist neben der Freiheit, das Geld das sich dabei poten­ziell verdienen lässt. Egal ob man viel mehr verdienen möchte als im Job, oder sich mit genau so viel zufrieden gibt wie zuvor und statt­dessen mehr Zeit zur Verfügung hat, du ziehst selbst die Fäden.

Ungleich dem Job bei dem du ein konstantes Einkommen und eventuell jährlich eine unerheb­liche Gehaltserhöhung bekommst, ist der Betrag den du selbst erwirt­schaften kannst, propor­tional zu der Arbeit die du reinsteckst. Und deshalb liebe ich es selbst­ständig zu sein!

Als Angestellter verdienst du in etwa immer das Gleiche, wenn du nach der Ausbildung und ein paar Jahren Berufserfahrung erstmal ein gewisses Einkommenslevel erreicht hast. Egal ob du auf der Arbeit chillst und nur Dienst nach Vorschrift machst, oder ob du dir komplett den Arsch aufreisst. Die Früchte deiner Arbeit erntest nicht du, sondern die Firma. Außer du bist selbst die Firma.

Selbstständig zu sein lehrt dich, wie du ein Unternehmen führst, wie man verkauft und ohne die Hilfe einer Firma unabhängig Geld verdient. Nicht nur stärkt es das eigene Selbstbewusstsein etwas zu produ­zieren, dass man vorzeigen kann, dass andere toll finden und auf das man stolz ist. Es verändert das Leben.

Denn wenn ich morgen alles verliere, kann ich selbst­be­wusst sagen, dass ich mich auch wieder zurück an den Punkt arbeiten kann, an dem ich jetzt stehe. Warum? Weil ich jetzt weiß wie es geht, weil mich die Selbstständigkeit gelehrt hat, wie ich mir etwas aufbaue und wie ich etwas vermarkte. Ich habe Skills erlernt, die mir bisher kein Job beigebracht hat.

Und genau deshalb schaffen es viele Leute die gekündigt werden und keinen neuen Job finden, von alleine nicht wieder auf die Beine. Die gleichen Leute die in einem großen Konzern mit Infrastruktur glänzen, verlieren ihren Glanz außerhalb dieser Umgebung und verbleiben oft hilflos.

Mein eigenes Business hat mich auch gelehrt, mit einem Minimum auskommen zu können wenn es nötig ist und ungleich einem Gehalt, kann mein Einkommen nicht über Nacht komplett weg brechen, weil ich nicht gefeuert werden kann.

Nachteile als Selbstständiger

 

Jetzt erstmal Schluss mit der Beweihräucherung. Hier kommen die miesen Aspekte der Selbstständigkeit.

Ich bin völlig abhängig von meinem Smartphone. Es vergeht kaum eine viertel Stunde, bis ich wieder mein Handy nach Benachrichtigungen checke, selbst wenn es keinen Ton von sich gegeben hat. Es grenzt fast an Paranoia. Ich denke unentwegt an Kunden, an Leser und an Freelancer, denen ich etwas aufge­tragen habe. “Hoffentlich machen sie es vernünftig. Hab ich eigentlich schon X zurück geschrieben? Ist die Rechnung schon raus? Irgendwas war da noch…”

Es fällt mir schwer, komplett zu entspannen und mal nichts zu tun. Das könnte natürlich ein Wesenszug von mir sein, aber ich weiß, dass es früher nicht so war. Ich sorge mich, weil ich der Chef bin. Meine Arbeit macht mir wirklich Spaß, weshalb ich dabei nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt „Feierabend“ machen muss. Aber es ist eben kein Dienst nach Stechuhr.

Einfach Urlaub machen ohne schwach zu werden meine Sales regel­mäßig zu checken und sich zu verge­wissern, dass alles glatt läuft? Kaum möglich. Vorher würde ich wohl wahnsinnig (aller­dings hab ich mir vorge­nommen in 2016 mal zumindest für 2-3 Wochen auf digitalen Entzug zu gehen). Aber dafür kann man mit einem Online Business dort arbeiten, wo andere Urlaub machen.

Es ist so. Weil ich einen öffent­lichen Blog schreibe, bei dem es um das geht was ich tue, fühle ich mich verpflichtet es auch weiterhin öffentlich zu dokumen­tieren. Und es ist eine Herzensangelegenheit. Ich habe noch Großes mit Officeflucht und auch meinen anderen Unternehmungen vor.

Manchmal liegt man nachts im Bett und fragt sich, wohin es noch gehen soll, wie viel Geld genug ist und wie viel man dafür tun müssen sollte. Soll man Wachstum nur des Wachstums wegen anstreben? Oder sich auch einfach mal zurück lehnen und an dem erfreuen, was man hat? Das ist die Falle in der sich viele Entrepreneure eines Tages wieder­finden. Sie pushen ihr Business nur für das Wachstum, aus Stolz und dem Anspruch etwas riesiges erschaffen zu müssen. Und am Ende ist es ein Business, dass all ihre Zeit auffrisst.

Wenn erstmal das Einkommen die Lebenskosten deckt, ist der schwerste Teil am eigenen Business nicht zuzulassen, dass es dein Leben bestimmt. Die als Angestellter oft als Farce empfundene Work-Life-Balance wird so tatsächlich zum Thema.

Fazit

 

Wenn du mich fragst ob du deinen Job kündigen sollst, um dein eigenes Ding zu starten, dann kann ich das nicht pauschal beant­worten. Es hängt natürlich von deiner Idee und deinem Sparschwein ab. Wenn du dich ein halbes Jahr über Wasser halten kannst UND ausrei­chend Geld übrig hast, um dein Business zu starten, dann GO FOR IT. Die Zeit die dir dein Job wegnimmt, kannst du so direkt in dein eigenes Ding inves­tieren. Worauf wartest du?

Aber wenn du keine Rücklagen hast, dann kündige auch nicht! Denn erstens sind deine Chancen SOFORT etwas zu erschaffen von dem du leben kannst ziemlich bescheiden und zweitens kann man heute auch wunderbar neben dem Job etwas starten. Statt nach der Arbeit bis zum Einschlafen Netflix zu gucken, könntest du statt­dessen easy eine eigene Airbnb Bude an den Start bringen, das ein oder andere lebens­ver­än­dernde Buch lesen, oder bei einem Bier auf der Couch einen Online Kurs zu einem Thema das dich inter­es­siert durch­ziehen.

Es gibt viele Vor- und Nachteile einer Selbstständigkeit und man kann auch als Angestellter durchaus ein glück­liches Leben führen. Aber wenn das bei dir der Fall wäre, würdest du grade keinen Artikel auf einer Seite namens Officeflucht lesen, oder?

Work smart, not hard.

Check it out!

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20 Kommentare
  • Michael | Sidepreneur.de
    Veröffentlicht am 04 Oktober 2015 um 10:40 Uhr Antworten

    Hi Bastian,
    sehr sehr cooler Artikel. Schön, dass du beide Seiten einmal beleuchtest, auch wenn du deine Entscheidung schon getroffen hast! 🙂
    Und in den meisten Fällen wird ja aus einem neben­be­ruf­lichen Business dann die Officeflucht!

    Viele Grüße und bleib dran. Macht sehr viel Spaß hier von dir zu lesen! Gute Arbeit!

    Viele Grüße,
    Michael

    P.S.: Vielen Dank für den Hinweis auf die FB-Gruppe!

  • Robert
    Veröffentlicht am 04 Oktober 2015 um 11:14 Uhr Antworten

    Hi Bastian,
    Da hast du so Recht. Ich lebe derzeit in einer Mischwelt (3-Tage Corporate und den Rest mein Ding) was für mich die Ideal-Vorstellung im Moment ist. Ich ziehe Vorteile aus Beidem, aber merke auch die Nachteile (wenn du Fotos aus Bali zeigst ;-))

    Ich denke das die Zukunft für alle die nicht kündigen möchten/ können/ wollen in der Workation liegt. Das wird mein Steckenpferd ab demnächst sein.

    Viele Erfolg bei deinem Workshop in Berlin.

    Viele Grüße
    Robert

    • Bastian
      Veröffentlicht am 05 Oktober 2015 um 16:53 Uhr Antworten

      Hey Robert,
      dank dir für deinen Kommentar. Immerhin bist du schon auf halbem Weg, was ja schon echt cool ist.

      Für Marokko ist in den ersten 2 Märzwochen eine Workation geplant. In Taghazout. Insider Surfer Tipp und sehr gemütlich und idyllisch gelegen.
      Ich habe dafür auch eine Sahara Tour organi­siert. Zu “echten” Nomaden 😉 Details folgen. Cool wenn du dabei wärst.

      Beste Grüße

  • Sophie
    Veröffentlicht am 04 Oktober 2015 um 14:12 Uhr Antworten

    Hi Bastian,

    eine schöne Zusammenstellung hast du da geschrieben!

    Ja, als Angestellter inves­tiert man viel Zeit in Dinge, die einem womöglich total egal sind. Aber am Wochenende oder im Urlaub hat man im Normalfall auch einfach seine Ruhe. Als Selbstständiger fühlt man sich rund um die Uhr für sein Business verant­wortlich und kann es sich auch nicht wirklich leisten krank zu sein. Man ist oft wesentlich unent­spannter und gönnt sich wenig Freiräume, hängt letzt­endlich doch sehr viel am PC rum…

    Ich habe Anfang des Jahres meinen Job gekündigt, ohne Plan B. Ich wusste, dass ich den radikalen Cut brauche, um aus dem Tee zu kommen (Sidepreneurship wäre einfach nichts für mich 🙂 ). Gerade mache ich mich selbst­ständig und vermisse manchmal die Wochenenden, an denen ich einfach nur die Seele baumeln lassen konnte…

    Mir ist klar, dass die nächste Zeit auch viel Kraft und vor allem Zeit kosten wird. Andererseits versuche ich mir immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, wofür ich diesen ganzen Quatsch mache. Wir haben so viele Stunden als Angestellte in irgend­welchen Büros verbracht, die uns unsere Träumen keinen Schritt näher gebracht haben. Haben einfach nur Zeit gegen Geld getauscht. Jede Minute, die ich jetzt am Rechner sitze, trägt nachhaltig dazu bei, dass ich mich selbst verwirk­lichen und so leben kann, wie ich es mir wünsche. Und wenn sich die Hälfte der Aufgaben nichtmal wie Arbeit anfühlen, weil man sie einfach gerne macht, ist das doch Premium…

    Alles Liebe,

    Sophie

    • Bastian
      Veröffentlicht am 05 Oktober 2015 um 17:06 Uhr Antworten

      Hey Sophie,
      dank dir vielmals.
      Du hast schon Recht, aber eigentlich finde ich es auf der anderen Seite auch traurig, dass man nach Feierabend keine Ziele mehr gezielt verfolgt hat. Da hat man den Kopf einfach abgeschaltet. Wenn ich mein Leben als Angestellter mit meinem jetzigen vergleiche, muss ich ehrlich sagen, dass man im Betrieb regel­recht verdummt ist. Selbst wenn die Arbeit anspruchsvoll war und einen gefordert hat, wurde über jene Thematik hinaus der Horizont nicht erweitert.

      Stattdessen hat man immer bloß dem Feierabend entgegen geeifert. Jetzt sind wir so autonom auch mal ne Runde in die City zu fahren wann wir wollen, oder den Arzt Termin so zu legen, dass wir ausschlafen können wohin­gegen man vorher um Erlaubnis fragen musste. Ich stelle mir nur selten den Wecker und werde gegen 8 Uhr von alleine wach. Dann geht’s erstmal zum Sport und gegen Mittag fange ich mit der Arbeit an. Dafür dann manchmal aber auch bis zum späten Arbeit. Keinem mehr Rechenschaft schuldig zu sein ist für mich der größte Lohn. Und jede Minute die wir in unsere Arbeit stecken, ist es wert.

      Premium 😉

      • Sophie
        Veröffentlicht am 06 Oktober 2015 um 10:17 Uhr Antworten

        Ja du hast Recht, dieses “Abschalten” ist super­schade und hat sich bei mir auch im Kollegium wider­ge­spiegelt. Es gab wenige, die außerhalb ihres Jobs wirklich für etwas gebrannt haben oder einfach mal etwas Neues erzählen konnten.

        Andererseits heißt Ziele verfolgen nach Feierabend ja auch nicht immer, dass man damit Geld verdienen muss, sondern, dass man einfach mal wieder ein neues Lied auf der Gitarre lernt oder so. Für solche Dinge räume ich mir gerade selbst zu wenig Zeit ein, obwohl ich sie brauche, damit es mir gut geht. Aber da muss ich vielleicht noch den richtigen Rhythmus finden 🙂 Andererseits hat mir im 9to5-Modus auch oft die Energie dazu gefehlt. Also wie wir’s drehen und wenden: Mein eigener Chef zu sein ist für mich doch die bessere Option 🙂

  • Stefan
    Veröffentlicht am 04 Oktober 2015 um 20:43 Uhr Antworten

    Hallo Bastian, sehr guter Artikel, der die Vor- und Nachteile gut illus­triert. Das Fazit, erstmal nicht zu kündigen finde ich ebenfalls für viele Leute die bessere Variante. Jedes Mal, wenn ich Artikel lese, die das “sofort kündigen” glori­fi­zieren muss ich schmunzeln. Das ist bestimmt eine gute Überschrift, aber eben auch nur eine Überschrift.

    Diese burning ship Polemik übersieht, dass nicht jeder durch den ultima­tiven Arschtritt plötzlich über Nacht zum online Marketing Rockstar wird. Oft sind es die kleinen und subtilen Verbesserungen, die den Unterschied machen. Ich habe mein Fotobiz über 2 Jahre neben­be­ruflich auf das Einkommens Niveau meines Brotjobs gehoben und dann den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

    Ich habe 3 weiter Jahre gebraucht, bis ich mich vom Arbeitnehmer mindset lösen konnte, hatte ständig ein schlechtes Gewissen nicht genug zu arbeiten,obwohl das finan­zielle passte. Die Selbstständigkeit hat einen enormen Vorteil: du hast Zeit, viel Zeit die du benutzen kannst über dich und dein Leben nachzu­denken und die Sachen anzugehen, die es Wert sind. In meinem Fall für meine junge Familie. Ich führe derzeit ein Leben wie ein “Rentner”, nur mit dem Vorteil 40 Jahre jünger zu sein und nicht über die mickrige Rente jammern zu müssen 🙂

    • Bastian
      Veröffentlicht am 05 Oktober 2015 um 17:16 Uhr Antworten

      Hey Stefan!
      Cooler Kommentar. Burning Ship Polemik trifft es exakt 😀
      Ich meine, es geht ja lediglich darum überhaupt den Arsch hoch zu kriegen. Aber um erste Schritte in die eigene bessere Zukunft zu gehen, muss man ja nicht direkt alles hinter sich lassen. Im ersten Moment hätte ich auch gern à la Digital Nomad Prototyp Deutschland hinter mir gelassen, die Wohnung gekündigt und wäre nur mit Handgepäck durch die Welt gezogen. Aber es muss einfach nicht direkt alles so radikal sein. So hab ich jetzt eben doch noch meinen Wohnsitz in Deutschland und finde es aktuell auch nicht schlimm. Die Freiheit zu haben mal den Rucksack zu packen wenn bei Urlaubspiraten mal wieder ein krasse Angebot rein kommt bei dem man übermorgen fliegen muss ist auch schon ziemlich nice.

      Schön dass du ansprichst, dass man eben NICHT jede Minute die man plötzlich zur Verfügung hat frei nutzen muss. Es ist wirklich wichtig, sich auch einfach mal mit sich selbst zu beschäf­tigen. Mir fällt das im Moment noch schwer, weil ich noch so viele Dinge vorhabe mit Officeflucht und ein paar anderen Dingen. Aber wenn sich erstmal alles ein wenig einpendelt, dann kann ich hoffentlich auch besser abschalten.

      Beste Grüße

  • Markus
    Veröffentlicht am 05 Oktober 2015 um 10:47 Uhr Antworten

    Hallo Bastian,

    vielen Dank für den tollen Artikel! Ich bin nach wie vor fest angestellt, verdiene eigentlich nicht schlecht und habe ziemliche viele Freiheiten bei mir in der Firma. Trotzdem gibt es da Dinge mit den ich absolut kämpfe. Z.b das ich nicht spontan von heute auf morgen entscheiden kann, das ich irgendwo hin fliege/fahre (Stichwort: begrenzte Urlaubszeit) und auch die Arbeit selbst füllt mich nicht wirklich aus.
    Deshalb hab ich so wie du es auch kurz beschrieben hast, als Sidepreneur begonnen. So kann ich “Leerzeit” in der Firma wunderbar nutzen um an eigenen Projekten zu arbeiten. Mein Ziel ist es neben meiner Angestelltentätigkeit ein Business aufzu­bauen, um dann – wenn genügend Einkommen daraus generiert werden kann – zu kündigen.

    lg Markus

    • Bastian
      Veröffentlicht am 05 Oktober 2015 um 17:21 Uhr Antworten

      Hey Markus,
      dank dir! Toll, dass du den Entschluss gefasst hast was eigenes zu starten. Und cool wenn dein Arbeitgeber keinen Stress macht wenn du dort “Leerzeit” für dich nutzt. Oft muss man dann ja die aller sinnlo­sesten Arbeiten erledigen 😀
      In welche Richtung soll es denn gehen? Wenn ich dir bei irgendwas helfen kann, lass es mich wissen.

      LG

  • Gil
    Veröffentlicht am 05 Oktober 2015 um 16:45 Uhr Antworten

    Gefällt mir sehr gut Bastian!

    Schön geschrieben und viel Wahrheit im Detail 🙂

    Wie passiv das Onlinebusiness auch sein kann…so gibt es immer viele Ideen und Wege sich weiter zu entwi­ckeln und nie aufzu­hören mit dem Arbeiten 😉

    Da gehört einiges an Willensstärke dazu sich mal einen Tag vom Handy los zu reißen und nicht immer auf dem Laufenden sein zu müssen…eine Herausforderung für jeden Solopreneur 🙂

    • Bastian
      Veröffentlicht am 05 Oktober 2015 um 17:23 Uhr Antworten

      Danke mein Freund!
      Bei dir sieht es sicher nicht anders aus. Freue mich auf Freitag!
      Bis dann.

      • Gil
        Veröffentlicht am 05 Oktober 2015 um 18:07 Uhr Antworten

        Erwischt 😉 Freitag wird gut!

  • Oli
    Veröffentlicht am 13 Oktober 2015 um 18:34 Uhr Antworten

    Hey Bastian,
    ersten: sehr geiler Blog!
    zweitens: dieser Artikel trifft bei mir voll ins Schwarze. Die Argumente sind gut nachvoll­ziehbar und ich habe mich für die Light-Variante entschieden. Mit allen Vor- und Nachteilen.
    Besonders angesprochen gefühlt habe ich mich beim Thema Smartphone. Nach dem ersten Schmunzeln kam ich ins Grübeln – ja, es ist wirklich so schlimm. Keine Ahnung wie ich es ohne Smartphone aushalten sollte…

    Zum Thema neben­be­ruf­liche Gründung habe ich übrigens kürzlich bei einer Blogparade mitge­wirkt und meine Erfahrungen zum Besten gegeben. – hier geht´s zum Artikel:

    http://​newli​feblog​.de/​v​o​r​s​p​i​e​l​/​u​n​t​e​r​n​e​h​m​e​r​t​u​m​-​l​i​g​h​t​-​o​d​e​r​-​w​a​r​u​m​-​i​c​h​-​m​i​c​h​-​n​e​b​e​n​b​e​r​u​f​l​i​c​h​-​i​m​-​n​e​t​z​-​s​e​l​b​s​t​a​e​n​d​i​g​-​m​a​c​he/

    Viel Spaß beim Lesen! Comments welcome

    Beste Grüße
    Oli

  • Judith Panknin
    Veröffentlicht am 14 Oktober 2015 um 11:40 Uhr Antworten

    Toller und ehrlicher Artikel. Besonders das mit der Abhängigkeit vom Smartphone. Das ist wirklich manchmal anstrengend.

    Und ich finde es auch toll, dass du eben nicht einfach so mitmachst bei dem Gerede Kündige deinen Job/werde digitaler Nomade/Reise um die Welt, sondern die “harten” Fakten aufzeigst. Im Moment ist das wirklich so ein Trend, den ich teilweise sehr skeptisch betrachte, dann ich glaube nicht an passiv Einkommen ohne dass vorher enorme Arbeit dafür geleistet wurde.

    Eine Anmerkung zu deinen Vorteilen von Selbständigkeit hätte ich aber noch. Man kann auch bei der Selbständigkeit von einem Tag auf den anderen alles verlieren. Klar kann man nicht gekündigt werden aber dafür krank werden.

    Achja und ich bin z.B. sehr glücklich in meinem Vollzeit-Job, aber versuche trotzdem neben­be­ruflich mein eigenes Standbein aufzu­bauen. Hängt aber mit unser Familienplanung zusammen, von daher vielleicht nicht ganz der Regelfall ;).

    • Bastian
      Veröffentlicht am 15 Oktober 2015 um 10:37 Uhr Antworten

      Hey Judith,
      dank dir 🙂
      In der Selbstständigkeit kann man natürlich auch alles verlieren. Insbesondere wenn man “klassisch” gründet und jede Menge Kapital ins Unternehmen pumpt. Aber wenn man seine Selbstständigkeit streut und mehrere Einnahmequellen hat, dann minimiert man das Risiko. Ich möchte auch keinem nahe legen, sich ausschließlich auf 1 Standbein zu verlassen. Beim Outsourcing von Arbeiten, wie bspw. der Logistik bei Amazon, geht es ja nicht darum so wenig zu arbeiten wie möglich, sondern sich Freiräume für andere Arbeiten zu schaffen und sich so etwas aufzu­bauen 😉

      Liebe Grüße

  • Jenny Körner
    Veröffentlicht am 06 November 2015 um 22:05 Uhr Antworten

    Hallo Bastian, ich bin mal so ganz neu hier und alles was ich mit dem digitalen Nomadentum zu tun habe ist, dass ich vor einer Weile mal auf den “Begriff” im Internet gestoßen bin während einer meiner vielen frustrierten Momente, die ich während der Arbeitszeit mit leerem Blick auf meinen Monitor gestarrt habe und vermeintlich ziellos durchs www geirrt bin um mal auf deine Seite zu stoßen die mir aufzeigt, dass mein Verirren gar nicht so ziellos war. Das was du aufbauen möchtest ist das, was ich gesucht habe. Deine Beschreibung eines Lebens in einem nine to five – job entspricht dem, wie ich mich fühle und ich sehe mich aktuell in dieser Abwärtsspirale. Ich suche nach einem alter­na­tiven Konzept das für mich funktio­niert. Da ich aber allein erzie­hende Mutter bin weiß ich noch nicht, wie ich es umsetzen kann meine Verantwortung zu tragen und gleich­zeitig Ressourcen und Wege für einen Ausstieg zu finden, für mein persön­liches Wohlergehen zu sorgen, für das ich Autonomie, Freiheit und Freizeit als Grundlage empfinde. Und in welche Richtung es überhaupt gehen soll. Ich dachte nicht selten daran einfach mein Kind für ein Jahr aus der Schule zu nehmen und mit ihm zu verreisen. Für das nötige Kleingeld müsste ich auch das Verhaltensmuster der Kompensation durch Konsum durch­brechen. 🙂 Ich bin als Angestellte im Online-Marketing Bereich quasi als Mädchen für alles tätig und suche noch nach dem rote Faden für mich als “Sidepreneur” für einen “soften” Ausstieg . Ich werde deine Beiträge verfolgen und hoffentlich weiterhin Inspiration und Mut zur Veränderung daraus mitnehmen. Ein tolles Konzept hast du da. Werde ich sharen und caren. 😉
    Danke.

    • Bastian
      Veröffentlicht am 07 November 2015 um 17:04 Uhr Antworten

      Hey Jenny,
      dank dir vielmals für deinen persön­lichen Kommentar! Ich finde es unheimlich wichtig, dass man erstmal an dem Punkt der Einsicht angelangt, dass man etwas verändern will. Danach ist es einfach eine Frage der Prioritäten. Zum Beispiel sich viel anzulesen, statt fernzu­sehen oder Geld für Online Kurse zu inves­tieren, statt regel­mäßig mit Freunden auswärts zu essen oder dergleichen. Du hast es als allein­er­zie­hende Mutter definitiv schwerer, aber vielleicht auch anders gesehen einen weiteren großen Punkt der Motivation. Auf jeden Fall scheinst du ja schon mit deinem Mindset auf dem richtigen Weg zu sein. Wenn ich dir irgendwie helfen kann, dann lass es mich wissen.

      Beste Grüße

  • Michael
    Veröffentlicht am 03 Januar 2016 um 19:29 Uhr Antworten

    Hallo Bastian,

    nun möchte ich doch auch hier Lob loswerden, nachdem ich hier auf Deinem Blog über eine Stunde von Beitrag zu Beitrag gezogen bin. Du machst das mit viel Authentizität und Kompetenz. Schön finde ich, dass Du die Dinge von verschie­denen Seiten betrachtest und Deine Erfahrungen hier so offen teilst.
    Den Weg in die Selbständigkeit im Online-Business habe ich schon vor 14 Jahren beschritten, wo die Dinge noch recht einfach waren, wenn man die Nase in den Online-Wind gehalten hat.
    Was Du machst, ist aus meiner Sicht im Moment auch die einfachste Möglichkeit, mit begrenzten Mitteln, online Geld zu verdienen, wenn man mal von E-Books absieht.
    Trotzdem ist die Aufgabenstellung die, dass Du etwas cleverer, günstiger und schneller agieren musst als Deine Mitbewerber. Da hast Du m.E. viele gute Kriterien gefunden, die Dein Amazon-Geschäftsmodell erfolg­reich zu betreiben.
    Ich möchte aber auch mal die andere Seite der Medaille beleuchten, da ich auch mit Amazon schon einige Erfahrungen gesammelt habe und dort auch schon mal einge­laden war.
    Die Marketplace-Teilnehmer sind für Amazon Lückenfüller, die dazu beitragen, dass das Angebot möglichst umfassend und günstig ist.
    Es ist aber auch klar, dass auf Amazon ein grund­sätzlich knall­harter Wettbewerb (Preiskampf) herrscht. Dein chine­si­scher Großhändler oder Produzent kann schon morgen Dein Mitbewerber auf Amazon sein.
    Der kann nämlich die Umsatzsteuer sparen ( bzw sein Kunde) wenn er das Produkt unter 22 Euro anbietet.
    Ob Du als ‘Langnase’ den besten Preis bekommst, ist auch fraglich.
    Amazon selbst kann aber bei jedem Schnelldreher selbst Dein Mitbewerber werden.
    Das aber nur am Rande, denn Amazon ist der ideale Weg, online die Marktfähigkeit von Produkt und Preis zu testen.
    Eigentlich geht es ja hier in diesem Post um Selbständigkeit, Angestelltenverhältnis, Freiheit, Verantwortung und Office-Flucht.
    Ich habe vor ca. 4 Jahren in meiner Firma mein Büro geräumt, weil Platz für Mitarbeiter benötigt wurde und habe somit zwangs­weise die Freiheit gehabt, überall und nirgendwo zu arbeiten. Das ist ein schönes Gefühl.
    Nun schreibe ich diese Zeilen in meinem neuen Büro (seit 1.1.), in dem ich tatsächlich an einem Sonntag sitze und entwerfe neue Online-Konzepte.
    Die Umwelt beein­flusst die Gedanken und in einem Büro kann ich tatsächlich struk­tu­rierter arbeiten, als im Freiraum ( da kann man besser träumen)

    Du bist ja erst am Anfang Deiner Business-Reise und scheinbar deshalb viel in der Welt unterwegs.
    Das Leben ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf, zumindest wenn man Fernziele hat.
    Das mit den kleinen Zielen und Schritten hat mit gut gefallen.
    Da mein Ipad-Akku nur noch 7% hat, drücke ich nun auf ABSCHICKEN

  • Claudius
    Veröffentlicht am 02 November 2017 um 14:54 Uhr Antworten

    Ich kann dem nur zustimmen! Es gibt immer eine Möglichkeit, das eigene Business neben dem Job aufzu­bauen. Ein Freund von mir hat erst kürzlich seine Arbeitszeit auf 30 Stunden pro Woche reduziert, damit er mehr Zeit in seine Geschäfte stecken kann!

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