Lust auf Kaffee ? – Nein, Danke !

14 Min. Lesezeit

Wie wir verhindern, dass andere unser Gehirn anzapfen und trotzdem kein Arschloch werden.

 

Seit einiger Zeit bekomme ich am Tag sehr viele Nachrichten. Von Leuten, die vorgeben einfach mal mit mir plaudern zu wollen. Mit mir Kaffee trinken wollen. Und was soll ich sagen – ich liebe Kaffee. Doch ich kann oft nicht darauf eingehen. Darf oft nicht darauf eingehen. Denn erstens würde ich nach so viel Kaffee mehr zucken, als die Menschen in einem Berliner Elektro-Schuppen. Und zweitens ist er zu teuer. Er kostet mein ganzes Gehirn. Einen jahre­langen Leidens- und Lebensweg. Er stellt den tieferen Sinn von Arbeit und Business auf den Kopf. Und am Ende hilft er niemandem. Dies ist ein Plädoyer für ein herzliches „Nein, Danke!“.

Ganz als erstes – ich bin kein Arschloch. Ich möchte auch keins sein. Und wenn ich die Leute um mich herum beobachte, bin ich guter Hoffnung, dass ich mit dieser Ansicht nicht ganz so verkehrt liege. Ich rede den ganzen Tag mit Menschen. Teile auf Social Media, in meinem Blog, Newsletter, in Interviews viele Ideen, Strategien und handfesten Content. Neben dem wohl besten und herzhaf­testem AirBnB-Onlinekurs des Planeten, ist dies mein Job. Und ich tue das gerne, ohne unmit­telbare „Bezahlung“. Sehr gerne sogar. Doch es gibt eine Grenze.

Die beginnt genau dort, wo Menschen anfangen komisch zu werden. Wo man das Gefühl bekommt, die Art der Fragen, die Art des Verhaltens hat die gleiche Natürlichkeit wie ein Verkaufstraining im Mobilfunk-Callcenter. Sie sind nicht an Dir inter­es­siert, sondern an dem was Du hast. Deine Ressourcen, Deine Kontakte, Deine Erfahrung. Sie wollen eine Abkürzung allein für ihr Ziel. Am besten für lau. Im besten Fall für einen Kaffee. Und ob nun in einer günstigen Straßenecke in Chiang Mai oder im Central Business District von Manhattan – all diese Kaffees dürfen nie getrunken werden. Aus mehreren Gründen.

Alles hat einen Wert

 

Ein Mittagessen kostet in Europa vielleicht 10 Euro. Ein iPhone schon etwas mehr. Und ins Kino kommt man auch nicht umsonst. (Außer die Freunde waren beim letzten Geburtstag mal wieder mega kreativ und man hat noch 300 Gutscheine zu Hause liegen.) Warum ist es für uns so selbst­ver­ständlich, für diese materi­ellen Dinge Geld auf den Tisch zu legen und bei Informationen, Coaching, Anleitung empört mit der Wimper zu zucken, wenn eine entspre­chende Bezahlung vereinbart werden soll?

Vielleicht weil wir immer noch auf den Spuren unserer Großeltern wandern. Denken, dass nur das etwas wert sein kann, was man anfassen kann. Und weil wir komplett achtlos unser eigenes Leben sabotieren. Der Netflix-Account, die zuckrige Cola auf dem Heimweg, das neue Telefon – alles gut und schön. Doch wenn wir wirklich ehrlich zu uns selbst sein würden, spüren wir sehr gut wie viele dieser Dinge reiner Konsum sind, unser Leben langfristig wenig berei­chern und eher für den teuren Kick im Moment sorgen. Gute Informationen, die richtige Idee im richtigen Moment kann dagegen das Leben für immer verändern. Manchmal es sogar retten. Zumindest hab ich noch nie gehört, dass jemand ein Business, eine erfül­lende Beziehung oder eine schuss­si­chere Gesundheit aufgebaut hat, indem er sich ein neues Telefon oder eine neue Karre angeschafft hat.

Wir haben keine Wertschätzung für guten Rat und Ideen, weil wir den Wert nicht schätzen können. Weil dieser Wert in der Zukunft liegt. Wir ihn nicht anfassen können. Weil wir denken, der kostenlose Rat auf Google und Co. hat für uns die gleiche Qualität, wie die Expertise eines Menschen, der über Jahre hinweg auf der echten Straße gelernt hat. Tausende an Euro dafür inves­tiert hat. Und womöglich sich auch noch Zeit nimmt, es auf den konkreten Fall eines einzelnen Menschen herun­ter­zu­brechen. Sorry – aber der Maßanzug vom italie­ni­schen Schneider ist nicht ohne Grund teurer, als die Stangenware in der chine­si­schen Fabrik. Und die Ideen, Erfahrungen und Strategien von echten Experten kostet mehr als ein Kaffee.

Mach Deinen Scheiß doch alleine !

 

Wir leben immer in einer Beziehung. Ob im Business, in der Partnerschaft, unter Freunden oder zu uns selbst. Die ganze Natur lebt in Beziehung. In sich geschlossene, als auch offene Ökosysteme, die sich entweder stärken oder schwächen. Der mensch­liche Körper ist auch so ein System. Bekommt die Leber mal etwas (wie durch Zauberhand) zu viel Wein am Abend, funkt sie SOS und der Rest des Körpers unter­stützt sie. Macht sie das aller­dings zu häufig, sagt der Rest des Körper auch irgendwann „Fuck you, mach Deinen Scheiß doch alleine!“.

Gute und sinnvolle Gespräche sind Netzwerke von denen beide Seiten etwas haben. Das muss nicht unmit­telbar erfolgen. Und ganz ehrlich – ich sitze auch nicht mit der Supermarktkasse in einem Café und berechne meinem Gesprächspartner meinen Rat im Minutentakt. Manchmal mache ich das auch einfach so ganz gerne – sofern die Vibes stimmen. Doch was mir nicht in mein Hirn geht, ist das Einbahnstraßen-Anspruchsdenken was einige Menschen an den Tag legen. Besonders deutlich wird dies immer, wenn man nicht innerhalb von 3 Sekunden antwortet und der Slang als auch die Frequenz der Nachrichten dann eher an eine Schussübung beim Militär erinnert.

Für mich liegt im Kern dieser wahrscheinlich meist gar nicht so bös gemeinten Zwangsneurotik, unser veral­tetes Bild von Arbeit. Viele von uns sind immer noch gemind­fucked mit einem Konzept: Konkurrenz. Als Unterlegung dieser Aussage müssen wir uns ja nur mal die Facebook-Werbung anschauen, die uns mehr oder weniger freiwillig jeden Tag erdrückt. Sie hat etwas mehr Niveau als die „Ich piss Dir die Augen aus“ – Hasskommentare auf Youtube, doch im Kern ihrer seriös und vornehm getarnten Manipulation steckt die gleiche Message: Alle anderen sind scheiße, ich bin der einzige der Dir Dein Leben oder Dein Business oder Deine Fitness richtet, bitte gib mir Dein Geld.

Das aus so einer Einstellung schnell das Gedankenkorsett erwächst, man lebe ständig in Bedrohung, man müsse irgendwo Wissen und Ideen abzapfen und dürfe möglichst wenig selbst preis­geben, versteht sich von selbst. Dumm nur – oder schön nur – diese Zeiten sind vorbei. Es ist genug für alle da. Und viel besser noch – wir brauchen andere Menschen. In der Produktion des Kaffees den Du vielleicht gerade trinkst, des Bildschirmes auf dem Du gerade liest, waren mit Sicherheit über 50 Menschen aus 5 Ländern beteiligt. Wir können nicht alles alleine schaffen. Brauchen Co-Kreation unter­ein­ander, um unsere eigene Arbeit noch viel lauter und sicht­barer in die Welt zu tragen. An dieser Stelle – Danke an all die Menschen die mich in den letzten Jahren unter­stützt haben und mit mir zusammen in Podcasts, Videos, Artikeln Spaß gehabt haben.

Denn – die meisten coolen Menschen, die ich in meinem Umfeld kenne, sehen sich selbst nicht als Superstars. Was wir alle auch nicht sind. Doch Beziehungen, auf welcher Ebene auch immer, sind nur dann belebend und ergiebig, wenn beide Seiten von ihnen profi­tieren. Das bedeutet nicht, dass man dem anderen gleich die Generalvollmacht über sämtliche Konten ausstellt. Doch es bedeutet, sich zumindest einmal die Frage zu stellen, was man überhaupt tun kann. Und der anderen Personen zumindest das Gefühl zu geben, dass man sich diese Frage schon einmal selbst gestellt hat.

Dinge passieren, weil sie passieren müssen.

 

Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht. Und Erdbeerzeit ist halt auch nicht im Februar. 3 Euro ins Phrasenschwein – doch dahinter steckt für mich immer mehr eine manchmal nicht ganz so leicht zu ertra­gende Wahrheit: Gute Dinge fühlen sich organisch an. Sie ergeben sich wenn die Zeit reif ist und wenn sie fast schon passieren müssen. Ein Laienschauspieler bekommt halt nicht in den nächsten 2 Monaten einen Auftrag aus Hollywood. Am Anfang eines Business macht man Fehler bis man irgendwann daraus lernt. Ein Fußball-Profi ist auch nicht als Profi geboren. Ausser Messi vielleicht. Das bedeutet, wir brauchen einen gewissen Entwicklungsprozess um dort zu landen wo wir letzt­endlich hin wollen. Der Prozess, wenn wir ihm dann folgen, bringt uns Erfahrung, Skills und das nötige Netzwerk. Ab einem gewissen Level sind unsere guten Ergebnisse im Außen dann logischer­weise fast selbst­ver­ständlich.

Da genau unsere Erfahrung, unser Können und unsere bishe­rigen Taten genau diese Ergebnisse bewirken und als Abfallprodukt zwangs­läufig entstehen. Und genau dort kommt das zum Vorschein, was mich anpisst.

So viele von uns glauben oft, wir können diesen Schritt überspringen. Schnell nach der Devise „Komm lass uns mal einen Kaffee trinken und erzähl mir alles, damit ich morgen reich und berühmt bin“, geht es oft darum, als erfolg­reich wahrge­nommen zu werden, anstatt ein substan­zi­elles Fundament für echten Erfolg gebildet zu haben. Was heute auch klar ist – ja man kann all diese schnellen Höhenfolge mit Instagram und Co. gut faken. Doch zurück bleibt ein Gefühl von Unerfülltheit und eine Struktur die schnell verpufft. Du kannst Deinen Erfolg für einige Zeit faken, doch das Bewusstsein der Menschen reift immer mehr, so dass sie irgendwann hinter die Fassade blicken. Und dann wird es peinlich. Einen Grund mehr, viele Kaffees abzulehnen. Sie wären nicht fair. Sie unter­binden kurzzeitig den Prozess und den Weg, den wir alle selbst zu gehen haben, um wirklich „unser Ding“ zu finden und es dann auch wirklich zu meistern. Deswegen empfinde ich es fast schon als Pflicht, in der Auswahl der Einladungen genau hinzu­schauen. Doch wie schützen wir uns vor diesen zeitrau­benden Gesprächen und unter­scheiden zwischen reinen Gehirnabzapfern und Menschen, die es sich wirklich lohnt zu treffen? Hier sind ein paar Ideen, die ich Dir ans Herz lege.

Wisse was für einen Wert Deine Dienstleistung hat.

 

Viele Menschen, die Dienstleistungen, Info-Produkte oder gelinde gesagt, ihr Wissen und Ihre Fähigkeiten verkaufen, scheitern hier. Aus Angst nicht genug vom Kuchen zu bekommen, rennen sie jeder Möhre hinterher, nur um am Ende des Monats gestresst und unzufrieden mit der Auftragslage zu sein. Hier ist der Punkt: Sie wissen nicht, was sie anbieten und welcher Wert dieses Produkt für ihre Kunden hat. Und genau hier liegt auch die Lösung: Biete etwas an, von dem Du weißt, WAS es mit deinem Kunden macht. Vielleicht spart er damit viel Zeit, verdient mehr Geld, hat weniger Selbstzweifel oder lebt einfach gesünder. Umso klarer Du weißt, was Deine Arbeit für einen Impact auf deinen Kunden hat, umso klarer und selbst­be­wusster hast Du ein Gefühl dafür wann es Zeit ist, Ja oder Nein zu einem Deal oder einer Einladung zu sagen.

Leite Menschen zu Google weiter.

 

Das digitale Zeitalter ist das beste was wir je hatten. Es bietet Menschen die Möglichkeit ortsun­ab­hängig das zu machen, was sie wirklich in die Welt bringen wollen. Aber es hat auch seine Schattenseiten. Während unsere Großeltern noch 300 Kilometer zur nächsten Bibliothek laufen mussten um an wertvolle Informationen zu kommen, ist unsere Quelle nur einen Klick entfernt. Während wir uns Bier und Pommes reinziehen. Diese Bequemlichkeit hat nach meiner Empfindung eine unerklär­liche Korrelation zu dem Zustand der geistigen Faulheit. Anstatt selbst in eigenen Lösungen, neue Strategien abzutauchen oder dem inneren Instinkt zu vertrauen, haben wir uns angewöhnt, dass jemand anderes uns alles schnell erklärt. Es ist etwas anderes, wirklich nicht weiter zu kommen und jemand anderes höflich nach einem Tipp zu fragen. Und es ist etwas anderes einfach nur ein anderes Hirn aus Faulheit anzapfen zu wollen. Scheue Dich nicht davor, diese letzteren Versuche einfach zu Google weiter­zu­leiten.

Mache Deals die fair sind.

 

Wir alle wollen fair behandelt werden. Das setzt aber auch voraus, dass wir anderen gegenüber fair sind. Wie würdest Du Dich fühlen, wenn ich Dir einen Sessel für 200 Euro verkaufe und einem anderen genau diesen Sessel verschenke? Klingt verständlich. Doch genau dieses Spiel erwarten manche Menschen von uns. Spiel dieses Spiel nicht mit. Behandle Deine Kunden so, wie Du auch gerne behandelt werden möchtest. Gib Gas, kreiere einen Wert der im besten Fall 10x so hoch ist, wie der reine Preis, doch lass Dich nicht mit weniger abspeisen, wenn es mal wieder jemand schnell bei Kaffee und Kuchen erklärt haben möchte.

Höre auf dein Gefühl.

 

Es gibt Dinge, die sind manchmal nicht zu erklären. Ich habe Angebote von Menschen zu einem Business bekommen, von denen ich im ersten Moment dachte, ich kann dieses nicht ausschlagen. Alles hörte sich gut an. Die Argumente waren klar nachvoll­ziehbar. Das Ergebnis bereits wie in Stein gemeißelt, alles war stimmig. Fast alles. Denn eins stimmte nicht – das Bauchgefühl. Ich weiß nicht wie es Dir geht, doch ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass mein Kopf wunderbare Argumente für eine Kooperation gefunden hat, es im Nachhinein dennoch in die Hose ging und ich es vorher bereits „irgendwie“ wusste. Ich habe aber noch nie die Erfahrung gemacht, dass ich meinem ersten tiefen Instinkt gefolgt bin, entgegen vieler verkopften Argumente einer Einladung oder Gelegenheit zugesagt habe und es sich im Nachhinein tatsächlich als wertvoller „Glücksgriff“ heraus­ge­stellt hat.

Wir alle haben diese Stimme. Auch wenn sie manchmal verborgen ist und der Kopf (garan­tiert immer) genügend Gründe finden kann, um nicht auf sie zu hören. Der Investor Warren Buffett spricht nicht umsonst davon, dass er nur Geschäfte mit Menschen eingeht, die er mag. Ich empfinde dies als eines der validesten Kriterien überhaupt. Es bringt nichts, Zeit mit Menschen, privat oder beruflich, zu verbringen, mit denen die Vibes nicht stimmen. Es gibt Menschen und Kunden die mehr zu uns passen, einiger­maßen passen und die überhaupt nicht passen. Doch ist es einem kurzen, lukra­tiven und schnellem Schnitt wert, unsere kostbare Lebenszeit und das langfristige Herz unserer Arbeit zu opfern? Ich bezweifle das stark. Also – trust your feeling.

Gehe nur auf Dinge ein, die klar sind.

 

Wenn ich Einladungen von Menschen bekomme, frage ich sie oft, worum es eigentlich geht. Genau an dieser Stelle kannst Du neun von zehn sinnlose Termine bereits entlarven. Denn wenn hinter der Einladung kein echtes Interesse, keine sinnvolle Idee oder etwas „Echtes“ steht, kommen Dir Leute hier oft mit sehr schwam­migen Dingen. „Einfach mal so Lust mit Dir zu sprechen“, „Erzähl ich Dir dann persönlich“ oder „Ich hab da so eine Sache“ sind einige der Beispiele wo Du schnell das Weite suchen solltest. Denn entweder ist es oft ein unehr­licher Versuch Dein Gehirn anzuzapfen oder ein versteckter Hinweis darauf, dass Dich andere in ihr mehr oder weniger (meistens weniger) seriöses eigenes Businesskonstrukt ziehen wollen. Meine Empfehlung: Sage nur Gesprächen zu, die einer klaren und nachzu­voll­zie­henden Absicht zugrunde liegen.

Die guten Kaffees

 

Und auch genau diese Gespräche gibt es. Die guten. Die, bei denen es sich lohnt, am Ball zu bleiben. Ich bin mir nicht sicher, ob sie sich erzwingen lassen. Doch was wir machen können – wir können die Rahmenbedingungen so setzen, dass sie sich ergeben. Drei Dinge sind mir dabei besonders wichtig.

Zahle ein.

 

Überlege Dir, was Du einer anderen Person bieten kannst. Und nein, das bedeutet nicht, dass Du gleich die nächste Bank ausrauben würdest oder deine Seele schneller verkaufst, als Aldi aufblasbare Whirlpools im Frühsommer. Es bedeutet schlichtweg, dass Du Deinen Gehirnschmalz etwas anstrengen sollst und überlegst was die andere Seite brauchen könnte. Eine Freundin von mir, die mittler­weile erfolg­reich im Bereich Ernährung arbeitet, hat früher ihre Vorbilder einfach angeschrieben und es sich einfach gemacht. Frei nach dem Motto „ Hey ich weiß zwar nicht wie ich Dir helfen kann, doch ich mag Deine Arbeit / Kunst / Inhalte sehr und würde mich freuen, wenn ich Dich irgendwie unter­stützen könnte. Was brauchst Du zurzeit?“. Auf die Weise hat sich das Gespräch dann oft vertieft, der Kontakt wurde ein paar Ebenen verbind­licher und oft ist etwas Schönes daraus entstanden. In einer Welt, wo jeder augen­scheinlich selbst Popstar ist, kann ich Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es mittler­weile fast schon überra­schend ist, wenn jemand nicht wie der Babo höchst­per­sönlich auftritt, ehrlich und boden­ständig agiert und erstmal in Vorleistung geht. Denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Hartnäckig und freundlich

 

Ich glaube, (fast) jeder kennt das. Es gibt Nachrichten und Einladungen die man im Grunde gerne beant­worten würde. Wäre die Nachricht bloß nicht so scheiße geschrieben. Es gibt tatsächlich Menschen, die ich nicht kenne, die mich nicht kennen und mir 3 Stunden nach ihrem ersten Kontakt mit Sätzen wie „Was ist denn nun?“ kommen. Bei der Gelegenheit, weitere Klassiker in der Hitliste sind „Kannst Du mich mal schnell anrufen?“ oder auch ein einzelnes, zusam­men­hangs­loses Fragezeichen, was bei mir mindestens 3 Fragezeichen mehr aufwirft. Versteh mich nicht falsch – ich bin überzeugt davon, dass wir oft in Kennenlern-Szenarien etwas zu verweich­licht agieren und sich echte Hartnäckigkeit immer auszahlt. In unserer Arbeit, in unseren Liebesbeziehungen, als auch in der Kontaktaufnahme mit Menschen, deren Arbeit wir schätzen. Doch was wir hinbe­kommen müssen, ist es eine Art an den Tag zu legen, die nicht nervig ist. Freundlich sein. Sich nicht jeden Tag fünf Mal in Psycho-Killer-Manier zu melden. Dabei erkennen, dass „neugierig machen“ nicht bedeutet, dem anderen die Pistole auf die Brust zu setzen.

Wir mögen es nicht, lange und oft ignoriert zu werden. Verständlich. Ich mag es auch nicht. Doch wir müssen akzep­tieren, dass jeder Mensch das Recht dazu hat zu entscheiden, mit wem er seine kostbare Zeit verbringt. Und mit wem nicht. Genau so, wie wir das Recht haben, zumindest den Versuch zu unter­nehmen, Kontakt herzu­stellen. Doch ab diesem Punkt zählen noch weitaus andere Parameter als unser reiner Wille. Das Leben wählt aus, ob unter dieser Beziehung ein „It´s a match“ – Benachrichtigungsbildschirm erscheint. Und wir sollten es sportlich und lässig nehmen, wenn dies einmal nicht der Fall ist.

Glaube an Dich selbst.

 

Für mich ist dies der wichtigste Punkt. Mit Abstand. Natürlich klingen diese Worte wie eine lau aufge­wärmte Binsenweisheit. Vielleicht weil wir es noch nicht richtig verstanden haben. Nur mental verar­beitet. Aber doch so ungelebt. Ich glaube fest daran, dass jeder von uns etwas in die Welt zu bringen hat, was man nicht nachmachen kann. Wir suchen in Büchern, YouTube-Videos und Vorträgen nach Motivation und Inhalten die uns endlich durch­starten lassen.

Und genauso suchen wir diese Art von Bestätigung, Coaching und oft auch Erlaubnis in den Menschen, die wir gerne treffen wollen. Doch was wäre, wenn das überhaupt nicht funktio­nieren kann?

Was wäre, wenn diese Menschen die mit all ihren Tipps, ihren Erfahrungen, ihren gut gemeinten Ratschlägen uns in falsche Türen weisen würden? Weil es nämlich ihre Türen sind. Ihre Erlebnisse. Ihre Schlussfolgerungen. Meine Erfahrung der letzten Jahre ist diese: Jeder Mensch weiß was er zu tun hat. Jeder Mensch weiß, was für ihn das Richtige ist. Das was wir im Außen suchen, ist Erlaubnis, wirklich auf diese (manchmal etwas verborgene) Stimme zu hören und dann auch danach zu handeln. Du kannst so viel Wissen anhäufen, dass Neurowissenschaftler Dein Hirn als größte Bibliothek der Welt bezeichnen würden. Du kannst Dir soviel Tipps von Experten und „Vorbildern“ holen, bis du platzt. Doch dies alles ersetzt nicht den Moment, in dem Du entscheidest Deinen Arsch in Bewegung zu bringen und Deinen eigenen Mythos zu kreieren.

Wenn das passiert, geschehen zwei Dinge.

Erstens – du hebst andere nicht mehr auf ein Podest. Weil Du ein Gefühl dafür hast, dass andere vielleicht mit sehr heißem Wasser kochen, doch am Ende ist es immer noch Wasser. Genau wie Du selbst mit Wasser kochst und merkst worauf es wirklich ankommt: Zum Beispiel sich selbst gute Ideen einfallen zu lassen. Deinen Job machen, anstatt den ganzen Tag das Zeug der anderen zu konsu­mieren. Die Ausdauer zu haben, nicht einzu­knicken wenn es mal schwierig wird. Die Dinge nicht zu verkrampft zu sehen und freundlich wie menschlich, zu den Leuten in Deiner Umgebung zu sein. Egal ob sie sich CEO von irgendwas oder der Junge von nebenan nennen. Ich weiß nicht ob das alles so stimmt. Doch stell Dir vor, wir würden gerade Kaffee trinken. Ich würde meine Meinung Dir gegenüber ungefähr so beschreiben.

Wenn wir viel mehr darauf achten würden, unser Ding, auf unsere Weise, in unserem Stil in die Welt zu bringen, würden sich all diese unter­wür­figen und gleich­zeitig überheb­lichen Kontaktversuche erübrigen. Weil die Projektion sich erübrigt. Der Gedanke, dass jemand anderes, uns die entschei­denden Fragen beant­wortet. Und wir würden trotzdem Kaffee trinken. Ratschläge, Strategien und Gelegenheiten austau­schen. Doch mit dem Unterschied, dass es sich nicht mehr so gezwungen anfühlen würde. Weil die Gespräche auf Augenhöhe statt­finden würden. Weil sie sich logisch ergeben würden. Ohne Zwang. Ohne falsche Scham. Ohne Bedacht auf vorge­haltene Absichten. Das sind die Gespräche, die ich mir wünsche. Für uns alle.

Work smart, not hard.

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10 Kommentare
  • Esther
    Veröffentlicht am 21 Mai 2019 um 07:01 Uhr Antworten

    Toller Artikel! Es erfreut mich einige meiner aktuellen Gedanken und Irritationen klar formu­liert zu lesen ? Danke dafür!

  • Jojo
    Veröffentlicht am 21 Mai 2019 um 08:29 Uhr Antworten

    Hi Bastian, Deine Schreibe ist großartig. Da macht Lesen richtig bock. Du solltest mal über ein Buch nachdenken.
    Herzliche Grüße,
    Jojo

  • Dagmar
    Veröffentlicht am 21 Mai 2019 um 10:20 Uhr Antworten

    Wieder ein inhalts­voller Artikel., Bastian.
    Deckt sich mit meinen Gedanken. Besonders die Passage mit Geld zu verlangen, für das, was man sich in jahre­langem Lernen erarbeitet hat. Weil man dem anderen mit seinem Produkt echten Wert liefert.
    Liebe Grüße
    Dagmar

  • Eberhard
    Veröffentlicht am 21 Mai 2019 um 11:01 Uhr Antworten

    Hervorragend. Diesen Artikel werde ich vielfach lesen werden (müssen)um die vielen darin enthalten Wahrheiten auch wirklich zu erkennen. Danke Bastian! Du solltest wirklich mal ein „Buch“ schreiben. Sollte dies dann käuflich erwerbbar sein, so setze mich bitte hiermit auf die Bestellliste.

  • Miriam
    Veröffentlicht am 21 Mai 2019 um 11:22 Uhr Antworten

    Hi Bastian,
    sehr gute und wahre Sätze von dir! Als Designer kenne ich diese Situationen. „Kannst du mir mal schnell ein Logo machen? Muss auch nicht so lange dauern ….“, „Lass mal kurz treffen und über mein Business reden“ oder „Du machst gute Fotos, ich bräuchte da ein paar für meine Website …“. Und das alles natürlich kostenlos.
    Einerseits kann ich solche „Anfragen“ auch nicht mehr ab, da man einfach auch von etwas leben muss und nicht nur von Luft und Liebe. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass ich sehr dankbar bin für kostenlose Ratschläge, die ich bekommen habe, als ich angefangen habe. Ich hätte dafür gern gezahlt, konnte es aber schlicht nicht. Und manchmal muss man einfach versuchen zu fragen, ob derjenige einem helfen kann. Ich versuche daher mittler­weile die kostenlose Beratung an mich wieder gutzu­machen, indem ich anderen in der gleichen Situation (meistens am Anfang ihres Business) helfe. Aber auch gleich­zeitig klarzu­machen, dass das nicht immer so weiter­gehen kann. Ich denke, das siehst du ähnlich (und tust es ja auch) und verstehe somit die bestimmten Anfragen, die es quasi als selbst­ver­ständlich ansehen, sehr gut und kann es gut nachvoll­ziehen :).

  • Jon
    Veröffentlicht am 21 Mai 2019 um 18:09 Uhr Antworten

    Was kann ich geben? Was kann ich teilen?“
    Das sind die Fragen, die das alte Denken von „Was kann ich kriegen?“ ablösen. Wenn ich anderen großzügig gebe, darf ich auch mutig und ohne schlechtes Gewissen von anderen etwas nehmen. In meinem Leben hat das bisher sehr gut geklappt. Ich hatte bei allen Businesses, die ich bisher gestartet habe solche Helfer. Leute deren Dienste ich ohne oder nur mit sehr kleinem Geld in Anspruch genommen habe. Für mich ist das normal zu nehmen. Irgendwann dreht es sich dann und ich kann geben. Natürlich ist das nicht immer die selbe Person. Von Manchen nehme ich, anderen gebe ich. Und dann die Sache wieder im Gleichgewicht. Wie Bastian schon geschrieben hat, die innere Stimme sagt mir schon, wer mein Helfer ist und wem ich geben will. Wenn man reinspürt, haben Abzocker da wenig Chancen.

  • Referat
    Veröffentlicht am 20 Juli 2019 um 09:33 Uhr Antworten

    Bastian, Deine Schreibe ist großartig, weiter so!

    • Bastian
      Veröffentlicht am 24 Juli 2019 um 09:56 Uhr Antworten

      Vielen Dank 🙂

  • Yvonne
    Veröffentlicht am 24 September 2019 um 19:49 Uhr Antworten

    Richtig cool!

    Eigentlich wollt ich grad den Laptop zuklappen. Bin dann aber bei meiner Recherche auf deine Seite gestoßen.
    Diese Farben haben mich augen­blicklich entspannt. Das will ich auch hinbe­kommen mit meiner Seite 🙂
    Hab das Lesen wie eine Inspirations-Lach-Erkenntnis-Meditation empfunden.
    Danke dafür!

    • Bastian
      Veröffentlicht am 25 September 2019 um 19:41 Uhr Antworten

      Hey Yvonne. Vielen vielen Dank für diesen lieben Kommentar. Na dann hoffe ich, dich hier öfters begrüßen zu dürfen 🙂

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